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M. Cihad von OVB24 über den muslimischen Fastenmonat

„Nicht einmal Wasser?“ – Mein Leben während des Ramadan und was dahinter steckt

In dieser Kolumne versucht OVB24-Redakteur M. Cihad mit Ramadan-Vorurteilen aufzuräumen und Einblicke in den islamischen Glauben zu geben.
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In dieser Kolumne versucht OVB24-Volontär M. Cihad mit Ramadan-Vorurteilen aufzuräumen und Einblicke in den islamischen Glauben zu geben.

So, es ist endlich wieder soweit! Am frühen Samstagmorgen (2. April) begann auch für mich der Fastenmonat Ramadan (bis 1. Mai) – wie für knapp zwei Milliarden weitere Muslime auf dieser Welt. In dieser Kolumne versucht OVB24-Volontär M. Cihad Kökten mit Vorurteilen aufzuräumen und Einblicke in den islamischen Glauben zu geben.

Rosenheim – Am frühen Samstagmorgen (2. April) begann für mich eine wieder ganz aufregende Zeit im Jahr. Der Fastenmonat Ramadan (2. April bis 1. Mai) klopfte an der Tür und beschäftigt nicht nur mich, sondern knapp zwei Milliarden Menschen über den Globus verteilt. In diesem Jahr vielleicht auch besonders interessant, weil diese sich mit der christlichen Fastenzeit überschneidet.

„Wie jetzt, nicht einmal Wasser?

Als ich zuletzt über meine Timeline auf der Social Media-Plattform Twitter scrollte, stach mir ein Beitrag ins Auge, der mich auf die Idee brachte, ein für alle Mal mit den Ramadan-Vorurteilen aufzuräumen und Einblicke in den islamischen Glauben zu geben. Jedes Jahr stößt das Thema Ramadan auf großes Interesse innerhalb meines Umfelds, das jedoch nur über ein beschränktes Wissen verfügt.

Zum Beginn der 30-tägigen Fastenzeit werde ich dann mit Fragen über Fragen von links und rechts bombardiert. Der Klassiker unter diesen ist zweifelsohne die Frage: „Wie jetzt, nicht einmal Wasser?“ Auch beliebt ist im Anschluss zur Bejahung die nachfolgende Anzweiflung, ob es nicht ungesund sei, da man ja an einem erheblichen Flüssigkeitsmangel leiden könnte.

Ich kann euch vorab schon mal beruhigen. Zumindest war ich selbst nach einem etwas anstrengenderen Tag noch nie wirklich dehydriert. Mittlerweile konnten Forscher sogar heilende Prozesse während des Fastens feststellen, aber dazu vielleicht ein andermal mehr. Auch bereitete es mir bisher keine Probleme, tagsüber ohne Essen zu verbringen.

Viel mehr bemerkte ich im Anschluss an den Ramadan, dass es eigentlich auch mit weniger Nahrungszunahme funktionieren kann und mein eigentliches Essverhalten eher als verschwenderisch bezeichnet werden könnte. Ganz niedlich ist auch immer die Frage mit: „Ist es OK, wenn ich vor dir essen kann?“ Natürlich ist dies sehr aufmerksam, aber vielleicht entstehen diese Fragezeichen genau deshalb, weil man nicht vor Augen führt, dass der eigentliche Grund des Fastens aus reiner Überzeugung hervorgeht.

Wieso fasten Muslime eigentlich?

Vielleicht sollten wir zunächst in Angriff nehmen, wieso man überhaupt fastet. Im Grunde ist es an allererster Stelle eine strikte Anweisung Gottes (Allah im Arabischen). Im Koran, dem heiligen Buch der Muslime, steht nämlich: „Ihr Gläubigen! Euch ist vorgeschrieben, zu fasten, so wie es auch denjenigen, die vor euch lebten, vorgeschrieben worden ist. Vielleicht werdet ihr gottesfürchtig sein.“ (2:183)

Hier ist bereits eine Anspielung seitens Gottes zu vernehmen, dass das Fasten an sich auch vor dem Islam – durch Juden und Christen – schon eine bedeutende Rolle spielte. Zudem ist es einer der fünf Säulen des Islams, die für jeden Muslim unabdinglich sind.

Nicht nur Essen & Trinken: Auch kein Sex

Man darf das Fasten aber nicht als eine Tätigkeit ansehen, bei der gewisse Dinge verboten sind, sondern viel mehr als eine Art Enthaltung. Ähnlich wie in der Fastenzeit der Christen vor Ostern. Die ursprüngliche Bedeutung des Wortes Fastens (Saum im Arabischen) leitet sich nämlich aus dem Verb „s-w-m“ ab. Was so viel bedeutet wie: „stillstehen“, „ruhen“ und im übertragenem Sinne eben „sich enthalten“.

Eine weitere Interpretation wäre jene, dass man lernen soll das Ego im Zaum zu halten, um Gott näherzukommen. Von den Gläubigen wird also verlangt, dass sie zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang auf Essen, Getränke und Rauchen – in jeglicher Form – verzichten. Also im Grunde nichts zu sich einnehmen. Auch keine Medikamente oder beispielsweise Kaugummi. Für den ein oder anderen auch sicherlich interessant: Auch Sex beziehungsweise Selbstbefriedigung sind tabu.

Was ist der Sinn des Fastens?

Es ist aber nicht nur das bloße Fernbleiben vonGenussmitteln“, da ja auch nicht bloß der Bauch isst. Die Augen, der Mund und die Ohren sind auch ein Teil des Ganzen. Wir füttern uns ja, wenn man das so sagen kann, auch mit guten und schlechten Gedanken. Außer diesen praktischen Aspekten gibt es eben auch mehrere ethnisch-moralische Punkte, an die sich ein Muslim halten sollte. Üble Nachrede, Lügen und Beleidigungen aller Art sind nur einige von ihnen, denen man zumindest versuchen sollte – aber nicht nur während des Ramadans – aus dem Weg zu gehen.

Dementsprechend ist der wahre Test nicht der Verzicht auf Essen & Co., sondern der Charakterwandel durch Verhaltensveränderungen. Konnte man sich von den weltlichen Affären lösen oder fällt man nach Ende der 30 Tage in alte Gewohnheiten zurück? Durch das Fasten wird man im Grunde dazu aufgefordert sich mit den eigenen Emotionen auseinanderzusetzen, statt nach äußerer Befriedigung zu suchen, was man sonst vielleicht bevorzugen würde.

Die Worte des weltbekannten Dichters Rumi könnten hier vielleicht etwas richtungsweisend sein: „Fasten blendet den Körper und öffnet die Augen der Seele“. Abgeleitet von diesem Satz sollen sich die Muslime also auf eine spirituelle Reise in die eigene Seele begeben, um neue Erkenntnisse zu erlangen.

Immer am „Faden“ bleiben

Doch wie ergeben sich eigentlich diese Zeiten. Dazu müsste man erneut einen Blick in das heilige Buch der Muslime, den Koran, werfen, der tatsächlich in diesem Fastenmonat dem Propheten Mohammed seitens Gott offenbart wurde. Somit genießt der Ramadan einen besonders hohen Stellenwert und wird als der „Sultan unter den Monaten“ angesehen.

Doch zurück zum Thema: Im Koran steht nämlich im 187. Vers des zweiten Kapitels (Sure im Arabischen), dass man „essen und trinken soll, bis man in der Morgendämmerung einen weißen von einem schwarzen Faden unterscheiden kann“, und bis zur Nacht durchhalten soll.

In der Zeit des Propheten Muhammad wird man das sicherlich so gehandhabt haben, allerdings wird es in der heutigen Zeit etwas schwierig mit dem „Faden-Check“, da viel künstliches Licht vorhanden ist.

Dementsprechend greifen die Menschen heutzutage auf den Mondkalender zurück, der mit der Hilfe von technischen Hilfsmitteln (u. a. Teleskope) erstellt wird. So nutzt man beispielsweise nur noch eine App, gibt die Standorteinstellungen frei und entnimmt dann die Daten, wann man aufhören soll beziehungsweise anfangen darf zu essen.

Im Winter kürzer, im Sommer länger

Der Ramadan ist der neunte Monat im islamischen Mondkalender, der sich im Wesentlichen vom gregorianischen Kalender in der Hinsicht unterscheidet, dass ein Monat im Vergleich nur 29 oder 30 Tage vorzuweisen hat. Dementsprechend ist ein Jahr also zehn bis zwölf Tage kürzer. So beginnt der Fastenmonat Ramadan im Umkehrschluss jedes Jahr zehn bis zwölf Tage eher als im vorherigen Jahr.

Einen gewissen Vorteil beziehungsweise Nachteil bringt diese Tatsache schon mit sich. Während man im Winter – auch aufgrund der Zeitumstellung – in Deutschland „nurso um die zwölf bis 13 Stunden lang fastet, geht es für den ein oder anderen in den Sommermonaten schwieriger zu. Hier kann es auch mal vorkommen, dass man um die 18-19 Stunden durchhalten muss.

Wer ist vom Fasten befreit?

Zum Fasten ist jeder Muslim verpflichtet, der in vollem Besitz seiner Geisteskräfte, volljährig und körperlich dazu in der Lage ist. Doch müssen eigentlich alle fasten? Nein, es gibt auch Ausnahmen. Das heilige Buch (Koran) sagt in diesem Zusammenhang: „Und wenn einer krank ist oder sich auf einer Reise befindet (und deshalb nicht fasten kann, ist ihm) eine (entsprechende) Anzahl anderer Tage (zur Nachholung des Versäumten auferlegt). Gott will es euch leicht machen, nicht schwer.“ (2:185)

Demzufolge sind neben Reisenden und menstruierenden Frauen auch Schwangere, Stillende, Kranke sowie Kinder vom Fasten befreit. Menschen, denen aufgrund von Alter oder Krankheit ein Fasten ohnehin nicht möglich ist, sind aufgefordert, eine Fastenersatzleistung zu erbringen.

Was bedeutet Ramadan für mich?

Man darf Ramadan ganz gerne als ein Monat der Erkenntnis ansehen. Meines Erachtens ist es die wertvollste Bildung, sich seiner Selbst bewusst zu sein. Durch den Ramadan lerne ich, wer ich bin, was ich benötige, was mir große und was mir keine Mühe bereitet. Im Nachhinein weiß ich, wozu ich in der Lage bin.

Man lernt, dass der Mensch größer als seine Begierden ist. Und das sehe ich als Freiheit an. Es ist keineswegs eine Zeit, andere zu beurteilen, schon gar nicht zu verurteilen. Auch nutze ich es gerne als eine Orientierung, um mich auf die eigentlichen Dinge des Lebens, wie Familie, Arbeit und Bildung zu konzentrieren.

Und nicht zuletzt ist es für viele – auch für mich – ein Monat der Hoffnung. Gerade in dieser Zeit bei so viel Unheil auf dieser Welt, mit der wir uns leider Gottes tagtäglich beschäftigen müssen, ist es ein gar nicht so kleiner Hoffnungsschimmer mit Aussicht auf bessere Zeiten.

Der Ramadan lehrt mich, niemals die Hoffnung aufzugeben. Manchmal sollte man einfach nur vertrauen frei von Zweifel und schon kann es ein besserer Tag als gestern werden. In diesem Sinne wünsche ich allen Muslimen eine besinnliche und gesegnete Ramadan-Zeit. Genießt es in vollen Zügen und passt auf euch auf!

mck

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