Beinschuss-Direkt: Derbyfieber, schwere Schritte und Fusionsgedanken

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Franz Höhensteiger (li.) und Nicolas Foltin

Beinschuss-Direkt wird in dieser Woche zu Derby-Direkt. Den Anfang machen Nicolas Foltin und Franz Höhensteiger vom TSV 1860 Rosenheim, die vor dem Stadtderby gegen den Sportbund Stellung beziehen.

Derby-Direkt! In dieser Woche widmen wir uns dem Rosenheimer Stadtderby, das am Sonntag um 10:30 Uhr im Jahnstadion angepfiffen wird. Den Anfang machen Nicolas Foltin und Franz Höhensteiger, zwei Gesichter des neuen 1860-Vorstandes:

Nico, Franz. Noch vier Tage bis zum Stadtderby gegen den Sportbund. Kribbelts schon?

Franz Höhensteiger: Ja, definitiv. Ich habe zu meiner aktiven Zeit auch Derbys spielen dürfen, das ist etwas ganz besonderes. Nicht nur, dass es gegen einen Gegner aus der eigenen Stadt geht, auch vor einer großen Kulisse spielen zu dürfen, hat einen besonderen Reiz.

Nicolas Foltin: Auch bei mir kribbelt es, aber eher aus organisatorischer Sicht. Wir wollen uns dem Rosenheimer Publikum präsentieren und sind gerade dabei, die Abläufe noch einmal durchzugehen.

Wie unterscheiden sich diese von einem „normalen“ Spiel?

Foltin: Es werden natürlich wesentlich mehr Zuschauer kommen als bei einem normalen Bayernliga-Spiel. Außerdem haben wir uns für das Derby zwei spezielle Aktionen einfallen lassen. Es wird vor dem Spiel ein Frühstück im Sportheim geben und eine Verlosung in der Halbzeit wird auch durchgeführt.

Wie wichtig ist ein Sieg innerhalb der Stadt?

Höhensteiger: Letztendlich gibt es auch im Derby nur drei Punkte zu gewinnen. Die haben wir in unserer derzeitigen Lage bitter nötig. Aber ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass Prestige keine Rolle spielt.

Werdet Ihr wie im Juli als Sieger vom Platz gehen?

Foltin: Davon bin ich fest überzeugt. Die Mannschaft hat sich in den vergangenen Wochen super entwickelt und glaubt wieder an sich. Das stimmt mich für Sonntag sehr zuversichtlich.

Die sportliche Lage ist nach Abschluss der Hinrunde bedrohlich. Plant Ihr im Hinblick auf die kommende Saison schon zweigleisig?

Höhensteiger: Natürlich schwebt ein solcher Gedanke anhand der aktuellen Tabellensituation im Hinterkopf. Es wäre ja naiv zu glauben, dass wir im nächsten Jahr auf jeden Fall wieder Bayernliga spielen. Aber noch gibt es keine konkreten Überlegungen. Wir warten bis zur Winterpause ab, dann werden wir die sportliche Situation auch aus perspektivischem Blickwinkel analysieren.

Foltin: Es ist noch eine komplette Rückrunde zu spielen. Unser Rückstand auf den Relegationsplatz beträgt vier Punkte. Konkrete Pläne für einen Abstieg wären zu diesem Zeitpunkt vermessen und auch das falsche Signal nach außen.

Käme es zum Abstieg in die Landesliga, was wären die Konsequenzen für den TSV 1860 Rosenheim?

Höhensteiger: Wir haben mit einigen Spielern Verträge, die nicht nur für die Bayernliga gültig sind, sondern auch für die Landesliga greifen. An unserem grundlegenden Konzept wird sich nichts ändern. Wir setzen voll auf die Jugend, Bayernliga hin oder her.

Foltin: Genau das ist der Punkt. Die aktuelle Saison zeigt ja eindrucksvoll, dass junge Spieler bei uns die Chance haben, auf hohem Niveau Fußball zu spielen. So sind wir ausgerichtet, das ist die neue Philosophie des TSV 1860. Natürlich hoffen wir, dass wir dieses Konzept weiter in der Bayernliga umsetzen können. Davon bin ich übrigens fest überzeugt.

Was spricht für den Klassenerhalt?

Höhensteiger: Wir haben definitiv das sportliche Potenzial für die Bayernliga. Uns hat in vielen Momenten einfach das letzte Quäntchen gefehlt. Das wird kommen und dann kriegen wir auch die Kurve.

Foltin: Wir haben eine junge, aber charakterlich hervorragende Mannschaft. Unser Trainerteam versteht es, die jungen Spieler zu führen und ihnen mehr und mehr Verantwortung zu geben.

Ihr seid seit 100 Tagen im Amt. Wie fällt die erste Zwischenbilanz aus?

Foltin (lacht): Jede Menge Arbeit. Ich habe zwar hier zu meiner aktiven Zeit gespielt, aber war knapp 15 Jahre nicht mehr im operativen Vereinsleben tätig. Daher waren die ersten 100 Tage eine große Findungsphase für mich. Ich habe viele Abläufe kennengelernt und mich natürlich auch zunächst mit den Menschen, die hinter dem TSV 1860 Rosenheim stecken intensiv auseinandergesetzt.

Mit welchem Ergebnis?

Foltin: Dass hier unheimlich viel Leidenschaft drinsteckt und sich das gesamte Umfeld mit Herzblut in den Verein einbringt. Das sind ja nicht nur wir Vorstandsmitglieder, die Trainer oder die Mannschaft. Es gibt beim TSV so viele Menschen, die einen beträchtlichen Teil ihrer Freizeit dafür opfern, den Verein weiterzubringen. Das muss gesagt werden und dafür bedanken wir uns natürlich auch.

Wie lange geht diese „Kennenlernphase“ noch?

Foltin: Die ist definitiv vorbei. Jetzt heißt es, dass wir den Verein wieder auf gesunde Füße stellen. Dazu haben wir mit vielen Sponsoren und Vertretern der Stadt gesprochen und unser neues Konzept präsentiert. Da ist viel Überzeugungsarbeit gefragt, aber wir sind auf einem guten Weg.

Wie ist die Resonanz der bestehenden Partner?

Foltin: Die ist logischerweise abwartend. Man darf nicht vergessen, dass wir die Vereinsstrukturen komplett umgekrempelt haben, da ist es niemandem zu verdenken, wenn er sich dieses neue Konstrukt mal etwas genauer ansehen will. Aber wir haben gute Ideen und ein klares Konzept, das wird sich auf lange Sicht durchsetzen.

Wie fällt die sportliche Bilanz nach 100 Tagen aus?

Höhensteiger: Rein tabellarisch gesehen, kann ich als sportlicher Leiter natürlich nicht zufrieden sein. Aber man darf die Umstände nicht vergessen. Wir hatten im Endeffekt keine Vorbereitungszeit, hinzu kommt die schwierige finanzielle Situation. Das macht es unter dem Strich nicht leichter.

Wie läuft die Zusammenarbeit im neuen Vorstands-Gremium?

Foltin: Sehr gut. Wir kommunizieren sehr viel und haben alle ein gemeinsames Ziel. Wir wollen, dass der Fußball beim TSV 1860 Rosenheim eine Zukunft hat. Und wenn wir diese Ambition weiterhin mit so viel Elan verfolgen, bin ich fest davon überzeugt, dass wir das schaffen werden.

Gibt es Faktoren, die sich als überraschend positiv herausgestellt haben?

Höhensteiger: Dass alle so an einem Strang ziehen und ehemalige Sechziger, die eigentlich nichts mehr mit dem Verein zu tun hatten, wieder mit an Bord sind, das hat mich doch postiv überrascht.

Der größte Einschnitt in Eurer Amtszeit war sicher die Entlassung von Teamchef und Vorstandsmitglied Thomas Siegmund. Wie schwer ist Euch dieser Schritt gefallen?

Foltin: Dieser Schritt war der schwerste in unserer bisherigen Amtszeit. Thomas hat sich mit unheimlich viel Engagement eingebracht und war auch im Vorstand eine treibende Kraft. Wir haben lange über diese Entscheidung diskutiert und sie letztlich gemeinsam getroffen.

Höhensteiger: Wir waren von Thomas' Arbeit überzeugt. Er hat überragende Dinge eingebracht, dafür möchten wir ihm auf diesem Wege noch einmal danken. Aber die Mechanismen im Sport sind nunmal überall gleich. Wenn der Erfolg nicht da ist, müssen Veränderungen vorgenommen werden. Wir wollten einfach eine klare Linie schaffen. Zwei gleichberechtigte Trainer, das hat nicht funktioniert.  

Eine große Rolle beim TSV 1860 spielt das Geld. Wie verläuft die finanzielle Konsolidierung?

Höhensteiger: Wir fahren einen absoluten Sparkurs und prüfen ganz genau, an welcher Stelle wir welches Budget einsetzen. Das wird bis zum Saisonende so weitergehen. 

Foltin: Das ist ein Weg der kleinen Schritte. Aber wir sind in guten Gesprächen mit Sponsoren und der Stadt zudem planen wir viele kleine Aktionen, wie beispielsweise das Fußball-Camp, das gerade abläuft. Am Saisonende ziehen wir dann einen Schlussstrich und kämpfen dafür, die Saison mit einer schwarzen Null zu beenden.

In den vergangenen Wochen ist das Thema Fusion wieder aufgekocht. Wie steht Ihr dazu?

Foltin: Die Fusion liegt aufgrund der sportlichen Situation beider Vereine auf dem Präsentierteller. Das haben wir in vielen Diskussionen mit unseren Bestandspartnern auch gemerkt. Wir wurden fast überall darauf angesprochen.

Höhensteiger: Nach Rosenheim gehört einfach eine Mannschaft, die mindestens in der Regionalliga spielt. Ich sehe Synergieeffekte zwischen beiden Vereinen. Noch ist nichts konkret in Planung, aber beide Vorstände haben ein gemeinsames Ziel. Wir wollen den Fußball in Rosenheim nach vorne bringen. Dass dieses Unterfangen in Kooperation zweier großer Vereine natürlich einfacher ist als wenn man es alleine angeht, ist ja klar.

Gab es schon Gespräche mit dem Sportbund?

Foltin: Ja, wir haben eine Vorstellungsrunde mit Willi Bonke und Rainer Pastätter vom Sportbund Rosenheim gemacht. Wir haben unsere Ideen präsentiert und ausgemacht, dass wir uns regelmäßig austauschen werden.

Einer der beiden Vereine müsste sein Spielrecht abgeben. Wärt Ihr dazu grundsätzlich bereit?

Foltin: Über solche Details haben wir nicht gesprochen. Wenn man eine Fusion anstrebt, muss man diverse Hürden nehmen. Vereins- oder verbandsinterne Abläufe, steuerrechtliche Aspekte oder juristische Punkte. Da steckt wahnsinnig viel Arbeit und Akribie dahinter. Von heute auf morgen zwei Vereine zusammenzulegen, das haut einfach nicht hin.

Vielen Dank für das Interview

Quelle: rosenheim24.de

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