"Wir werden ein Feuerwerk abbrennen!"

+
beinschuss.de-Redakteur Tobias Ruf im Interview mit Thomas Siegmund (l.) und Patrik Peltram

Vor dem Abstiegsendspiel gegen Schweinfurt 05 geben sich die Rosenheimer Verantwortlichen Thomas Siegmund und Patrik Peltram im Interview mit beinschuss.de

Der TSV 1860 Rosenheim kämpf weiter um den Klassenerhalt in der Regionalliga Bayern. Am Samstag geht es ab 14 Uhr gegen den direkten Konkurrenten aus Schweinfurt, die Sechziger sind zum Siegen verdammt.

Im Exklusivinterview mit beinschuss.de werfen Teamchef Thomas Siegmund und Trainer Patrik Peltram einen Blick auf die brisante Partie gegen die Unterfranken, sprechen über die schwierige Phase in den vergangenen Wochen und zeigen sich bezüglich der weiteren Entwicklung rund um 1860 Rosenheim optimistisch.

Das Interview führte Tobias Ruf

Beinschuss.de: Herr Siegmund, Herr Peltram, das Abstiegsendspiel gegen Schweinfurt steht unmittelbar bevor. Wie ist Ihr Gemütszustand?

Thomas Siegmund: Die Anspannung ist natürlich groß, das ist in so einer Situation ja klar. Aber wir sind zuversichtlich, dass wir die Punkte gegen Schweinfurt holen werden und uns letztendlich noch retten können. Unser Minimalziel war die Relegation, da sind wir noch immer auf dem richtigen Weg.

Patrik Peltram: Ich stimme Thomas zu. Wir sind im Winter mit dem Ziel angetreten, die Klasse zu halten. Das haben wir noch selbst in der Hand, was uns zuversichtlich stimmt.

Wie geht man als Trainer mit so einer Situation um? Verändern Sie etwas im Training oder führen Sie vermehrt Einzelgespräche?

Siegmund: Wir haben viele junge Spieler, das verlangt natürlich ein hohes Maß an Sensibilität. Aber wir haben ein harmonisches und kompetentes Trainerteam und versuchen,  unsere Stärken entsprechend einzubringen. Eine Hauptaufgabe in dieser Phase ist es, die erfahrenen Spieler im Leistungsniveau oben zu halten. Nur so können sie ihrer Verantwortung nachkommen und die Jüngeren pushen. Das ist uns in den vergangenen Spielen leider nicht gelungen.

Peltram: Wir haben im Winter sechs Stammspieler verloren und zudem zahlreiche Verletzte zu beklagen. Das macht es in dieser Situation nicht leichter. Als Ausrede wollen wir das nicht gelten lassen, dennoch ist die personelle Situation natürlich eine große Herausforderung. 

Wie ist die Stimmung im Team? Herrscht nach vier Partien ohne Sieg Frust oder sind die Spieler total fokussiert?

Peltram: Wir müssen das ganze positiv betrachten. Wir haben gegen Buchbach gepunktet und gegen Aschaffenburg ein gutes Spiel gemacht, leider aber nicht die nötigen Punkte eingefahren. Wir haben gute und brave Jungs, in manchen Spielen leider etwas zu brav. Aber an der Motivation hat es nie gemangelt.

Siegmund: Die Mannschaft ist motiviert und spielt Woche für Woche ehrlichen Fußball. Die Entwicklung ist in dieser Konstellation positiv, da müssen wir ansetzen.

Schweinfurt hat zuletzt fleißig gepunktet und gegen Memmingen gewonnen. Was erwarten Sie vom kommenden Gegner?

Siegmund: In solch einer Phase kommt es nicht mehr auf taktische Finessen an. Das Team, das den Sieg mehr will, wird letztendlich als Sieger vom Platz gehen. Das ist unsere Einstellung für den Samstag. Wir werden hoch motiviert ins Match gehen, unseren Stil spielen und alles dafür geben, dass die drei Punkte im Jahnstadion bleiben. Wir werden ein Feuerwerk abbrennen, darauf können sich die Fans verlassen.

Peltram: Auch Schweinfurt muss gewinnen. Daher werden sie sich nicht nur auf die Defensive konzentrieren. Man darf auch nicht vergessen, dass am Ende der direkte Vergleich vor dem Torverhältnis zählt. Den haben wir gegen jedes Team im Tabellenkeller für uns entschieden. In Schweinfurt haben wir zwar 0:2 verloren, aber das lässt sich am Wochenende ja ausbügeln. Das wissen die Franken natürlich auch.

Blicken Sie mit mehr als einem Auge auf die Konkurrenz? Hof gastiert ja bspw. in Heimstetten und Schalding spielt gegen den Erzrivalen aus Buchbach?

Siegmund: Wir konzentrieren uns komplett auf unsere Leistung. Alles andere liegt nicht in unserer Hand.

Peltram: Das bringt uns ja nicht weiter. Wenn wir unsere Leistung abrufen, können wir unsere Ziele erreichen. Darauf kommt es an.

Ihr Team ist seit vier Spielen sieglos. Bis vor wenigen Wochen war der Klassenerhalt greifbar, dann kam der Einbruch. Was sind die Ursachen für die Formkrise? Das späte Gegentor im Derby gegen Buchbach?

Siegmund: Nein, gegen Buchbach war die Leistung gut, nur gegen Ende haben wir leider ein bisschen den Faden verloren. Ich würde eher sagen, dass uns das Aschaffenburg-Spiel einen Dämpfer verpasst hat. Wir haben zu psychologisch günstigen Zeitpunkten getroffen, es dann aber in der Schlussphase versäumt, den Sack zuzumachen. Drei Mal sind wir frei aufs Aschaffenburger Tor zugelaufen, haben unsere Chancen aber nicht genutzt. Das war schon bitter für die Jungs.

Peltram: Ich sehe das wie Thomas. Das Spiel in Aschaffenburg war an einem Mittwochabend. Danach ging es über fünf Stunden im Bus zurück nach Rosenheim. Wir hatten nicht die Gelegenheit, das Spiel aufzuarbeiten. Dann kassieren wir zwei Tage später gegen Bamberg nach zwei Minuten das 0:1. Das wird dann zum negativen Selbstläufer.

Siegmund: Gegen Hof hat die Mannschaft ja auch eine positive Reaktion gezeigt. Das wurde im Anschluss falsch dargestellt. Wir haben die erste Hälfte klar dominiert, es aber versäumt, in Führung zu gehen. Dann haben uns wieder individuelle Fehler in Rückstand und letztendlich um den verdienten Lohn gebracht. Aber das ist abgehakt, ein wehmütiger Blick zurück ist im Fußball ohnehin fehl am Platz. 

Werden Sie gegen Schweinfurt auf Markus Einsiedler zurückgreifen können?

Siegmund: Markus ist zwar noch nicht bei 100 Prozent, aber unsere Personaldecke ist so dünn, dass wir derzeit auf keinen einsatzbereiten Spieler verzichten können.

Am letzten Spieltag geht es ausgerechnet gegen den Meister vom FC Bayern. Ist da ein Sieg über Schweinfurt nicht Pflicht?

Siegmund: Natürlich ist das Spiel in München eine schwere Aufgabe, aber chancenlos sind wir nicht. Wenn wir giftig agieren und die Bayern mit entsprechender Einsatzbereitschaft konfrontieren, ist alles möglich. Zudem darf man nicht vergessen, dass die Bayern schon Meister sind und noch die Aufstiegsspiele für die dritte Liga vor der Brust haben. Das könnte uns zugutekommen. Aber letztendlich ist das Bayern-Spiel weit weg. Jetzt gilt die volle Konzentration dem FC Schweinfurt 05.

Peltram: Schon im Spiel bei den Münchner Löwen hat uns keiner etwas zugetraut. Wir haben dort ein richtig gutes Spiel gemacht. Die Jungs kennen das Stadion an der Grünwalder Straße und fahren mit einem entsprechend guten Gefühl dort hin.

Der Verein mobilisiert in diesen Tagen die Fans, um im Kampf um den Klassenerhalt volle Unterstützung zu genießen. Wie wichtig wird die Kulisse sein am Samstag?

Siegmund: Das hat natürlich einen sehr hohen Stellenwert. Es geht nur mit der Unterstützung unserer Fans, die wie eine Wand hinter der Mannschaft stehen. Das hat sich die Truppe auch verdient. Ich kann vor den Jungs nur den Hut ziehen. Wie die sich hier jeden Tag reinhängen, ist bemerkenswert. Das hat jeglichen Rückhalt verdient, auf den wir natürlich auch am Samstag und in München hoffen.

Peltram: Die Fans spielen im Kampf um den Klassenerhalt eine entscheidende Rolle.Darauf hoffen unsere Jungs und das treibt sie auch an. Gerade die jungen Spieler motiviert das unheimlich.

Wie geht es mit dem Verein weiter, selbst wenn der Klassenerhalt nicht gelingen sollte?

Siegmund: 1860 Rosenheim ist ein schlafender Riese, in dem unheimlich viel Potenzial steckt. Es wird sich einiges tun in den kommenden Jahren, wir haben viele fähige und engagierte Köpfe im Verein, darauf bauen wir auf. Aber das Wichtigste ist natürlich das Sportliche und darauf liegt jetzt unser Fokus.   

Herzlichen Dank für das Interview und viel Erfolg gegen Schweinfurt.

 

 

 

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Magazin

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare