"Wuuhuu!" - Wolfsgeheul im Landtag

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Hubert Aiwanger will den Wolf aus den Bayerischen Alpen vertreiben

München - Der Wolf ist ein scheues Tier und im Münchner Landtag eine seltene Erscheinung. Doch spät in der Nacht brechen mehrere Abgeordnete fraktionsübergreifend in Wolfsgeheul aus:

“Wuuhuu“, erschallt es am Dienstagabend im Plenarsaal. “Ich dachte, es gibt nur einen Wolf in Bayern“, seufzt Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU). Der Auslöser: Freie Wähler-Chef Hubert Aiwanger will den Wolf aus den Bayerischen Alpen vertreiben. “Wir beraten ein Thema, das vielleicht in die Spaßecke gestellt wird, das aber einen ernsten Hintergrund hat“, sagt Aiwanger.

Der Wolf in den Alpen treibt vor allem die oberbayerischen Abgeordneten um. Nach Angaben von Umweltminister Markus Söder (CSU) handelt es sich um ein einzelnes Tier, das bisher einen Schaden von 3500 Euro verursacht hat. Aiwanger jedoch warnt, dass der Wolf die Weidewirtschaft in den Alpen flächendeckend gefährden könnte. “3500 Euro als Grundlage zu nehmen, halb Bayern anzuzünden, halte ich für nicht gerechtfertigt“, sagt Söder dazu. “Die tatsächliche Gefahr für Leib und Leben halte ich aus heutiger Sicht für sehr überschaubar.“

Söders Argument: In den vergangenen fünfzig Jahren seien neun Menschen in ganz Europa von Wölfen getötet worden. Zum Vergleich: “In den vergangenen drei Jahren sind 45 Menschen nur in Deutschland an Insektenstichen gestorben.“

Aiwanger ist von den Argumenten des Umweltministeriums nicht beeindruckt. “Ich habe hier zahlreiche Briefe und Anrufe von Almbauern bekommen, die sagen, man lässt uns hier im Stich.“ Die Almbauern beklagen tote Schafe und verängstigte Rinder. Entschädigung für gerissene Schafe sind aus Aiwangers Sicht keine Lösung: “Geld wird die Bergweide nicht beweiden, das können nur die Tiere.“ Doch nicht nur CSU und FDP halten Aiwangers Warnungen für Populismus.

Auch die SPD vermutet, dass die von schlechten Umfragewerten geplagten Freien Wähler den Wolf nutzen, um auf sich aufmerksam zu machen. “Wenn es nicht so ernst wäre, wäre es zum Heulen“, seufzt der SPD-Abgeordnete Ludwig Wörner. “Es ist dreimal zum Heulen.“ Nach diesen Sätzen brechen zuerst mehrere Grüne in Wolfsgeheul aus, bevor andere Abgeordnete bis hin zur CSU folgen. “Da werden Emotionen wach, die überhaupt nicht notwendig sind wegen einem Wolf“, sagt Wörner anschließend.

Das Umweltministerium hat im Umweltausschuss bereits über den Wolf berichtet, doch Aiwanger fordert nun noch einen Bericht. Normalerweise stimmen die anderen Parteien Berichtsanträgen zu. Doch in Aiwangers Fall sind die restlichen Fraktionen so genervt, dass sie den Antrag ablehnen.

“Jetzt nehmen Sie doch mal zur Kenntnis, dass dieser Wolf nicht den Untergang des gesamten Alpenraums bedeutet“, schimpft der FDP-Agrarpolitiker Thomas Dechant. “Das ist doch kein Flugwolf, der hin und her saust“, spottet der Grünen-Umweltexperte Christian Magerl. “Wieviel Rindviecher und Schafe frisst denn so ein Wolf an einem Tag?“

Söder sagt, dass die Bergbauern “nicht nur ökologisch, sondern auch kulturell zu diesem Land gehören. Besser als wir unterstützt kein anderes Bundesland die Almwirtschaft.“ Damit erntet Söder Heiterkeit im Plenum, denn Almwirtschaft gibt es ohnehin nur in Bayern.

Doch Söder spricht nicht nur der CSU aus dem Herzen: “Ich glaube, der Einzige, der wirklich Angst haben muss vor den Freien Wählern, ist der Wolf.“ Nur einige Grüne stimmen für Aiwangers Antrag - eine böse Abfuhr für den Freie Wähler-Chef.

dpa

Zurück zur Übersicht: Politik

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser