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Für 60 Sekunden im Mittelpunkt

Elf Jungs vom SV Schechen erleben hautnah den historischen Sieg des FC Bayern über Barcelona

20:41 Uhr Allianz Arena München. Kurz bevor die Mannschaften vom FC Bayern und FC Barcelona das Spielfeld betreten, platzieren sich einige Jugendliche um den Mittelkreis. Rund vier Stunden vorher in einer kleinen Gemeinde bei Rosenheim. Elf Nachwuchsfußballer vom SV Schechen warten ungeduldig auf die Abfahrt nach München. Sie stehen heute im Mittelpunkt des Champions Leauge Halbfinals. Als Sieger eines Videowettbewerbs von Beinschuss und Auto Eder Kolbermoor dürfen die 15-17jährigen heute das UEFA-Sternenbanner halten. Vor zig Millionen TV-Zuschauern und 68.000 Fans werden die Jungs im Stadion auf dem Rasen stehen. Angst? Fehlanzeige. „Klar bin ich ein bisschen aufgeregt“, gesteht Stefan Kapsner, versucht aber gleichzeitig cool zu bleiben und spielt mit seinem Handy rum. Als die Arena langsam in Sichtweite gerät, werden die Augen der Jungs immer größer. Christian Dienersberger freut sich schon vor einer „großen Kulisse einzulaufen“. Als dribbelstarker Linksaußen auch der ‚Franck Ribéry von Schechen’ genannt, hofft Christian den französischen Flügelflitzer live zu sehen.

Im Stadion angekommen, haben die Jungs nur noch ein Ziel: Die Ankunft der Mannschaftsbusse zu sehen. Mit Blaulicht eskortiert fährt der FC Barcelona vor. Unter dem lauten Jubel steigen die Weltstars Iniesta, Messi und Xavi aus. Kurz darauf: Ein lautes Hupen. Die Bayern kommen und signalisieren, wer hier Herr im Haus ist. Simon Winhart zückt sein Handy und filmt die Spieler beim Verlassen des Busses. „Ribéry, Ribéry“ ruft er. Und tatsächlich winkt der Mittelfeldstar kurz rüber. Nicht nur für die Spieler geht’s nun in die Kabinen, auch die Nachwuchskicker müssen zum Umziehen. Schnell werden Straßenklamotten gegen dunkelblaue Trainingsanzüge getauscht, ehe eine UEFA-Mitarbeiterin in ruhigem, aber bestimmten Ton den Ablauf für die Sternenbannerkids erklärt. Am Mittelkreis soll später Disziplin herrschen. Reden oder ins Publikum winken ist verboten. Georg Schildhauer fürchtet beim Einlaufen zu stolpern: „Wenn ich hinfalle, bin ich zwar der Depp, aber morgen wenigstens bei TV Total eine große Nummer“. Lautes Gelächter. Die Jungs wippen mit den Knien und als Raphael Altenweger nach dem Weg zur Toilette fragt, schließen sich seine zehn Mitspieler an. Die anfängliche Coolness ist nun der Anspannung gewichen. Plötzlich kehrt Raphael aufgeregt zurück. „Günter Netzer kam auf mich zu und hat mich im Spaß geschüttelt“.

Endlich ist es soweit. Die Jungs dürfen nun Richtung Rasen gehen und sich das Aufwärmen der Mannschaften anschauen. Noch zehn Minuten bis zum Anpfiff. Zwei UEFA-Verantwortliche geben ein Zeichen. Es wird ernst. In Zweierreihen geordnet, stellen sich die Jungs gemeinsam mit Nachwuchskickern des FC Bayern auf. Auf geht’s. Entlang der Coaching-Zone vom FC Barcelona begeben sie sich zur Mittellinie, um von dort den Platz zu betreten. Als alle um den Anstoßkreis platziert sind, werden die Pins mit denen das Sternenbanner im Rasen befestigt ist, entfernt. Wie vorher besprochen, halten die Jungs die Pins Richtung Rücken und übergeben sie den UEFA-Mitarbeitern, die den Kreis ablaufen. Alles passt. Das weitgefüllte Stadionrund gleicht einem rotweißen Fahnenmeer. Die Arena bebt: „Bumm, Bumm, Bumm.“ Aber nicht nur die Arena. Auch Stefans Herz: „Ich hab gemerkt wie mein Herz schneller schlägt, als die Stimmung kochte“, gesteht er später. Die Mannschaften kommen aus dem Spielertunnel und stellen sich vor der Haupttribüne auf. Es ist 20:42 Uhr und die nächsten 60 Sekunden gehören den B-Junioren. Mit Ertönen der Champions-League-Hymne schütteln die Jungs das Sternenbanner. Vorbei. Jetzt aber schnell runter vom Platz. Das Spiel soll gleich beginnen. Der erste Höhepunkt der Schechener an diesem Abend liegt hinter ihnen. „Unbeschreiblich, ein Wahnsinnsgefühl dort zu stehen“ jubelt Georg. Schnell in die Kabine, Schal holen und Trikot anziehen. Aus den Sternenbannerkids werden jetzt auch optisch FC-Bayern-Fans. Mit dem Aufzug geht’s auf die Tribüne. „Leck, sind das geile Plätze“ staunt Raphael als er von oben aufs Spielfeld schaut. „Bei unseren eigenen Spielen sind vielleicht zehn Zuschauer da und heute standen wir vor knapp 70.000 Fans auf dem Platz“ kann Lukas Holzmaier noch gar nicht richtig fassen, was er da eben erlebt hat und stimmt gemeinsam mit allen anderen Bayern-Anhängern in die Fangesänge ein. „Super Bayern, Super Bayern, hey, hey“ schallt es aus den Kehlen der Jungs.

1:0 durch Müller. Die Jungs springen auf, hüpfen und feiern. 2:0 Gomez. „Das wäre ein gutes Endergebnis“ meint Raphael. Aber es sollte ja noch besser kommen. Robben erzielt den dritten Treffer. Kein Halten mehr auf der Tribüne. Stefan und Christian liegen sich in den Armen: „Oh wie ist das schön, oh wie ist das schön, so was hat man lange nicht gesehn, so schön, so schön“ rufen sie im Chor mit allen anderen Fans. Und als kurz vor Schluss sogar noch das 4:0 fällt sind die Jungs gar nicht mehr zu halten. Ekstase pur. „Finale oho, Finale oho“ schreit Raphael. Schlusspfiff. Die B-Junioren strecken ihre Fäuste zum Himmel, wedeln mit den Schals und lassen ihren Gefühlen freien Lauf: „Jaaaaa, war das geil. Hammer. So ein super Spiel.“ Wo jetzt Schweinsteiger, Robben und Co. einen wohl historischen Sieg feiern, standen vor knapp zwei Stunden noch die Jungs im Mittelpunkt.

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