Aigner fordert bessere Kennzeichnung von Dickmachern

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Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU)

Berlin - Wie viel Kalorien hat eine Pizza Bisher werden Kalorien oft in kleinen Portionen angegeben, künftig soll es pro Packung sein. Verbraucherministerin Aigner will mehr Aufklärung gegen Übergewicht.

Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) will mehr Klarheit bei Kalorienangaben. Auf Lebensmittelverpackungen soll die Wirtschaft freiwillig die Kalorienzahl deutlicher als bisher angeben. “Deshalb sollen sich die Angaben künftig auf die Packung beziehen“, sagte Aigner am Mittwoch in Berlin. Bislang geben die Hersteller die Kalorien bei dem freiwilligen Modell pro Portion an. Die Portionsgröße entspricht aber zum Beispiel bei einer Pizza nicht immer dem ganzen Stück, sondern nur einem Teil. An der geplanten Internet-Liste für Etikettenschwindel will Aigner trotz Kritik des Koalitionspartner FDP und der Wirtschaft festhalten.

“Ich lasse mich von diesem Vorhaben in keiner Weise abbringen“, sagte Aigner. “Dialog ist für mich das genaue Gegenteil von Pranger.“ Der Vorschlag sei innerhalb der Koalition mehrfach besprochen worden. Die FDP im Bundestag warnt vor einem “Internet-Pranger“, die Wirtschaft hat rechtliche Bedenken. Nach Aigners Plänen sollen Verbraucher die Namen von Produkten auf einer Internetseite angeben können, die aus ihrer Sicht irreführend sind oder täuschen. Im März 2011 soll ein Test bei der Verbraucherzentrale Hessen starten.

Die Grünen im Bundestag halten das nicht für ausreichend. “Auch Klebefleisch oder Milchimitate sind immer noch nicht geregelt“, sagte Grünen-Ernährungsexpertin Ulrike Höfken. “Die Schummelei ist weiterhin legal.“ Aigner verwies auf EU-Pläne, Kunstkäse und Klebeschinken besser zu kennzeichnen. Ab 20. Januar 2011 sei EU-weit zudem der missverständliche Begriff naturidentischer Aromen verboten. Sie forderte auch ein Ende der Praxis, dass Hersteller Glutamat nicht ausweisen, indem sie Hefeextrakt benutzen.

Im Kampf gegen Übergewicht fordern die Verbraucherzentralen einen Stopp der Lebensmittelwerbung für Kinder. Politik und Hersteller täten sich bislang schwer, kritisierte der Chef des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, Gerd Billen. Die Bundesregierung hatte in ihrem Aktionsplan gegen Übergewicht 2008 eine Selbstverpflichtung der Lebensmittelwirtschaft angestrebt, auf Werbung gegenüber Kindern unter zwölf Jahren zu verzichten. Aigner verwies auf die geplanten schärferen EU-Regeln, nach denen Gesundheitsangaben von Produkten wissenschaftlich nachgewiesen sein müssen.

Zwei Drittel der Männer und die Hälfte der Frauen gelten in Deutschland als übergewichtig oder fettleibig, bei Kindern zwischen 14 und 17 Jahren ist es fast ein Fünftel der Jungen und ein Sechstel der Mädchen. Der Münchner Ernährungsexperte Berthold Koletzko sagte, es gebe einen wesentlichen Einfluss von Werbung auf die Ess- und Trinkgewohnheiten von Kindern. Die Werbebranche hält den Zusammenhang nicht für gegeben. Es gebe zudem Verhaltensgrundsätze, um alles zu unterlassen, was als Aufforderung zu übermäßiger oder einseitiger Ernährung verstanden werden könne, sagte der Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands der Deutschen Werbewirtschaft, Manfred Parteina.

dpa

Quelle: rosenheim24.de

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