Testspiel SpVgg Unterhaching - TSV 1860 Rosenheim 6:1

1860 erhält Lehrstunde auf Bestellung

Nicht viel zu Lachen hatten 1860-Stürmer Danijel Majdancevic (l.) und seine Rosenheimer im schweren Testspiel in Unterhaching. Sebastian Koch (r.) hingegen traf für die Spielvereinigung.
+
Nicht viel zu Lachen hatten 1860-Stürmer Danijel Majdancevic (l.) und seine Rosenheimer im schweren Testspiel in Unterhaching. Sebastian Koch (r.) hingegen traf für die Spielvereinigung.

Unterhaching - Getreu dem Motto, dass man nur aus Fehlern lernt, machte sich der TSV 1860 Rosenheim unter der Leitung seines neuen Trainers Tobias Strobl auch im Test bei Liga-Primus SpVgg Unterhaching daran, die taktische Variante Dreierkette zu erproben und einzuüben. Den richtigen Gegner hatten sich die mutigen Rosenheimer dazu wahrlich ausgesucht - denn die drittligareife Truppe der Rot-Blauen ließ den im ungewohnten Spielsystem agierenden Gästen nicht den Hauch einer Chance. Da der Gegenüber mit Bedacht gewählt war und auch gute Ansätze erkennbar waren - für das Trainergespann kein Grund zur Beunruhigung. Rückkehrer Valentin Hauswirth feierte ein sehr ordentliches Comeback.

Das zweite Testspiel der Sechziger in der Vorbereitung auf die Frühjahrsrunde brauchte keine große Anlaufphase. Der Kick auf dem Kunstrasen hinter dem Unterhachinger Stadion hatte kaum begonnen, da hatte es auch schon geklingelt im Kasten von Gäste-Keeper Dominik Süßmaier. Zum Leidwesen der Rosenheimer, die sich auch heute viel vorgenommen hatten, allerdings nicht ein- sondern gleich dreimal. Das ging schnell - und das saß erst mal. Ein ernüchternder Start.


Hachinger Dreierpack in zehn Minuten

Was war passiert? Die Schützlinge von Neu-Coach Tobias Strobl, die dieser auch heute wieder in einem 3-5-2 System auflaufen ließ, wurden - gedanklich in dieser neuen taktischen Variante noch lange nicht zuhause - gleich zu Beginn von den Gastgebern eiskalt erwischt. Ein paar Unstimmigkeiten in der Abwehr zuviel, dadurch klaffende Löcher und unbesetzte Räume, die beim verspäteten Versuch sie notgedrungen zu schließen für ein sträflich offenes Zentrum sorgten. Gift für eine stabile Defensive. Und natürlich ein Geschenk für ein Top-Team wie die SpVgg Unterhaching, die damit etwas anzufangen weiß - und nicht einen Fehler bestraft, sondern fast alle.


die Spielinfo

Erst legte Daniele Bruno ein schnelles Führungstor für die Hausherren vor (5.), dann folgten zwei eklatante individuelle Fehler aufgrund schläfriger Reaktionen nach eigentlich ungefährlichen Situationen wie ruhenden Bällen, welche Hachings Goalgetter Stephan Hain (8.) und Dominic Reisner (10.) - der nach überstandener langer Verletzungspause das erste Mal wieder in einem Spiel für die Rot-Blauen auf dem Platz stand - im Handumdrehen in eine 3:0 Führung der Gastgeber nach nur zehn gespielten Minuten gefallen.

Drei Gegentore in nur fünf Minuten - natürlich ein Ausweis der besonderen Klasse des designierten Drittligisten unter der Leitung von Cheftrainer Claus Schromm. Aber auch Ausdruck dessen, dass hier auf Seiten der Gäste experimentiert wurde - und nicht auf gewohnte Abläufe zurückgegriffen werden konnte. Bester Anschauungsunterricht wie schnell es gehen kann, wenn in einem solch komplexen System die Feinabstimmung nicht funktioniert.

Rosenheimern fehlt die taktische Ordnung

Wie kam es dazu? 1860 fand ganz einfach nicht sofort in die Ordnung und war auch nicht wirklich hellwach. Das grundsätzliche Modell des Spiels mit der Dreierkette ist schnell erklärt: Im eigenen Ballbesitz spielt man in hinterster Linie nur mit drei Verteidigern, gewinnt dadurch einen zusätzlichen Akteur fürs Mittelfeld - gerät man in die Defensive, werden daraus fünf, weil sich die beiden äußeren Mittelfeldspieler zurückfallen lassen und die Abwehrreihe ergänzen. Das ganze steht und fällt mit der Geschwindigkeit und der Koordination mit der man zwischen diesen beiden Modi als Mannschaftsverbund umschaltet. Und dies beherrschten die Sechziger noch nicht besonders gut.

Die Schwierigkeit der Dreierkette liegt darin, dass man, wenn diese beim Verteidigen nicht schnell genug zur Vierer- oder Fünferkette schließt, beziehungsweise gut genug übergibt und verschiebt, große Probleme mit Bällen durch die Schnittstellen und vor allem Diagonalbällen in die freien Räume bekommt. Und das Problem mit einem Team wie Unterhaching ist, dass dieses genau diese Bälle fast perfekt beherrscht. Ein gewiefter Stürmer wie Hain oder ein dermaßen schneller Flügelflitzer wie Thomas Steinherr sind dann schlichtweg kaum noch zu verteidigen.

Bei den Sechzigern standen teilweise die Mittelfeldaußen recht sorglos viel zu hoch, hatten so nicht die nötige Bindung zur Abwehrkette - was dazu führte, dass das Team nach Ballverlusten sofort in brenzlige Situationen geriet. Die Hachinger mussten dies nur ausnutzen - und fackelten nicht lange damit, genau das zu tun.

1860 kommt besser ins Spiel - ansprechendes Hauswirth-Debüt

Nach etwa zwanzig Minuten hatten die Rosenheimer ihre Schwachstellen oft genug vorgeführt bekommen, fingen sich und machten ihre Sache fortan bis zur Halbzeit merklich besser. Jetzt gelang es ihnen auch, die Gastgeber durch Pressingsituationen zu bedrängen, mehr Spielanteile zu erobern und auch selber Angriffe zu starten - auch wenn diesen meistens der Torabschluss fehlte. Das etatmäßige Stürmerduo Danijel Majdancevic und Sascha Marinkovic tat sich äußerst schwer - beide kamen so gut wie gar nicht zu Chancen.

Unterhaching - 1860 Rosenheim

Testspiel SpVgg Unterhaching - TSV 1860 Rosenheim
Testspiel SpVgg Unterhaching - TSV 1860 Rosenheim © Beinschuss
Testspiel SpVgg Unterhaching - TSV 1860 Rosenheim
Testspiel SpVgg Unterhaching - TSV 1860 Rosenheim © Beinschuss
Testspiel SpVgg Unterhaching - TSV 1860 Rosenheim
Testspiel SpVgg Unterhaching - TSV 1860 Rosenheim © Beinschuss
Testspiel SpVgg Unterhaching - TSV 1860 Rosenheim
Testspiel SpVgg Unterhaching - TSV 1860 Rosenheim © Beinschuss
Testspiel SpVgg Unterhaching - TSV 1860 Rosenheim
Testspiel SpVgg Unterhaching - TSV 1860 Rosenheim © Beinschuss
Testspiel SpVgg Unterhaching - TSV 1860 Rosenheim
Testspiel SpVgg Unterhaching - TSV 1860 Rosenheim © Beinschuss
Testspiel SpVgg Unterhaching - TSV 1860 Rosenheim
Testspiel SpVgg Unterhaching - TSV 1860 Rosenheim © Beinschuss
Testspiel SpVgg Unterhaching - TSV 1860 Rosenheim
Testspiel SpVgg Unterhaching - TSV 1860 Rosenheim © Beinschuss
Testspiel SpVgg Unterhaching - TSV 1860 Rosenheim
Testspiel SpVgg Unterhaching - TSV 1860 Rosenheim © Beinschuss
Testspiel SpVgg Unterhaching - TSV 1860 Rosenheim
Testspiel SpVgg Unterhaching - TSV 1860 Rosenheim © Beinschuss

Rückkehrer Valentin Hauswirth, der in der Winterpause aus Österreich zum TSV 1860 zurückgekommen ist, spielte erstmals wieder für die Roten - und das auch gleich von Anfang an. Hauswirth hinterließ einen guten Eindruck, forderte gleich die Bälle, wurde von seinen Mitspielern auch gleich wieder gesucht, zeigte die bewährte Übersicht und versuchte sich an gescheiten Pässen. Alles in allem ein mehr als passabler Einstand - man sieht, dass er im zurückliegenden Dreivierteljahr nichts verlernt hat und der Mannschaft auch wieder helfen wird, wenn sich alles eingespielt hat.

Viele Wechsel in Halbzeit Zwei - Sechziger mutig

In der Halbzeit wechselten Strobl und sein Co Robert Mayer kräftig durch, stellten dabei die komplette Abwehr um und probierten sie in anderer Konstellation aus. Sicherlich ein heikles Unterfangen - doch auch die ersten zwanzig Minuten des zweiten Durchgangs sahen eigentlich so schlecht nicht aus.

Die Sechziger waren mutig, verteidigten nach vorne, setzten den ihnen vorgegebenen Spielplan um - und taten dies auch in dem Wissen darum, dass da noch Defizite sein mussten gegen diesen hochkarätigen Gegner. Gerade das aggressive Pressing im Angriffsdrittel gelang in einigen Situationen schon recht gut - und führte zu etlichen Balleroberungen in gefährlichen Räumen.

Heiß belohnt seine Equipe für gute Phase

Als Resultat dieses engagierte Auftretens nach Wiederbeginn belohnten sich die Rosenheimer nach einer Stunde Spielzeit auch mit einem eigenen Treffer. Dieser fiel allerdings nach einer Standardsituation: nach einer Ecke von rechts stieg in der Mitte Kapitän Matthias Heiß in altbekannter Manier von allen am höchsten - und wuchtete das Leder in die Maschen des Tores von Neuseelands Nationaltorhüter Stefan Marinovic.

Wie sollte es zu diesem Zeitpunkt der Vorbereitung - die Mannschaft ist noch keine zwei Wochen wieder im Training - anders sein, es klappten natürlich beileibe noch nicht alle Versuche, die Vorgaben des neuen Trainergespanns umzusetzen. Manchmal presste der Mittelfeldaußen nach vorne, aber die hinter ihm postierten Verteidiger erkannten die Situation nicht richtig und versäumten es nachzuschieben, beziehungsweise Männer oder Räume zu übergeben. Hier stimmten oftmals einfach die Kommandos noch nicht.

Es hapert mit den Kommandos - Haching mit starkem Endspurt

Dadurch bekamen die Hachinger freie Anspielstationen zwischen den Ketten. Fanden sie diese, wurde es sofort brandgefährlich. Befördert wurde dies dann noch durch Teil Zwei des Wechselreigens - mit Michael Wallner, Andreas Schunko und Adnan Tchadizinde und dem bereits zuvor eingewechselten Burhan Bahadir stand jetzt endgültig die ganz junge Garde der Gäste auf dem Feld. Doch auch diese sollten gegen einen Gegner dieser Klasse ihre Spielpraxis erhalten.

Ab der 70. Minute drückten die Hachinger noch einmal vermehrt aufs Gas, waren wieder zielstrebiger - und es wiederholte sich gewissermaßen die Anfangsphase der Partie. Mit der gleichen schnellen Abfolge von Gegentoren aus den mehr oder weniger gleichen Gründen. Erneut Hain (72.), Sebastian Koch (78.) und wieder Hain (82.) schossen einen ungefährdeten und letztlich auch in dieser Höhe verdienten 6:1 Erfolg für die Heimmannschaft heraus. 50 Minuten, in denen auch Manches gut gelungen ist, hatten den Rosenheimern nicht gereicht, um hier glimpflicher davon zu kommen.

Strobl wollte Gegner, der Defizite deutlich aufdeckt

Trainer Tobias Strobl nahm es seiner Mannschaft nach dem Schlusspfiff ergebnistechnisch nicht krumm - und setzte auf den Lerneffekt: "Klar sieht ein 1:6 jetzt vielleicht nicht so schön aus, wie ein engeres Ergebnis. Aber darum ging es heute nicht. Das Resultat ist total zweitrangig. Ich wollte bestimmte Dinge von meiner Mannschaft sehen - die hat sie versucht zu zeigen. Und ich wollte das wir auch gegen einen solchen Hochkaräter mutig sind. Dass dabei Fehler passieren werden, die gegen einen Gegner wie Unterhaching bestraft werden, war mir und Robert klar."

"Und letzten Endes wollten wir das sogar! Und gleich zu Beginn unserer Vorbereitung gegen einen richtig starken Gegner ran, der uns unsere Defizite ganz klar aufzeigt. Einen besseren als Haching gibt es dafür wohl kaum.", schmunzelte der erst 29-jährige Coach und lieferte die Begründung gleich mit: "Aus so einem Spiel und dem Erleben ihrer eigenen Fehler und der Konsequenzen, die daraus resultieren, können die Jungs mehr lernen, als aus zehn Trainingseinheiten in denen ich versuche, ihnen das gewünschte taktische Konzept in gestellten Spielformen und Trockenübungen einzutrichtern."

Team soll als Mannschaft Fehler erkennen und abstellen

Ein weiteres Detail könnte diesen Effekt noch verstärken, so der neue Boss an der Seitenlinie der Roten: "Zusätzlich bekommen wir von Claus Schromm auch noch das Videomaterial. Diese Möglichkeit haben wir ja auch nicht allzu häufig. Da kann ich ihnen dann nochmal exemplarisch an einem Spiel ganz genau zeigen, was sie wo falsch gemacht haben, wie man es besser macht und wie wir das haben wollen. Und dann arbeiten wir in der restlichen Vorbereitung und im Trainingslager in Mallorca gemeinsam mit allem Ehrgeiz daran, das zu verbessern und bis zum Rundenstart am 4. März zu perfektionieren. Von dem her - ich hab auch viele Dinge gesehen, die mir gefallen haben. Alles gut!".

Kommentare