Regionalligist muss den Kader weiter verjüngen

"Müssen runter mit den Gehältern" - Auch der SV Wacker Burghausen muss sparen

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Trainer Leo Haas sieht die Saisonfortführung als Neustart

Burghausen - Die Corona-Pandemie hat den SV Wacker Burghausen wirtschaftlich getroffen. Der Regionalligist muss sparen und wird deshalb den Kader notgedrungen weiter verjüngen. Neben neun Abgängen konnte der SV noch keinen Neuzugang verkünden. Für Trainer Leo Haas beginnt deshalb die Saison gefühlt neu.

Wie fast alle Vereine in Bayern trifft die Corona-Krise auch den SV Wacker Burghausen hart: Neun Abgänge musste der Tabellenelfte der Fußball-Regionalliga in den letzten Wochen zur Kenntnis nehmen, aufgefüllt werden soll der Kader mit einigen Neuzugängen und U19-Spielern aus eigenen Reihen.


„Wir können Spielergehälter nicht mehr in dem Umfang wie früher bezahlen, wir müssen einfach runter mit den Gehältern“, sagt Sportlicher Leiter Karl-Heinz Fenk, dem täglich neue Spieler angeboten werden: „Die meisten Spielervermittler verkennen die Situation, werfen utopische Vorstellungen auf, da muss man gar nicht darüber nachdenken, geschweige denn darüber sprechen.“ Es ist ganz offensichtlich: Der Markt ist voll, aber die Kassen der Vereine sind fast überall leer. 

Wackers Sportlicher Leiter Fenk: "Ein finanzielles Risiko werden wir nicht eingehen"

Insofern setzen viele Clubs auf junge Kräfte, die sich erst in der Regionalliga etablieren wollen und die sportliche Herausforderung über den Verdienst stellen. „Wir wollen schon zwei oder drei Spieler hinzuholen, die auch noch etwas Verantwortung übernehmen“, sagt Fenk, der in dieser Woche den ersten Neuzugang präsentieren will und anfügt: „Ein finanzielles Risiko werden wir dabei nicht eingehen. Wir können nur das Geld ausgeben, das wir haben, alles andere wäre grob fahrlässig. Natürlich führen wir Gespräche mit den Sponsoren, aber wir werden uns nicht die Hacken ablaufen, nur um teure Spieler zu finanzieren.“


Trainer Haas: "Werden eine Truppe zusammenstellen, die konkurrenzfähig ist"

17 Feldspieler hat Wacker trotz der vielen Abgänge noch im einst unter Ex-Trainer Wolfgang Schellenberg aufgeblähten Kader. „Der Kern der Truppe steht ja immer noch“, findet Fenk und auch Trainer Leo Haas ist sich sicher: „Wir müssen schauen, wie viel Budget wir haben, aber wir werden auf jeden Fall eine Truppe zusammenstellen, die konkurrenzfähig ist. Wir wollen eine gute Rolle spielen, das ist unser Anspruch. Dass wir den einen oder anderen neuen Spieler brauchen, liegt angesichts der Abgänge auf der Hand. Momentan warten die meisten Regionalligisten noch ab, 90 Prozent der Neuverpflichtungen, die es am Ende geben wird, sind aktuell noch nicht über die Bühne gegangen. Insgesamt denke ich, dass sich das Niveau innerhalb der Liga etwas angleichen wird.“ Haas geht davon aus, dass die Vereine ganz genau schauen werden, was die Konkurrenz macht, um dann im Bedarfsfall noch mal gezielt nachzulegen: „Wir schauen uns in der Gegend um und haben dabei alle Mannschaftsteile im Blick.“

Die 19-Jährigen Tobias Hofbauer und Daniel Vorderwestner rücken in den Regionalliga-Kader

Kein Thema ist derzeit übrigens Keeper Markus Schöller vom Liga-Rivalen Schalding-Heining. Wacker setzt weiter auf Stammkeeper Egon Weber, hat mit Marius Herzig einen Vertreter im Kader und mit den 17-jährigen Fabian Stapfer steht ein Talent aus der Region nach seinem Kreuzbandriss auch bald wieder in den Startlöchern. „Fabian ist aus Simbach, mittelfristig trauen wir ihm zu in die Fußstapfen von Egon zu treten“, so Fenk, wobei Haas klar macht: „Fabian ist in erster Linie für die U19 vorgesehen, noch ist aber nach seiner Verletzung nicht so weit, aber er ist eine Zukunftsaktie.“

Bereits fix zum Feldspielkader gehören die 19-jährigen Talente Tobias Hofbauer und Daniel Vorderwestner, die beide noch keinen Einsatz in der Regionalliga hatten. Hofbauer ist gelernter Abwehrspieler, Vorderwestner ist fürs Mittelfeld vorgesehen, in dem es aktuell noch ziemlich mau aussieht. In diesem Mannschaftsteil hofft Fenk auch auf Marius Duhnke, der fast zwei Jahre lang verletzt war: „Bei ihm schaut es aus gut. Er will es noch mal wissen und wir geben ihm die Chance.“ Von der U19 sollen mit André Leipold (18) und Nicolas Barth (18) zwei weitere Mittelfeldspieler kommen, ebenso wie Angreifer Muhamed Bekaj (18).

Marius Duhnke hofft nach fast zweijähriger Leidenszeit auf ein Comeback im September.

Haas: "Irgendwann müssen wir zur Normalität zurückkehren"

Wann es mit richtigem Mannschaftstraining wieder los gehen kann, ist auch für die Verantwortlichen aus Burghausen noch nicht genau absehbar, doch Trainer Leo Haas hofft, dass der avisierte Trainingsstart am 20. Juli stattfinden kann: „Irgendwann müssen wir zur Normalität zurückkehren, sonst können wir erst wieder spielen, wenn es einen Impfstoff gibt.“ Fußball und der Sport gehören für den 38-jährigen Familienvater zum „normalen Leben“, insofern konnte er sich zwar in den letzten Wochen intensiv seiner Familie mit den beiden Söhnen widmen, aber so ganz echt hat sich alles für ihn nicht angefühlt: „Der Spaß am Sport ist ja auch etwas, das das Leben ausmacht. Auch für viele Zuschauer ist der Stadionbesuch am Wochenende ein wichtiger Teil des Lebens. Da geht es auch ganz stark um die soziale Komponente.“ 

In diesem Zusammenhang hofft Haas, dass die Sponsoren, die den Sport fördern, ihr Engagement so gut es geht aufrechterhalten: „Man muss den Sponsoren vermitteln, dass ihr Engagement für das Zusammenleben innerhalb von Kommunen und Städten super wichtig ist. Mir ist bewusst, dass viele Firmen selbst wirtschaftliche Schwierigkeiten haben, aber Sport ist für viele Menschen ein wichtiger Ausgleich, bei dem sie ihre Emotionen ausleben können.“ Gerade der Mannschaftssport, in dem ja vielen jungen Leuten soziale Kompetenz vermittelt wird, in dem ein Gemeinschaftsgefühl erlebt werden kann, das sonst oft auf der Strecke bleibt, ist für Haas ein wichtiger Sozialfaktor.

Für Trainer Leo Haas beginnt deshalb die Saison gefühlt neu

Sollte im September der Spielbetrieb wieder aufgenommen werden, geht für den Coach „vom Kopf her eine neue Saison an“, zumal die Mannschaften nicht mehr das gleiche Gesicht haben werden: „Mit Chancengleichheit hat das nichts mehr zu tun, deswegen verstehe ich auch nicht, warum man sich für eine Fortsetzung entschieden hat.“ Gerade für Haas, der ja erst im Winter gekommen ist und sich in der Vorbereitung mit der Mannschaft vertraut machen musste, ist die lange Unterbrechung besonders bitter: „Nach dem verdienten Sieg in Aschaffenburg hatte ich ein super Gefühl. Ich hatte schon den Eindruck, dass die Jungs das super umgesetzt haben, was wir uns intensiv und hart erarbeitet haben. Das neue System war ja auch eine große Veränderung, da musste die Jungs viel investieren. Es wäre wirklich spannend gewesen, zu sehen, wie wir uns da weiter geschlagen hätten. Wenn es jetzt wieder losgeht, fangen wir ja nicht bei 80 Prozent oder so an, gedanklich ist das vielmehr ein Neustart.“ 

Nach der langen Pause müssen nicht nur die körperlichen Voraussetzungen wieder erarbeitet werden. „Es geht ja auch darum den Jungs die ganze Philosophie wieder zu vermitteln, da fangen wir in vielen Bereichen bei Null an“, erklärt der Coach und ergänzt: „Ich sehe jetzt schon Licht am Ende des Tunnels. Ich hoffe für uns alle, dass wir es mit dem Re-Start hinkriegen und keinen Rückschlag bekommen. Am Ende wird es eine politische Entscheidung sein, bei der auch viele ethische Fragen eine Rolle spielen werden.“

MB

Quelle: rosenheim24.de



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