Einen Fan auf die Hörner genommen

OVB
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Im Licht der Scheinwerfer: Das Starbulls-Maskottchen "Bully" zieht seine Kreise auf dem Rosenheimer Eis.

Rosenheim - Er hat in 20 Jahren kein einziges Tor geschossen und auch keinen Gegentreffer verhindert, aber trotzdem ist er aus der Rosenheimer Eishockeyszene nicht weg zu denken: Der Bully, das Maskottchen der Starbulls.

Wenn er mit den Hufen scharrt, die Hörner bedrohlich nach oben hebt und kurz vor Spielbeginn als Erster auf das blanke Eis fährt, dann gebührt ihm der Jubel der einheimischen Fans. Wer sich allerdings hinter diesem etwa 14 Kilogramm schweren Bully-Kopf mit einer Schale als Hinterteil verbirgt, das wissen wohl nur die wenigsten Besucher im Kathrein-Stadion. Georg "Schorsch" Untereichmeier aus Großkarolinenfeld und sein derzeitiger Hintermann, Walter Schechner, können ein beachtliches Kapitel nicht nur an Rosenheimer Eishockeygeschichte schreiben, denn Untereichmeier war auch als Maskottchen bei den Eishockeyweltmeisterschaften 1993 in München und 2001 in Hannover im Einsatz.


Kurz vor dem Auftritt mit interessierten Fans: Georg "Schorsch" Untereichmeier (Mitte) und sein derzeitiger Hintermann Walter Schechner (links).

Untereichmeiers erster Auftritt als Maskottchen in Rosenheim datiert aus dem Jahr 1989, als er mit Hans Rieder für den deutschen Meister Sportbund Rosenheim als "Marox-Stier" aufs Eis ging und die Fans begeisterte. "Ich denke da zum Beispiel an eine Aktion vor einem Spiel gegen die Kölner Haie, als wir als Stier einen Hai, der auf große Papierrollen gezeichnet war, total zerfetzten, oder vor einem Spiel gegen Berlin einen Maskottchen-Bären vor uns her jagten, da brüllte das Publikum", erzählt er schmunzelnd. Nicht zum Spaßen aufgelegt war der Bully, als einmal ein Gästefan aufs Eis stürmte und ihn traktieren wollte: "Den nahm ich zwischen die Hörner und drückte ihn an die Bande, bis er Ruhe gab", erzählt Untereichmeier. In diesen Jahren sei es nicht ungewöhnlich gewesen, dass gelegentlich Fans das Eis stürmten und ihre Rituale aufführten. "Darunter waren auch Angetrunkene auf wackeligen Knien, einer kam kaum mehr alleine vom Eis, da habe ich mit den Hörnern nachgeholfen und ihn hinaus geschoben", so Untereichmeier, der bis zum DEL-Ausstieg in der Saison 1999/2000 mit Martin Zaissl als Hintermann den Marox-Stier verkörperte.


Bei der Eishockey-Weltmeisterschaft 1993 war Untereichmeier in München als Ein-Mann-Maskottchen "Bully" im Einsatz, das mit dem Rosenheimer Maskottchen nur den Namen gleich hatte, aber sonst eher einem Pinguin ähnelte. Mondi Hilger stürmte damals für das deutsche Nationalteam. "Das Tor der österreichischen Nationalmannschaft hütete Claus Dalpiaz und bei den Kanadiern lief erstmals Eric Lindros im Nationaltrikot auf", erinnert er sich gut.

2001 in Hannover ist er als Maskottchen "Spacy" bei den Spielen aufgetreten und während dem Warmlaufen der Schweden wäre er beinahe mit dem Nationalkeeper kollidiert und über ihn geflogen. Kanadischer Teammanager war damals Wayne Gretzky, mit dem der "Spacy" auch einige Worte wechselte.

Die meisten Höhepunkte wurden aber im heimischen Stadion erlebt. "Nach der sensationellen Meisterschaft in der Zweiten Bundesliga und dem Wiederaufstieg in die Erste Bundesliga 1992/93 wollten die Vereinsverantwortlichen ein Ein-Mann Maskottchen in Form von einem roten Stier präsentieren. Ein roter Stier, bei Vereinsfarben Grün-Weiß, das konnte nicht gut gehen, ein gellendes Pfeifkonzert sprach mehr als tausend Worte und "nach nur zwei Auftritten war die Kuh, sprich der ,rote Stier' wieder vom Eis", so Untereichmeier.

Seitdem tritt der Bully in Grün auf, entsprechend den Vereinsfarben Grün-Weiß der Starbulls Rosenheim und hat in über 20 Jahren zwischen 500 und 600 Kilometer auf dem Rosenheimer Eis zurückgelegt. "Wenn ich pro Spiel nur drei Runden drehe, dann ist es etwa ein Kilometer und dann kann man es auf 20 Jahre hochrechnen", meint er und hebt freudig seine Hörner, wenn die Fans "Bulllllyyy, Bulllllyyy; Bulllllyyy...." rufen. Er hat unzählige Spieler und viele Trainer kommen und gehen gesehen, doch zu einem besteht heute noch besonderer Kontakt, zu Karl Friesen, den er schon zweimal in seiner Heimat Winnipeg in Kanada besuchte.

ru/Oberbayerisches Volksblatt

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