Kandidatenvorstellung Landtagswahl 2018: Stimmkreis Mühldorf

24 Fragen an Peter Corticelli (FDP)

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Peter Corticelli, Direktkandidat der FDP im Stimmkreis Mühldorf am Inn hat sich den Fragen von innsalzach24.de gestellt.

Mühldorf am Inn/Bayern - In Bayern wird am Sonntag, 14. Oktober, ein neuer Landtag gewählt. Im Stimmkreis Mühldorf am Inn bewerben sich elf Direktkandidaten für einen Sitz im bayerischen Landesparlament. Wir stellen die Kandidaten einzeln vor. Dieses Mal: Peter Corticelli (FDP).

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Die Antworten auf den Fragebogen von innsalzach24.de

1. Name 

Peter Corticelli.

2. Partei 

Freie Demokratische Partei - FDP.

3. Alter 

48 Jahre.

4. Wohnort 

Ranoldsberg bei Buchbach.

5. Familienstand 

Verheiratet.

6. Kinder 

Keine.

7. Wie verlief Ihre politische Karriere? 

Video:

Der Eintritt in die FDP erfolgte 2008 nach einer intensiven Beschäftigung mit den Parteiprogrammen. Die damals handelnden Personen waren eher nicht ausschlaggebend. Zunächst blieb ich passives Mitglied, es lief ja augenscheinlich gut für die liberale Sache. 2013 habe ich, am Tag nach dem Rauswurf aus dem Bundestag, die Kreisvorsitzende angerufen und gefragt: was kann ich tun? Und zu tun gab es eine Menge: nach einem respektablen Kommunalwahlkampf haben wir unsere Partei von der Basis neu aufgebaut. Neben meiner Tätigkeit im Kreisvorstand engagiere ich mich auch im Bezirksverband Oberbayern, mittlerweile auch als Mitglied im geschäftsführenden Vorstand.

8. Wer sind Ihre politischen Vorbilder? 

Vorbilder im engeren Sinne habe ich nicht. Mir imponieren Menschen, die sich nicht verbiegen lassen und auch aus Überzeugung gegen große Widerstände aufstehen. Frau Leutheusser-Schnarrenberger aus unserer Partei fällt mir da immer wieder ein. Mut ist, wenn man auch mal etwas riskiert und etwas zu verlieren hat - sonst nennt man es nämlich Gratismut.

9. Was verbindet Sie mit der Region? Was ist das Besondere bei uns? 

Die Entscheidung, sich nach dem Studium im Landkreis Mühldorf niederzulassen, war eine sehr bewusste: meine Großeltern fanden als Vertriebene nach dem Krieg hier Aufnahme in Erharting und konnten ein erfüllendes Leben verbringen. Auch landschaftlich halte ich unsere Gegend für eine der schönsten in ganz Bayern.

10. Warum sind genau Sie der Richtige? 

Das muss letztlich der Wähler beantworten. Man sagt mir nach, dass ich komplexe Sachverhalte mit Vernunft anpacke und sie dann auch erklären und vermitteln kann. Mir sind die klassischen Dimensionen "rechts" und "links" auch zu simpel: es braucht beide Backen zum Sitzen und für ein gerades Kreuz.

Liberalismus ist für mich auch nicht nur Freiheit des Marktes, er gehört ganzheitliche dekliniert: die Freiheit des Einzelnen kann auch durch Konzerne bedroht sein. Gegen laute, leutseelige Bierzeltfüller mit einfachen Parolen zu bestehen, ist nicht einfach - ich bin aber davon überzeugt, dass auch Leute wie ich in den Parlamenten sitzen müssen.

11. Was sind Ihre drei wichtigsten politischen Ziele? 

1.) Infrastruktur für unseren ländlichen Raum - das meint sowohl Straßen und Schienen, als auch digitale Infrastruktur: die Herausforderungen der Digitalisierung werden wir nur mit flächendeckendem High-Speed-Internet bewältigen. 

2.) Digitalisierung und E-Government - während die Wirtschaft langsam die Zeichen der Zeit erkennt, ist die Digitalisierung in den Behörden noch nicht mal ansatzweise angekommen. Durch bayerische Amtsstuben muss ein deutlicher Ruck gehen. 

3.) Bürgerrechte und Rechtsstaat - mich macht es rasend, wenn Menschen ungerecht behandelt werden oder wenn Freiheitsrechte zugunsten einer trügerischen Sicherheit beschnitten werden. Insbesondere im digitalen Raum findet derzeit eine buchstäbliche Orwellisierung statt, die vom normalen Bürger nicht mehr erkannt werden kann.

12. Was wollen Sie für die Menschen in der Region erreichen?

Thema Wohnen: Wie kann in der Region bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden? Es gibt unzählige Bauvorschriften - wenn man hier mal massiv entschlacken würde, wäre viel geholfen. Thema Verkehr: und zwar nicht nur auf München gerichtet, wir haben mit Landshut und Rosenheim zwei große Nachbarn, die auch interessante Pendelziele sein könnten - wenn sie verkehrstechnisch besser erschlossen wären - zum Beispiel durch eine B15neu.

13. Thema Wohnen: Wie kann in der Region bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden? 

Es gibt unzählige Bauvorschriften - wenn man hier mal massiv entschlacken würde, wäre viel geholfen. Thema Verkehr: und zwar nicht nur auf München gerichtet, wir haben mit Landshut und Rosenheim zwei große Nachbarn, die auch interessante Pendelziele sein könnten - wenn sie verkehrstechnisch besser erschlossen wären - zum Beispiel durch eine B15neu.

14. Thema Infrastruktur: Wie wollen Sie den Breitbandausbau in der Region weiter vorantreiben, welche Schritte sind am dringendsten? 

Auch hier ist ein Ansatzhebel die Lockerung von Vorschriften (warum nicht mal eine Glasfaserleitung für einen Kilometer oder zwei überirdisch verlegen?) oder die Zulassung neuerer Verfahren (zum Beispiel Mikrotrenching). Man sollte auch bei der Vergabe von Mobilfunklizenzen weniger Geld einnehmen, sondern eher die Betreiber verpflichten, mit diesem gesparten Geld eine Flächendeckung zu erreichen.

15. Thema Gesundheit: Welche Maßnahmen kann die Politik gegen den Ärztemangel ergreifen und umsetzen? 

Das grundsätzliche Problem angehen: die Landflucht. Wo es keinen Bäcker, keinen Metzger, keine Konzerte, kein Café und keinen schnellen Internetzugang gibt, da will auch kein junger Arzt sich niederlassen. Und auch hier gibt es viel zu viel Bürokratie!

16. Thema Ökologie: Auf welche Weise kann dem Flächenfraß in Bayern entgegenwirkt werden? 

Zunächst: mit Augenmaß an das Thema gehen - von "Flächenfraß" kann nämlich keine Rede sein. Bayern ist von allen "alten" Bundesländern das Land mit dem geringsten Flächenverbrauch, zudem sind die Zahlen seit Jahren rückläufig. Vor dem Hintergrund der Wohnungsnot sehe ich hier keinen akuten Handlungsbedarf.

17. Thema Landwirtschaft: Wie schaffen Sie den Spagat zwischen dem Umweltschutz, Tourismus und der Förderung der landwirtschaftlichen Betriebe? 

Mit Maß und Ziel - und vor allem ohne Ideologie (wie sie zum Beispiel in der Diskussion um Glyphosat vorherrscht). Förderung sollte prinzipiell zwar möglich sein, jedoch immer als Hilfe zur Selbsthilfe, mit den "Beihilfen als Geschäftsmodell" muss Schluss sein. Stattdessen gefallen mir Konzepte, bei denen Landwirte ihre Produkte - möglichst in der Region - selbst vermarkten. Sei es in Kooperation mit dem Einzelhandel, durch Verkaufsautomaten oder Hofläden - oder auch durch clevere neue Produkte, wie etwa Hanf. Hier kann der Staat ruhig als Anschubfinanzierer auftreten.

18. Thema Soziales: Die bayerischen Vereine stehen aufgrund der starken Regulierungen aktuell vor großen Hürden. Wie wollen Sie das Vereinsleben auch in Zukunft fördern? 

Ziemlich einfach: Bagatellgrenzen und Nachsicht: wer unwissentlich zum Beispiel gegen die DSGVO verstößt, sollte - zumindest als "Ersttäter" - statt Strafen, Unterstützung erhalten. Unsere Behörden sind voller Staatsdiener, die derzeit die falschen Zielvorgaben haben: unterstützen statt verfolgen und ahnden. Und das gilt nicht nur für Vereine.

19. Thema Migration: Wie stehen Sie zu der Asylpolitik von Markus Söder, wie kann zum Beispiel die Rückführung der abgelehnten Asylbewerber gelöst werden? 

Hier muss man viel früher ansetzen. Zunächst: die Aktionen von Seehofer und Söder sind zum größten Teil Symbolpolitik - die Polizisten an den Grenzen machen exakt das Gleiche wie vorher, nur, dass sie ein - zweimal die Woche eine Uniform anziehen und sich an die Grenzübergänge stellen. 

Im Ganzen kosten die Maßnahmen Geld und bringen nichts. Es mag eine gewisse Abschreckungswirkung haben, diese nützt nur nichts, wenn sie an anderer Stelle, etwa im Mittelmeer durch die Unterstützung der Schleuser konterkariert wird. Und nein: ich will die Flüchtlinge nicht ertrinken lassen, ich will, dass sie erst gar nicht ins Boot steigen, dass sie sich nicht durch die Sahara schleppen müssen, dass sie erst gar nicht fliehen müssen. Jeder Euro, den wir hierfür ausgeben, spart uns 100 Euro, die wir hier für humanitäre Maßnahmen und Integration ausgeben müssen. 

Was wir also tun müssen: Außengrenzen schützen, Lasten in Europa gerecht verteilen, Fluchtgründe beseitigen und ein Einwanderungsgesetz neben das Asylrecht stellen, mit klaren Definitionen, wer aus wirtschaftlichen Gründen zu uns kommen kann - und wer nicht.

20. Thema Arbeit: Ist das bedingungslose Grundeinkommen der richtige Weg? Wie sähe die Alternative aus? 

Mich stört das Wort "bedingungslos". Ich bin der festen Überzeugung, dass jemand, der arbeitet, immer mehr haben muss, als jemand, der nicht arbeitet. Wobei in meinen Augen auch ehrenamtliche Arbeit oder die häusliche Pflege berücksichtigt werden sollen. 

Ich bin ein großer Verfechter des liberalen Bürgergeldes - das funktioniert im Prinzip wie eine negative Einkommenssteuer. Um auch die versteckte Frage nach der Zukunft der Arbeit als solcher zu beantworten: nein, Roboter und Computer werden nicht alle Arbeit überflüssig machen. Allerdings wird man für jegliche Arbeit in Zukunft auch gut ausgebildet sein müssen, mit der Bereitschaft zum lebenslangen Lernen.

21. Thema Bildung: Wie wollen Sie die Bildungslandschaft im Freistaat stärken? 

Wir wollen schlichtweg die weltbeste Bildung, das ist unser zentrales Thema. Dabei steht immer der einzelne Lernende, egal ob Kind oder Erwachsener, im Mittelpunkt. Die drei Säulen, auf denen die Bildungspolitik steht, sind: 

1. Bessere strukturelle Rahmenbedingungen in der Lernlandschaft. 

2. Lebenslanges Lernen. 

3. Bestes Personal für beste Bildung. Konkret fordern wir zum Beispiel, dass 110 Prozent Lehrer eingestellt werden müssen, da ansonsten zu viel Unterricht ausfällt.

22. Thema Familie: Wie stehen Sie zu dem bayerischen Familiengeld; an welchen Stellen muss nachgebessert werden? 

Wie man sieht: es ist handwerklicher Murks - denn gerade da, wo es am meisten bringen soll, verpufft es komplett sinnlos, weil es auf andere Ersatzleistungen angerechnet wird und darüber hinaus unnötigen Bürokratieaufwand erzeugt. Statt dessen sollten Kommunen zweckgebundene Zuschüsse abrufen können, wenn sie familienfreundliche Infrastruktur aufbauen oder sanieren. Davon haben dann alle etwas.

23. Thema Versorgung: Was halten Sie vom Landespflegegeld? 

Ähnlich wie das Familiengeld oder das Baukindergeld ist auch das Landespflegegeld aus unserer Sicht blanke Wählerbestechung: statt die strukturellen Probleme zu lösen (warum kostet Pflege so viel? Wie muss man das System ganzheitlich umbauen?), werden sie mit Geld zugedeckt - das jederzeit, je nach Kassenlage, dann auch wieder gestrichen werden kann. Das ist ungerecht und somit abzulehnen.

24. Brauchen wir einen Regierungswechsel im Landtag? 

Die CSU wird den nächsten Ministerpräsidenten stellen. Oder, für mich wahrscheinlicher, die nächste Ministerpräsidentin. In jedem Fall benötigt die CSU ein liberales Korrektiv. 

Dazu ist aber mindestens eine personelle Erneuerung erforderlich: nicht alleine wir freien Demokraten, sondern auch viele Unionswähler und -politiker haben große Probleme, sich einen Ministerpräsidenten Söder dauerhaft vorzustellen.

Anmerkung der Redaktion: Die Antworten des Kandidaten/der Kandidatin wurden 1:1 von der Redaktion übernommen, inhaltlich nicht überarbeitet und müssen deswegen nicht die Meinung der Redaktion widerspiegeln.

Quelle: innsalzach24.de

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