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Kommentar über zu späte Reaktion der Regierung

Impf-Aufklärung von Anfang an zu träge: Menschen wie Kimmich muss man verstehen

Bei der Impfung sind viele noch skeptisch. So auch FC Bayern Spieler Kimmich.
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Bei der Impfung sind viele noch skeptisch. So auch FC Bayern Spieler Kimmich.

Anfang des Jahres gab es eine Debatte um Markus Söders Aussage, dass es eventuell für manche eine Impfpflicht geben könne. Zu dieser Zeit war die Impfung in greifbarer Nähe und doch fehlte fast jede Aufklärung darüber, was das eigentlich bedeuten wird. Dass das verpasst wurde, bekommen wir jetzt zu spüren. Ein Kommentar von Online-Volontär Max Partelly.

Bayern - Am 13. Januar schrieb ich über Söders Vorstoß mit dem Vorschlag, es solle eventuell für manche Gruppen eine Impfpflicht geben. Schon damals war es mir unbegreiflich, wie sich unser Ministerpräsident in diese thematischen Gefilde begeben konnte, wo doch noch nicht einmal klar war, wann die Impfung für wirklich jeden überhaupt zugänglich sein wird.

In mindestens demselben Ausmaß störte mich schon damals die Aufklärungsarbeit der Bundesregierung im Angesicht der herannahenden Corona-Impfung. Diese sehe ich auch rückblickend als laissez faire, gleichgültig, ja vielleicht sogar fahrlässig.

Wie in einer so entscheidenden Phase der Pandemie verschwindend geringe tatsächliche Aufklärung darüber betrieben werden konnte, was es für die Bevölkerung bedeutet, wenn die Impfung verfügbar wird, ist mir noch immer schleierhaft. Anstatt auf den beschwerlichen Weg hinzuweisen, der noch vor uns lag und noch immer liegt, wurde eher einseitig von der Rettung geträumt.

Anstatt realistisch einzuschätzen, wurde um den heißen Brei geredet. Sterile Immunisierung, die Ansteckungen komplett unterbindet? Das wärs gewesen. Was im wahrscheinlichen und später tatsächlich eintretenden Fall einer „nur“ gut immunisierenden Impfung folgen würde, wurde nicht explizit gesprochen. Zu wissen, was passiert, wenn die Impfung zwar sehr gut, aber halt nicht das Heilmittel für die komplette Pandemie ab Sekunde Eins ist - das wäre sehr wichtig gewesen.

„Kritiker“ seit Pandemiebeginn als treibende Kraft hinter den Zweifeln

Die Aufklärungsarbeit lief erst Stück für Stück mit der Einführung der Impfstoffe an und sie war dürftig. Schon weit vor der Impfkampagne liefen aber bereits die Social-Media-Seiten und Messenger-Kanäle der Querdenker auf Hochtouren. Es wurde scharf kritisiert, auf zu schnelle Zulassungsverfahren verwiesen und der sprichwörtliche Teufel des Massensterbens an die Wand gemalt. Die Inhalte verbreiteten sich wie ein Lauffeuer und sind noch immer vielen bekannt; werden von vielen auch nach wie vor in der Debatte vorgebracht. Aufklärung wurde immer schwerer angesichts der Massen an Fehlinformation und der wachsenden Angst.

Vonseiten der Regierung blieb man aber offenbar entspannt. Man schlug sich mit dem - im Rückblick nicht überschwänglich erfolgreichen - Beschaffen des Impfstoffs herum. Diese Ambition war für sich genommen richtig, jedoch hat man vergessen, übersehen oder vielleicht auch nicht sehen wollen, dass man auch informierte Bürger braucht, die den Impfstoff guten Gewissens annehmen können und möchten. Hier zählte und zählt immer noch die Kommunikation und die funktioniert bei der breiten Masse nicht über wissenschaftliche Erkenntnisse alleine. Nicht jeder hat Zeit und Muße, zahlreiche Studien und Expertenmeinungen zu sichten und einzuordnen.

Selbst heute noch fasse ich mir teilweise noch an den Kopf, wenn ich Spots und Werbung unserer Politik ausgespielt bekomme. Was von der Regierung als Aufklärung gemeint ist, löst des Öfteren auch bei mir, der für die Impfung ist und von ihrem Nutzen überzeugt ist, ungläubiges Kopfschütteln aus. Nicht nur einmal dachte ich mir: „Das ist doch nicht euer Ernst?“ Wenig mehr als ein „Nein, das stimmt nicht, die Impfung ist gut“ ist immer wieder die Antwort auf teils detailliert ausgearbeitete und weit verbreitete Verschwörungserzählungen. Das kann und wird niemanden überzeugen, der eben diesen Erzählungen auch nur ein Minimum an Glaubwürdigkeit eingeräumt hat.

Späte Reaktion der Regierung: Infografiken zur (dürftigen) Aufklärung

Gegen die Flut an Fehlinformationen zur Impfung begann etwa das Facebook-Profil der Bundesregierung, im Laufe des Jahres knappe Texte auf Bilder zu posten, die gegen Fehlinformationen wirken und Vertrauen stärken sollen. Das Ziel: Angst nehmen und Information verbreiten.

Nette Infografiken (Beispiel unten) sind schön und gut, helfen aber im Kampf gegen Desinformation nur dürftig, wenn nicht auf spezifische Zweifel oder Meldungen eingegangen wird. Auf „Ich mache mir Sorgen, die Impfung könnte schädlich sein“ mit „Es gibt hohe Sicherheitsstandards“ zu antworten, könnte funktionieren, wenn schon im Vorfeld erklärt worden wäre, wie diese Sicherheitsstandards gewährleistet werden. Wurde es aber nicht ausreichend. Ohne diese Erklärung bringt diese knappe Grafik nichts. Zu viele gegensätzliche Informationen und Zweifel wurden schon durch die „Öffentlichkeitsarbeit“ von Querdenken und Co. gestreut.

Es ist verständlich, dass man einen Rundumschlag machen möchte und alles auf einmal thematisch effizient erfassen möchte. Das hätte man aber tun müssen, bevor andere es sich an der Spitze der Reichweite gemütlich gemacht und die Deutungshoheit an sich gerissen haben. Sie gaben mit vielen kleinen und spezifischen Geschichten den Ton an. Impfung macht steril, Impfung sorgt für schwereren Verlauf, Impfung gefährlich oder gar tödlich - das bleibt leider gut hängen, weil es Angst macht.

Kimmich ist das Paradebeispiel für eine fehlgeschlagene Impf-Aufklärung

Wozu dieses träge Anlaufen der Aufklärung führen kann, zeigt aktuell der Fußballer Kimmich, der mit seiner Zurückhaltung beim Impfen an die Öffentlichkeit gegangen ist: Verunsicherung, Zurückhaltung und ein fehlendes Verständnis wie etwa für die Begriffe Langzeitfolgen beziehungsweise Langzeitstudien. Das sind nachvollziehbare Reaktionen auf den immer stärker werdenden Druck hin zur Impfung. Es ist nur normal, sich für seine Ablehnung rechtfertigen zu wollen, wenn man sich gedrängt fühlt. Die Gründe zeigen dann oftmals auf, wo das Problem liegt: Bei den Informationen, die hängen geblieben sind nach langer Berieselung.

Hört und liest man nur oft genug von schlimmen Langzeitfolgen, die nur durch Langzeitstudien bekannt werden könnten, glaubt man das irgendwann. Seit Monaten driftet das Thema durch die Diskussionen und vor allem durch das Netz. Es ist kein neues Thema. Es hat nur auf einen bekannten Menschen gewartet, der es in die unübersehbare Öffentlichkeit trägt. Dass Langzeitfolgen nur bedeuten, dass die Folgen (welche alle kurz nach der Impfung auftreten und nicht Jahre später) lange anhalten, ist vielen nicht bewusst. Dass Langzeitstudien diese Folgen nur deswegen erst spät erkennen, weil die Langzeitfolgen sehr sehr selten auftreten, ist ebenfalls vielen nicht bekannt. Das wäre ein zentraler Punkt der medizinischen Aufklärung gewesen, der kommuniziert werden hätte müssen, sobald das Thema aufkommt - besser noch davor.

Mittlerweile hat sich dazu beispielsweise Carsten Watzl geäußert. Er ist Leiter des Forschungsbereichs Immunologie am Leibniz Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund. In einem erklärenden Twitter-Thread stellt neben anderen Tatsachen auch er klar: „Langzeitfolgen bei Impfungen sind seltene Nebenwirkungen, die häufig erst nach längerer Zeit mit der Impfung in Zusammenhang gebracht werden. ABER: Diese Nebenwirkungen treten innerhalb weniger Wochen nach der Impfung auf!“

Zu spät und zu wenig Aufklärung geleistet - natürlich sind so viele skeptisch

Kurz zusammengefasst: Dass die Bundesregierung bei der Aufklärung rund um die Impfung so lange tatenlos war, während sich schon sehr früh Verschwörungserzählungen massivst verbreiteten, rächt sich bis heute. Dass viele noch immer unsicher sind und sich vor dem kleinen Piks scheuen, ist da nicht verwunderlich.

Dass viele - wie auch Kimmich - verunsichert sind, muss man verstehen. Durch Druck und künstlich festgelegte Einschränkungen für Ungeimpfte, wie etwa 3G/2G, wird man nur diejenigen erreichen, denen es lediglich zu unbequem war, zur Impfung zu gehen. Wer aber zweifelt oder sogar Angst hat, braucht unser Verständnis und neutrale Aufklärung - viel Gespräche, Geduld und keinen Hass.

Zu viele schreckliche Geschichten haben die Menschen gehört und zu oft gab es Unklarheiten, die von dritten erklärt werden mussten. Viel zu lange hat die Regierung die Bürger nicht da abgeholt, wo ihre Sorgen liegen. Dass es immer noch viele Zweifelnde gibt, liegt auch in der Schuld unserer Regierung.

mda

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