Umweltbundesamt: Deutschland braucht keine Atomimporte

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Das Atomkraftwerk Temelin in Tschechien. Das Umweltbundesamt sieht keinen Bedarf für Atomimporte.

Berlin - Das Umweltbundesamt sieht trotz der vorübergehenden Abschaltung von acht Atomkraftwerken keinen Bedarf für Stromimporte.

“Deutschland ist nicht auf Stromimporte aus Frankreich oder anderen Ländern angewiesen, sondern könnte sich komplett selbst versorgen“, sagte der Energie-und Klimaexperte der Behörde, Harry Lehmann, am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. Die aktuellen Importe seien preisgetrieben, weil sich Stromhändler mit dem billigsten Strom eindecken.

Seit der AKW-Abschaltung Mitte März kommt es zu vermehrten Atomstromimporten aus Frankreich und Tschechien, weil es weniger billigen Atomstrom aus deutschen Atommeilern gibt. “Das ist in einem liberalisierten europäischen Markt für Strom normal“, sagte UBA-Experte Lehmann. “Offensichtlich ist französischer Strom derzeit günstiger als Strom aus deutschen Reservekraftwerken.“

In Deutschland seien auch ohne den Strom der acht vom Moratorium betroffenen AKW ausreichend Reserven vorhanden. Zudem seien derzeit Gas- und Kohlekraftwerke mit einer Leistung von 11 Gigawatt im Bau. “Spätestens wenn diese ab circa 2013 ans Netz gehen, werden die vorübergehenden Importe wieder zurückgehen.“ Zudem könne Frankreich im Winter aufgrund seines eigenen hohen Strombedarfs und im Sommer wegen knappen Kühlwassers seiner Atomkraftwerke ohnehin kaum Strom nach Deutschland liefern, sagte Lehmann.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) warnte angesichts der großen Herausforderungen vor einem übereilten Atomausstieg. “Wir können nicht über Nacht aus der Kernenergie aussteigen“, sagte er der “Rheinischen Post“. “Wir dürfen nicht aus dem Auge verlieren, dass wir nicht auf einer Insel der Glückseligen leben“, so der Minister. “Es nützt nichts, wenn wir aussteigen, und um uns herum laufen jede Menge Kernkraftwerke weiter - in nahezu allen Nachbarstaaten.“

Die Atomkraftwerke in Deutschland und Europa

Die Atomkraftwerke in Deutschland und Europa

Schwarz-Gelb arbeitet derzeit mit Hochdruck an einem raschen Atomausstieg. Bereits bis Mitte Juni könnte ein neues Atomgesetz mit weniger Meilern und kürzeren Restlaufzeiten auf den Weg gebracht werden. Die SPD fordert die Einrichtung eines Sonderausschusses des Bundestags, um frühzeitig einen Atom-Konsens zu finden. “Der Bundestag darf nicht schon wieder zum Abnicker-Gremium werden“, sagte der umweltpolitische Fraktionssprecher Matthias Miersch.

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt betonte, es dürfe nun nicht zu überstürzt gehandelt werden. “Ich bin überzeugt, dass wir die Kernkraft als Brückentechnologie auch für einen längeren und weiteren Zeitraum benötigen“, sagte Hundt am Mittwoch in Stuttgart.

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