Martin Runge zum Grünen-Fraktionschef gewählt

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Neuer Fraktionschef der Grünen im bayerischen Landtag: Martin Runge .

München - Der Wilde hat sich durchgesetzt: Martin Runge ist neuer Fraktionsvorsitzender der Landtags-Grünen. Die Wahl war eng. Um die Parteifreunde nicht zu verprellen, will Runge in Zukunft ein wenig sanfter sein. Zumindest parteiintern.

Noch während der Sieger beflügelt in die Kameras lächelt, teilt eine Mitarbeiterin der Grünen hektisch Zettel aus. „Dr. Martin Runge, Fraktionsvorsitzender“, steht dort. Es folgen persönliche Daten (verheiratet, vier Kinder), der politische Werdegang (im Landtag seit 1996) – und unter Hobbys: „Anträge und Anfragen schreiben.“ Es bleibt das Geheimnis des 52-Jährigen, wie er wirklich seine Freizeit verbringt – aber vorstellbar wäre es schon, dass er auch dann am liebsten ein wenig Ärger anzettelt.

Runge hat sich einen Ruf erarbeitet als Querkopf, als Lamentierer, als hartnäckiger Nachfrager, als Stachel im Fleisch der CSU. Dabei ging er nicht immer sanft mit dem politischen Gegner um. Parteiintern, beteuert der Gröbenzeller, wolle er nun „weniger ruppig“ sein. Im Umgang mit der Staatsregierung werde er sich jedoch nicht ändern.

Runge hat nicht nur Freunde bei den Grünen, das zeigt eine Episode aus dem Jahr 2003. Schon damals bewarb er sich um den Fraktionsvorsitz – und verlor. Geschlagen bewarb er sich um den Sitz im Wirtschaftsausschuss – und verlor erneut. Um des lieben Friedens willen bot ihm die Partei den Sitz im Haushaltsausschuss auf dem Silbertablett an. Runge lehnte ab. Manche sagten, er schmolle.

„Ich freue mich über das Vertrauen“, reagierte er gestern nach dem zweiten, erfolgreichen Anlauf. Er sei sich aber bewusst, dass eine arbeitsreiche Zeit vor den Grünen liege. Angesichts der guten Umfragewerte gebe es viele Erwartungen und Hoffnungen – es lastet Druck auf den Schultern des neuen Chefs. Runge hat sich bei der Wahl nur knapp gegen den Bildungsexperten Thomas Gehring durchgesetzt. „Ich bin nicht enttäuscht“, sagte der anschließend. Die Ko-Vorsitzende Margarete Bause wurde ohne Gegenkandidaten im Amt bestätigt. Die Grünen haben seit jeher eine Doppelspitze, eine Frau und einen Mann. Der bisherige Fraktionschef Thomas Mütze hatte nach gut sieben Monaten hingeschmissen. Der Druck war ihm zu viel geworden.

Thomas Schmidt

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