Vorschau aufs Frühjahr: SV Wacker Burghausen

Uwe Wolf in Burghausen entlassen - Auftakt in Schweinfurt ohne ihn!

Urgestein, Eigengewächs und Identifikationsfigur Benjamin Kindsvater wird den SV Wacker Burghausen nach dieser Saison wohl verlassen, um weiterhin seinem Beruf als Fußballprofi nachgehen zu können.
+
Urgestein, Eigengewächs und Identifikationsfigur Benjamin Kindsvater wird den SV Wacker Burghausen nach dieser Saison wohl verlassen, um weiterhin seinem Beruf als Fußballprofi nachgehen zu können.

Burghausen - Eigentlich sollte hier lediglich unsere Vorschau auf das Frühjahr des SV Wacker Burghausen stehen. Die Frage danach, wie das Gesicht der Mannschaft des SVW nach den 13 Spielen der Frühjahrsrunde aussehen wird ist eigentlich spannend genug. Was die Zukunft des Vereins von der Salzach angeht, sind da weiter viele Unwägbarkeiten. Dann Überschlugen sich jedoch im Laufe des Tages die Ereignisse!

UPDATE - Die Gerüchte von heute Vormittag haben sich mittlerweile bestätigt. Uwe Wolf ist tatsächlich noch am Spieltag vor der Auswärtsfahrt nach Schweinfurt entlassen worden! Die Mannschaft aber ohne ihn in Richtung Frankenland aufgebrochen. Am Main werden zunächst die beiden Co-Trainer Stanley König und Ronald Schmidt, das Team coachen. Alles Weitere zu was und warum lest ihr noch heute bei uns... *Artikel folgt*


„Es zieht sich ein wenig wie Kaugummi, aber mit etwa rund zehn Spieler sind wir schon sehr weit und hoffen, dass wir da in den nächsten ein bis zwei Wochen Vollzug melden können.“, so Abteilungsleiter Sepp Berger, der sich selbst ein wenig mehr Tempo bei der Personalplanung gewünscht hätte. Während zunächst verkündet worden war, dass ein Großteil der Spieler eventuell bleiben könnte, tat sich in den Folgewochen in dieser Hinsicht bemerkenswert wenig.

Kaderplanung bleibt weiterhin Großbaustelle


„Im Hintergrund wurde viel gearbeitet, gefühlt sind wir im Soll. Es braucht aber einfach seine Zeit, bis alle Details zu Ausbildungs- und Arbeitsverträgen geklärt sind.“, versucht Berger die Zweifler zu beruhigen. Und doch - drei Monate nach Bekanntgabe der Reamateurisierung konnte Burghausen letzte Woche mit U19-Abwehrspieler Maxi Pichler erst einen Akteur bekannt geben, der neben Hofstetter und Christoph Popp in der nächsten Saison das Wacker-Trikot überstreifen wird. Die Saisonplanung für die kommende Spielzeit gleicht einer Großbaustelle - wir berichteten. Die Ungewissheit ist derzeit die einzige Konstante.

„Es gibt Spieler, mit denen wir nicht verlängern wollen - und wiederum andere wollen uns verlassen, weil sie weiterhin dem Profifußball nachgehen wollen.“, erklärt Berger. Zur zweiten Kategorie zählen Eigengewächs und Top-Spieler Benjamin Kindsvater, dem als schnellem und torgefährlichem Linksfuß mehrere Angebote vorliegen, aber auch Torjäger Tsoumou.

Leistungsträger wie Kindsvater werden gehen - wer bleibt?

Die Namen der Kandidaten, die auch weiterhin für den einstigen Zweitligisten auflaufen sollen, wollte Berger noch nicht verraten: „Da sind U19-Spieler dabei - aber auch etablierte Kräfte. Wir werden ja auch in Zukunft ein hohes Trainingspensum anbieten können und in Kleingruppen auch mal am Vormittag trainieren können. Das hängt von den Arbeits- und Studienbedingungen der Spieler ab. Viele Sponsoren und Firmen finden die neue Ausrichtung gut und haben ihre Bereitschaft zur Mithilfe signalisiert. Einige Spieler würden schon jetzt unterschreiben - aber ich will auch die Kleinigkeiten geklärt haben, ehe wir an die Öffentlichkeit gehen. Ich bin jedenfalls zuversichtlich, dass wir eine junge und schlagkräftige Truppe zusammenbekommen!“.

Trainer Wolf, der ja bislang stets die Personalplanungen forciert hat, hält sich jetzt bei diesem Thema raus: „Für mich zählt das hier und jetzt, wobei ich die Spieler mit meiner Meinung unterstütze. Ich werde jedem sagen, wo ich ihn sehe. Alles andere liegt nicht in meiner Hand.“

Wolf hält sich aus Planungen für nächste Saison raus - mögliches Konfliktpotential?

Was passiert aber, wenn in den nächsten Wochen Zusagen von Spielern eintreffen, die in der aktuellen Planung des Trainers keine Hauptrolle spielen. „Wir spielen Fußball, um zu gewinnen. Fußball ist Tagesgeschäft und deswegen werde ich immer die Spieler aufstellen, von denen ich glaube, dass sie das nächste Spiel gewinnen. Das mache ich nach bestem Wissen und Gewissen“, so der Coach, dessen Vertrag sich ja bei einer Platzierung im oberen Drittel um ein weiteres Jahr verlängern würde.

Mit der nächsten Spielzeit will sich der Coach jetzt aber noch nicht beschäftigen. Früher oder später steht das Thema aber an, denn ein Kaltstart wie nach dem Drittliga-Abstieg soll unbedingt vermieden werden. „Die Spieler, die auch in der nächsten Saison bei uns sind, brauchen natürlich auch Matchpraxis!“, betont Berger. Eine Aussage von Bedeutung - die durchaus auch eine gewisse Sprengkraft aufweisen könnte. Ob der Spagat zwischen aktuellem Erfolgsstreben und Zukunftsplanung gelingt oder mit einer schmerzhaften Leistenzerrung endet, wird spannend.

Auftakt bei den Schnüdeln - Wacker spielt auf Sieg

Der SV Wacker Burghausen startet am Freitag mit breiter Brust in die Restspielzeit der Regionalliga: Beim ambitionierten 1.FC Schweinfurt 05 (19:00 Uhr) möchte Wolf möglichst mit einem Sieg starten: „Ein Punkt in Schweinfurt wäre okay, wenn es darauf hinausläuft - aber grundsätzlich fahren wir nach Schweinfurt, um dort zu gewinnen!“.

Während ja in Burghausen am Ende der Saison das Profitum abgeschafft wird, wollen die Schnüdel - wie die Burghauser ein Ex-Zweitligist - ab Sommer genau den entgegengesetzten Weg einschlagen, mit Unterstützung ihres potenten Hauptsponsors auf vollprofessionellen Fußball umstellen - um mittelfristig in die 3. Liga aufzusteigen. Dass schon jetzt viele Schweinfurter Spieler unter Profibedingungen arbeiten, steht auf einem anderen Blatt. „Schweinfurt hat eine starke Mannschaft mit erfahrenen Spielern und einem starken Angriff. Ich erwarte gegen die robusten Schweinfurter ein Kampfspiel auf tiefem Boden.“, sagt Wolf. Co-Trainer Ronald Schmidt hat die Mannschaft von Trainer Gerd Klaus zuletzt noch einmal persönlich unter die Lupe genommen. „Der Gegner wird uns nicht überraschen. Für uns wird ein gutes Umschaltspiel in beiden Richtungen wichtig sein!“, so der Wacker-Coach.

Wacker in der Vorbereitung ungeschlagen - Wolf zufrieden 

Mit der Vorbereitung, in der knapp 50 Einheiten absolviert wurden, ist Wolf zufrieden: „Viele Trainer sagen ja, dass ihnen die Ergebnisse der Testspiele egal seien. Da bin ich anderer Meinung und deswegen bin ich froh, dass wir in den acht Vorbereitungsspielen ungeschlagen geblieben sind. Da ist eine Winner-Mentalität in der Mannschaft gewachsen - schließlich haben wir ja auch fünf der letzten sechs Punktspiele vor dem Winter gewonnen!“

Großen Wert hat der Fußball-Lehrer in der Vorbereitung auch auf das Coaching untereinander auf dem Platz durch die erfahrenen Spieler gelegt: „Das hat die Mannschaft gut angenommen. Christoph Rech, Daniel Hofstetter, Christoph Burkhard, Kevin Hingerl und Philipp Knochner machen das jetzt viel besser. Gerade für die jungen Spieler ist das enorm wichtig!“. Gewinner unter den jungen Spielern ist ganz klar Stefan Wächter. Wolf: „Es ist kein Geheimnis, dass er von Anfang an spielt. Er hat eine starke Vorbereitung absolviert und hat sich das verdient!“.

Moser nach Bänderverletzung wieder dabei

Ebenfalls mit dabei ist Moritz Moser, der nach seiner Bänderverletzung erstmalig am Dienstag wieder Spielpraxis sammeln konnte. „Er ist noch nicht bei 100 Prozent, aber Mo ist aufgrund seiner Schnelligkeit und seiner weiten Einwürfe auch für paar Minuten eine Waffe“, lobt der Coach, der weiterhin auf den verletzten Marco Fritscher und den familiär verhinderten Muhamed Subasic verzichten muss.

In der Vorbereitungsphase hat Wolf intensiv verschiedene taktische Varianten getestet, zuletzt ließ er häufig ein 3-1-4-2 spielen. „Wir können auch im 4-1-4-1, im 4-4-3 oder im 4-2-3-1 spielen, da sind wir sehr variabel.“ Letztlich komme es auf die Leidenschaft an. „Natürlich ist der Druck bei Punktspielen höher als bei Testspielen - aber das ist ja positiver Druck. Deswegen spielen wir ja Fußball! Wir können mit Selbstvertrauen und Überzeugung in die eigene Stärke ins Spiel gehen.“, ist sich der Trainer vor dem Auftritt im Willy-Sachs-Stadion sicher.

Wie bei Wacker Burghausen hat sich auch bei den Schweinfurtern, die das Hinspiel mit 3:1 gewinnen konnten, in der Winterpause personell wenig verändert. Das Team von Trainer Klaus, der auf eine Verlängerung seines Vertrage hofft, hat mit zwei Punkten Rückstand auf Burghausen überwintert, könnte also im Falle eines Sieges die Weiß-Schwarzen überflügeln.

Die Testspiele (und unsere Berichte dazu) im Überblick:

Austria Salzburg (AUT) - Wacker Burghausen 0:1

Wacker Burghausen - TSV Kastl 3:3

Wacker Burghausen - FC Braunau (AUT) 2:0

FC Wels (AUT) - Wacker Burghausen 3:3

TSG Hoffenheim II - Wacker Burghausen 1:2

FC Liefering (AUT) - Wacker Burghausen 1:1

FC Braunau (AUT) - Wacker Burghausen 0:6

SG Tann/Reut - Wacker Burghausen 0:11

_

Michael Buchholz

Kommentare