TSV 1860 Rosenheim - FC Bayern München II 0:2

Kleine Bayern zu flink für Rosenheimer Sechziger

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Rosenheims Markus Einsiedler(r.) und seine Kollegen hatten gegen Nicolas Feldhahn(l.) und die U21 des FC Bayern München nur wenige Chancen.
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Rosenheim - Im Spiel gegen die Zweite Mannschaft des FC Bayern München musste der TSV 1860 Rosenheim vor einer Kulisse von mehr als 850 Zuschauern die zweite Heimniederlage in Folge hinnehmen. Gegen Kleine Bayern, die in der ersten Halbzeit vorwiegend in der Offensive überzeugen konnten und das Match nach dem Seitenwechsel clever nachhause spielten - fanden die Sechziger nicht zu ihrem gewohnt begeisternden Spiel und begingen zu viele leichte Fehler um zu punkten.

Das verlegte Spiel am Dienstagabend überraschte in der Anfangsviertelstunde mit einem enormen Tempo. In erstaunlicher Geschwindigkeit ging es wild hin und her zwischen beiden Seiten. Beide spielten schnell in die Spitze und versuchten bei Ballverlust sofort zu pressen und dem Gegner mächtig Druck zu machen. Daraus resultierten Möglichkeiten vor beiden Toren. Wie bereits beim Punktgewinn der Sechziger in Augsburg vergangene Woche waren es auch diesmal wieder eher die Offensivabteilungen, die dabei glänzten – gegen den Ball und im eigenen Abwehrdrittel offenbarten beide deutliche Schwächen. Das Tempo - vor allem der Münchner - im Umschaltspiel aber beeindruckte.

Rasanter Start - Wriedt nutzt Rosenheimer Slapstick zur Gästeführung

Schon nach zehn Minuten des fast hektischen Rauf und Runters erlaubten sich die Rosenheimer einen Fauxpas zuviel: Bayerns Fabian Benko hatte schön auf Goalgetter Kwasi Okyere Wriedt durchgesteckt – doch der kam im Laufduell im Zentrum des Strafraums eigentlich gegen 1860-Kapitän Georg Lenz und Ludwig Räuber zu spät. Die Rosenheimer waren eher dran, klärten jedoch beide die Situation nicht – und Wriedt nutzte den Fakt, dass beide quasi ineinander und am Ball vorbeiliefen, eiskalt aus. Der Stürmer der Münchner traf aus acht Metern trocken zum frühen 0:1.

Doch auch die Rosenheimer bekamen wie gesagt in dieser ersten Phase der Partie ihre Möglichkeiten: Am nächsten dran an einem Treffer war nur kurz nach der Münchner Führung der Linksverteidiger der Sechziger Pius Krätschmer – er knallte auf dem nassen Rasen des Jahnstadions ein Freistoß aus 30 Metern mit unglaublichem Schnitt als Aufsetzer nur minimal am linken Pfosten vorbei (12.).

Bayern hat Chancenplus - aber es geht wild rauf und runter

Der größere Teil der Torgelegenheiten gehörte aber den Gästen: Benko bediente indem er im Strafraum zurücklegte Milos Pantovic – doch der schoss weit über das von Mario Stockenreiter gehütete Gehäuse der Gastgeber (15.). Dann zog Bayerns Megatalent Timothy Tillman am Sechzehner ab – Stockenreiter parierte (22.). Direkt darauf gab es auf Seiten der Bayern keinen Eckball, die Rosenheimer pannten beim Umschalten - und Münchens Keeper Leo Weinkauf machte sofort das Spiel schnell und schlug ganz lang in den Lauf von Pantovic. Der wäre fast davon gezogen, wurde vom zurückeilenden Maximilian Mayerl dann doch noch bedrängt - und schoss von halbrechts am Strafraum ganz knapp am linken unteren Eck vorbei (23.).

Die letzte Möglichkeit der heißen Phase dieses Matches gehörte dann wieder den Rosenheimern – und sie war riesengroß: Mayerl bediente mit einem tollen Diagonalball Markus Einsiedler, der halbrechts im Sechzehner mit dem herauskommenden Weinkauf darum fightete zuerst am Ball zu sein. Einsiedler gewann den Presschlag – doch der Ball hüpfte am Tor vorbei (26.)! Dickes Ding für die Rosenheimer zum Ausgleich.

Beide haben erstes Pulver verschossen - Rosenheimer tun sich schwer

Danach beruhigte sich das Geschehen hier merklich, schon ab etwa der zwanzigsten Minute hatte sich das angedeutet. Kein Wunder, denn das extrem hohe Tempo der ersten Minuten war von beiden kaum zu halten. Die Rosenheimer schienen damit aber die größeren Schwierigkeiten zu haben. Auch das vielleicht kein Wunder – denn das Match in Augsburg hatte brutal viel Kraft gekostet und die Rosenheimer als Amateurtruppe die Zeit statt mit perfekter Regeneration in der Arbeit verbracht, von der sie auch am heutigen Nachmittag ins Jahnstadion gekommen waren. Das sind dann eben auch Nuancen, die auf Viertliga-Level - nicht in einem Spiel, sondern auf Dauer - einige wichtige Prozente Unterschied ausmachen.

Service:

So schienen die Sechziger gerade im Mittelfeld nicht so wirklich zum Zug zu kommen, nicht so wirklich Zugriff zu bekommen. Sicher, die Bayern spielten das nach vorne teilweise schon richtig gut – aber man konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, dass Rosenheim dies auch zuließ. Meist ging es zu schnell für die Hausherren - wenn sie hinzukamen, war der Ball oft weg und die Münchner ließen sie laufen. Und auch das kostet verdammt viel Kraft - und schränkte die eigenen Möglichkeiten den Gegner als Team zu jagen doch merklich ein.

Fehler der Gastgeber werden zu Steilvorlagen für die Gäste

Hinzu kamen ungewohnte und teilweise unerklärliche Fehler auf Seiten der Einheimischen. Zuviele Pässe fanden zu schnell den Weg zum Gegner – und wieder begann das mühsame Hinterherlaufen und Ballerobern. Dazu gesellten sich individuelle Stockfehler – zu schlampig oder zu spät gespielte Bälle, fehlende Handlungsschnelligkeit und einige Ballannahmen, bei denen das Leder einfach zu weit weg sprang um es gegen einen Gegner wie die Bayern behaupten zu können.

Es waren die einfachen Fehler, welche die Rosenheimer schließlich das Spiel kosten sollten: Das gerade eine „Ausbildungsmannschaft“ wie die Kleinen Bayern hier wie das reifere, das souveränere Team wirkten und den Sechzigern fatale Leichtsinnsfehler unterliefen, war für das Trainerteam Tobias Strobl und Robert Köhler durchaus ärgerlich. Nach einem eigenen Einwurf weit in des Gegners Hälfte, liefen die Rosenheimer in einen Konter – zu dem es so nicht hätte kommen dürfen, der allerdings keineswegs hätte tödlich enden müssen.

Das Spiel plätschert dahin - Obermair trifft zum 0:2

Die Münchner hatten es eigentlich bereits verpasst, die Situation auszuspielen, mussten den Umweg durch die zweite Reihe wählen – doch dann machten die Gastgeber es ihnen zu einfach. Im rechten Strafraum griff keiner aus der Defensive der Rosenheimer gegen Wriedt entscheidend ein, der legte überlegt quer – und ausgerechnet Raphael Obermair, der Ex-Sechziger, konnte zum 0:2 vollenden (34.). Schade – aber diesen Gegentreffer hatten die Rothemden viel zu einfach kassiert.

Ab Mitte der ersten Halbzeit war bei beiden nach vorne eigentlich nicht mehr allzuviel gegangen – aber die Platzherern hatten die Gäste eben eingeladen ein zweites Mal zu treffen. Das Spiel war für die Zuschauer deutlich weniger ansehnlich gewesen – dazu wurden dann doch beidseitig zu fahrig gespielt. Dadurch dass das Tempo nicht gehalten werden konnte, pendelte sich das ganze dann irgendwo im Mittelfeld ein – das Spiel plätscherte ohne Höhepunkte zwischen den Strafräumen dahin. Außer dem zweiten Tor der Bayern passierte nichts mehr – es ging mit 0:2 in die Pause.

Sechziger versuchen es nach der Pause - aber können sich nicht durchsetzen

Nach dem Seitenwechsel bemühten sich die Rosenheimer irgendwie an diesem Resultat noch etwas zu ändern – so wirklich gelang ihnen dies jedoch nicht. Zwar gewannen sie jetzt deutlich mehr Spielanteile und agierten lange nicht mehr so fehlerbehaftet – dies lag aber nicht zuletzt auch daran, dass die Bayern jetzt ganz anders agierten, als in Halbzeit Eins.

Ein wenig sah man dabei vielleicht, warum die mit weitaus größeren Ambitionen gestartete U21 des Rekordmeisters vor der Begegnung in der Tabelle einen Platz hinter den Sechzigern auf Rang Zwölf lag. Andererseits war die Veränderung sicher mehr dadurch bedingt, dass es die jungen Münchner jetzt clever spielten – und mit einer beruhigenden 2:0 Führung im Rücken auswärts nicht wie in der ersten Halbzeit durch eine offene Spielweise riskierten, vielleicht doch noch ins Messer zu laufen.

Bayern verballern ihre Konter - es bleibt beim ungefährdeten Sieg der Münchner

Wirkliche Möglichkeiten konnte die Heimelf im zweiten Durchgang nicht mehr herausspielen. Es gab die ein oder andere Fünfzig-Fünfzig-Situation – aber Hochkaräter waren nicht dabei. Auf der Gegenseite ließen die jetzt sehr passiven Bayern in längeren regelmäßigen Abstand gegen immer mehr aufmachende Sechziger zahlreiche gute Kontergelegenheiten sträflich liegen – oder scheiterten an den reflexen von Stockenreiter. In der 86. Minute wäre der junge Rosenheimer endgültig geschlagen gewesen – Benko zog aus etwa 23 Metern halblinker Position satt ab, doch der Ball klatschte im langen Eck nur krachend an die Querlatte.

Dann war nach einer ereignisarmen zweiten Hälfte Schluss im Jahnstadion. Die Zweitvertretung des FC Bayern holte sich einen glanzlosen aber unter dem Strich hochverdiente Auswärtssieg – der locker auch noch hätte das ein oder andere Tor höher ausfallen können.

Die Rosenheimer mussten was ihre Tagesform anging offensichtlich dem straffen Pensum der letzten Wochen Tribut zollen – und begingen vor allem vor der Pause viel zu viele leichte Fehler um gegen die in der Vorwärtsbewegung spielstarken und ballgewandten Bayern etwas zu holen. Den Nachweis, dass die Münchner hier in der Defensive durchaus hätten ins Wanken gebracht werden können, was ab und an aufblitzte, blieben die Sechziger so schuldig. Den Favoriten in dessen Krise auf Augenhöhe herauszufordern, war den Rosenheimern an diesem Abend nicht gelungen.

Quelle: rosenheim24.de

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