„Durch Deutschland muss ein Ruck gehen“

Mahner für Erneuerungen: Roman Herzog wird 80

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Bis heute meldet sich Roman Herzog zu gesellschaftspolitischen Themen zu Wort. Zu seinem 80. Geburtstag mahnt er: Europa darf das Vertrauen seiner Menschen nicht verlieren.

Berlin - „Erneuerung“ war das zentrale Thema seiner Präsidentschaft. Bis heute meldet sich Roman Herzog zu gesellschaftspolitischen Themen zu Wort. Zu seinem 80. Geburtstag mahnt er: Europa darf das Vertrauen seiner Menschen nicht verlieren.

„Durch Deutschland muss ein Ruck gehen.“ Wer an den früheren Bundespräsidenten Roman Herzog denkt, erinnert sich vor allem an diese Worte aus seiner „Berliner Rede“ im April 1997. Damals wollte Herzog die Republik aus ihrer Reform-Lethargie wachrütteln. Ob er mit seinem Aufruf etwas änderte, ist umstritten. Doch seitdem gilt Herzog als Mahner für Erneuerungen. Als Alt-Bundespräsident äußert er sich bis heute zu gesellschaftspolitischen Themen. Erst vor wenigen Tagen erschien ein Buch von ihm, in dem er sich mit den Risiken und Chancen des europäischen Einigungsprozesses auseinandersetzt. Am Samstag (5. April) wird der „Ruck-Präsident“ Herzog 80 Jahre alt.

Dass Herzog, Sohn eines Archivars, Staatsoberhaupt wurde, war nicht Ergebnis einer langen Parteilaufbahn, sondern einer Karriere zunächst als Jurist und dann in Staatsämtern auf Landesebene. 1970 trat der Staatsrechtler in die CDU ein und begann in Rheinland-Pfalz eine politische Karriere. Von 1978 bis 1983 war Herzog erst Kultus- und dann Innenminister in Baden-Württemberg, bis er an das Bundesverfassungsgericht wechselte, dessen Präsident er 1987 wurde.

Als Bundespräsidenten-Anwärter war Herzog zunächst Ersatzmann. Denn die Union hatte ursprünglich den sächsischen Justizminister Steffen Heitmann (CDU) als Kandidaten in die Bundesversammlung schicken wollen. Dieser schoss sich dann allerdings mit umstrittenen Äußerungen selbst aus dem Rennen. Im dritten Wahlgang wurde Herzog 1994 mit den Stimmen von Union und FDP zum siebten Bundespräsidenten gewählt. Auf eine zweite Amtszeit verzichtete er 1999, weil Schwarz-Gelb die Mehrheit in der Bundesversammlung verloren hatte.

Das waren die deutschen Bundespräsidenten

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Mit unverblümter Sprache und Sinn für gezielte Provokation bleibt Herzog bis heute Ratgeber, Anreger und Kritiker in der Politik. Warnungen vor einer „Rentnerdemokratie“ brachten Herzog vor sechs Jahren mächtig Ärger ein. Er löste aber damit eine Debatte über Generationengerechtigkeit aus, die bis heute anhält. 2009 rief er zu einer Diskussion über die Soziale Marktwirtschaft auf. „Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat Auswüchse, Missstände und Defizite ans Tageslicht gebracht“, stellte er damals fest. 2012 kritisierte Herzog die Fünf-Prozent-Hürde bei Bundestagswahlen als zu niedrig.

Im März dieses Jahres erschien sein neues Buch mit dem Titel „Europa neu erfinden - Vom Überstaat zur Bürgerdemokratie“. Darin warnt er, die EU sei dabei, das Vertrauen der Menschen zu verlieren. „Die bedeutsamste Schwächung droht der EU gegenwärtig von den Menschen, für die sie eigentlich da ist und da zu sein hat: von ihren Bürgern.“ Wie Herzog im vergangenen Herbst der „Bild“-Zeitung verriet, tippte er das Buch auf einer Schreibmaschine - täglich drei Seiten - in seinem Arbeitszimmer auf der Götzenburg nahe Heilbronn.

Privat musste Herzog seit 1999 einige Schicksalsschläge verkraften. Seine Frau Christiane starb. Er selbst erkrankte mehrmals schwer. 2001 heiratete er eine Freundin der Familie, Alexandra Freifrau von Berlichingen, eine Nachfahrin des legendären Götz von Berlichingen. Äußerlich ist Herzog hager geworden - geistig gilt er als hellwach. Allerdings gibt der Alt-Bundespräsident derzeit keine Interviews, und auch die Buchvorstellungen mussten verschoben werden. Herzog erholt sich in einer Reha-Klinik von einem Oberschenkelbruch, wie sein Büro bestätigte. Deshalb gibt es am Geburtstag selbst auch keine Feiern.

dpa

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