1.FC Schweinfurt 05 - SV Wacker Burghausen 1:2

Ohne Wolf - Wacker siegt in Schweinfurt!

Erzielte in Schweinfurt erneut ein traumhaft schönes Tor, wird Burghausen aber wohl nach der Saison verlassen. Wacker-Eigengewächs Benjamin Kindsvater.
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Erzielte in Schweinfurt erneut ein traumhaft schönes Tor, wird Burghausen aber wohl nach der Saison verlassen. Wacker-Eigengewächs Benjamin Kindsvater.

Schweinfurt - Äußerlich unbeeindruckt von der Entlassung des Trainers und professionell präsentierte sich der SV Wacker Burghausen zum Start in die Frühjahrsrunde der Regionalliga Bayern. Die Mannschaft um Kapitän Christoph Burkhard setzte sich am Freitagabend im Spiel Eins nach Uwe Wolf mit 2:1 in Schweinfurt durch und kletterte erst einmal auf Rang fünf. Die Wacker-Fans machten unmissverständlich deutlich, was sie von den Vorgängen rund um ihren Verein halten.

Es war ein merkwürdiger, ein chaotischer Tag für den SV Wacker! Und keiner, der den Verein und seine Verantwortlichen in einem guten Licht dastehen lässt. Am Vormittag wurde nur Stunden vor dem Auftakt zur Restrunde der bisherige Cheftrainer Uwe Wolf - eine absolute Identifikationsfigur des weiß-schwarzen Anhangs - entlassen. Über die bis dato bekannten Hintergründe berichteten wir HIER. Man muss sich das Vorstellen: trotz Problematiken und möglichen Konfliktfeldern, die lange bekannt sind - ein Rauswurf am Morgen vor der Auswärtsfahrt zum ersten Pflichtspiel nach dem Winter!


Was für ein Theater! Doch das Team zeigt Größe

Alles fragt sich: Was ist bloß los an der Salzach, in der einstmals so stolzen Fußballstadt Burghausen? Am Abend beim Auftritt der Kicker am Main war von dem ganzen grotesken Theater nichts zu spüren. Sogar im Gegenteil - auch wenn viele nach dem Tohuwabohu - während dessen es unter anderem auch hieß, das Team wolle aus Solidarität mit seinem Coach nicht antreten - wohl Gegenteiliges erwartet hätten, konnte die Mannschaft eine gute Leistung abrufen und das Auswärtsmatch für sich entscheiden. Und das völlig verdient.

"Das lief heute in der Tat alles ein wenig anders als geplant. Wir mussten das Vormittagstraining abbrechen und konnten uns nicht so auf das Spiel vorbereiten, wie wir es gerne getan hätten.", erläuterte Wackers Interimscoach Stanley König in der Pressekonferenz nach dem Spiel. Dem Auftritt des SV Wacker Burghausen an diesem Abend tat dies keinen Abbruch.


Service:

Im Duell der einstigen Zweitligisten vor mehr als 1.200 Zuschauern im Willy-Sachs-Stadion ließen die Gäste in der Anfangsphase kaum etwas zu, versuchten so früh wie möglich zu stören. Beide Teams gingen wenig Risiko. Torgelegenheiten waren vorerst Mangelware. Mitte der ersten Halbzeit erkämpfte sich der SV Wacker dann Feldvorteile - und hatte auch die ersten Chancen durch Kapitän Burkhard und Wacker-Urgestein Benjamin Kindsvater, der den Verein aller Voraussicht nach am Ende der Saison verlassen wird um weiter seinem Beruf als Fußballprofi nachgehen zu können. Fazit der ersten Hälfte: Im Defensivverhalten zeigten sich beide Teams sicher - nach vorne hatten beide noch Potential, das es auszuschöpfen galt.

Kindsvater und Tsoumou mit dem Doppelschlag zum Sieg

Die gelang in Durchgang Zwei jedoch ausschließlich den Burghausern: Zunächst zirkelte Standardspezialist Burkhard zirkelte einen Freistoß aus 25 Metern auf das Gehäuse, doch David Paulus im Gehäuse der Gastgeber war zur Stelle (47.). Nachdem sie sich die Weiß-Schwarzen immer mal wieder durchspielen konnten, gelang Kindsvater in der 52. Minute nach einem schönen Solo über den linken Flügel, bei dem er Schweinfurts Philipp Messingschlager stehen ließ und nach innen zog, mit einem unhaltbaren Linksschuss in den rechten Winkel der Führungstreffer. Was für ein Tor! Kindsvater wird dem SV Wacker fehlen!

Die 05er wurden vom Rückstand kalt erwischt, wirkten angezählt und zeigten sich in unmittelbarer Reaktion unsortiert. Wacker nutzte das eiskalt. Nur vier Minuten später musste Schnüdel-Keeper Paulus nach einem Schuss das Leder prallen lassen, weder Johannes Bechmann noch Marco Janz bekamen das Leder aus der Gefahrenzone. Burghausens Stürmer Juvhel Tsoumou, der wohl nächste Saison ebenfalls bei einem anderen Verein spielen wird, reagierte am schnellsten - und staubte aus sechs Metern ab (56.). Der zehnte Saisontreffer für den Deutsch-Kongolesen. Und letztlich der Deckel auf den Auswärtssieg des SV Wacker am Main.

Burghausen überzeugt - Schweinfurt enttäuscht

Denn Schweinfurt zeigte nicht viele in dieser zweiten Halbzeit. Das war einfach zu wenig vom 1.FC 05. Die Burghauser hatten das Geschehen jederzeit im Griff - und waren auch ihrem dritten Treffer näher, als die Hausherren dem Anschluss. Lediglich Adam Jabri bekam eine Großchance - schob allerdings freistehend das Leder am von Alexander Eiban gehüteten Wacker-Gehäuse vorbei (70.).

Erst in der Nachspielzeit konnte Schweinfurt durch eine Einzelaktion von Steffen Krautscheider aus spitzem Winkel verkürzen - auch wenn dies eher dem Ehrentreffer gleichkam (91.). Mehr war für die enttäuschenden Franken nicht drin an diesem Tag - gegen starke Burghauser, die zwar ohne Cheftrainer, aber mit drei Punkten im Gepäck an die Salzach zurückkehrten. Ein Resultat, das auch den geschassten Wolf freuen wird, zumal er nicht nur die Mannschaft auf den Punkt vorbereitet hat, sondern auch weiterhin von den Siegprämien profitiert.

Interimscoach König zollt seiner Mannschaft Respekt

„Der Platz war nicht einfach zu bespielen, aber wir haben das super gemacht. Und nach dem Doppelschlag war es für Schweinfurt schwer.“, so Burghausens Pressesprecher und Teammanager Robert Hettich, der der Mannschaft bescheinigte: „Wir haben sehr diszipliniert gespielt - und super gegen Ball gearbeitet!".

Auch Aushilfscoach König zollte seiner Truppe Respekt: "Großen Respekt an die Jungs! Wie sie das ganze Chaos des Tages ausgeblendet haben und hier eine starke Leistung gezeigt haben! Wie es jetzt bei uns weitergeht, werden die kommenden Tage zeigen. Dazu kann ich momentan nicht viel sagen. Rein sportlich haben wir ein Top-Resultat erzielt - aber wohl auch einen Verletzten zu beklagen. Christoph Bann kann kaum noch einen Fuß vor den anderen setzen, da ist wohl was Schlimmeres zu befürchten".

Wackers treue Fans mit der Geduld am Ende

Unsere eigentliche Frühjahrsvorschau für den SV Wacker - in dem ja auch die möglichen Konfliktfelder zwischen Uwe Wolf und der Vereinsführung anklingen - könnt ihr HIER noch einmal nachlesen. Dass das so schnell eskaliert, dürfte wohl kaum einer für möglich gehalten haben. Eine Trainerentlassung kurz bevor man in den Bus zum Auswärtsspiel steigt - ein Wahnsinn eigentlich.

Die bisher bekannten und hauptsächlich von Seiten der Offiziellen des Vereins genannten Hintergründe zur Entlassung am Freitagvormittag findet ihr HIER.

Was die Wacker-Fans von der Gesamtentwicklung ihres Vereins in den letzten Jahren, der Kompetenz der Vereinsführung und jetzt konkret der Entlassung von Uwe Wolf - der sich immer auch um die Anhänger und deren Befindlichkeiten kümmerte - halten, machten sie bereits in Schweinfurt deutlich. Und das ohne Missverständnisse zuzulassen! Die "Causa Wolf" könnte endgültig der Tropfen sein, der das brodelnde Fass an der Salzach zum Überlaufen bringt:

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MB / cs

Quelle: rosenheim24.de

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