Beispielhaftes Unterzahlspiel

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Der 1:1-Ausgleich in Crimmitschau durch Floppo Zellers erstes Saisontor.

Rosenheim - Nur einen Punkt nahmen die bislang so überraschend erfolgreichen Starbulls aus dem Wochenende mit - doch das lag sicher nicht an ihrer Defensive.

Die Starbulls Rosenheim sind also doch nicht Mainz 05! Denn während die Fußballer aus der Karnevalsstadt weiterhin ohne Minuspunkt die Liga aufmischen und dabei mit 18 Toren in sieben Spielen im eigentlich torärmeren Fußballgeschehen Spitzenwerte produzieren, landeten die Starbulls am dritten Wochenende in der höheren Spielklasse erstmals auf der negativen Seite, und das lag sicher nicht an der Defensive.


Zuschauer, die sich Spiele der Rosenheimer anschauen, können sich zwar auf Tempo, Rasse und vor allem Spannung einstimmen, wenn sie dagegen Torfluten suchen (egal auf welcher Seite), kommen sie vergebens. Denn hier sind in Rosenheim bisher die absoluten Minimalisten der zweiten Liga zuhause. Nur 4,4 Tore fielen in den bisherigen Rosenheimer Spielen im Schnitt (2,4 für die Starbulls, zwei dagegen), das ist noch fast ein halber Treffer pro Spiel weniger als beim ebenfalls torarmen Letzten Hannover (4,8) und gleich mehr als ein ganzes weniger als beim Spitzenreiter Schwenningen (5,5). Bei Dresdener Spielen sieht man dagegen 7,7 Tore pro Begegnung, bei Crimmitschau und Ravensburg sind es immer noch deren 6,7. Und der beiderseitige Mangel an Toren in Rosenheimer Spielen liegt nicht zuletzt an der geringen Zahl von Powerplaytreffern. Vom Negativen her betrachtete, waren nur Andi Paderhuber und Tim Kunes bisher in Überzahl erfolgreich, so dass die Starbulls in dieser Rubrik mit 8,33 Prozent auf dem viertletzen Rang liegen (Bietigheim, Bremerhaven und Kaufbeuren sind noch "powerloser").

Das Positive ist allerdings, dass wie im Vorjahr das Rosenheimer Unterzahlverhalten fast beispielhaft ist. 95 Prozent aller gegnerischen Powerplays wurden bisher schadlos überstanden (nur Weiswasser liegt mit 93,1 Prozent ebenfalls über 90 Prozent), und bis der Crimmitschauer Patrick Pohl am Sonntag den Bann brach, waren Franz Steers Jungs 32:36 Minuten in nummerischer Überlegenheit absolut sicher gestanden!


Die erste Sturmreihe um Alan Reader (rechts) vergab auch gegen Landshut zu viele gute Chancen.

Da ist es kein Wunder, dass bereits in den ersten fünf Spielen zwei Phasen ohne Gegentor zu verzeichnen waren, die sich in die Rosenheimer Top Ten in dieser Hinsicht einreihen. 75:43 Minuten war Norm Maracle bis zu Cody Thorntons Tor unüberwindlich gewesen; nur zweimal gab es in der bisher einzigen Zweitliga-Saison 1992/93 längere Rosenheimer Shutout-Phasen. Und auch die 63:51 Minuten aus den Spielen gegen Bietigheim und Hannover rangieren auf Platz sechs der betreffenden Liste. Während in den Schlussdritteln der fünf Spiele insgesamt neun Treffer fielen (5:4 für die Starbulls) und in den Mitteldritteln acht (je vier auf beiden Seiten), erwiesen sich die Anfangsabschnitte mit zwei Rosenheimer und einem einzigen Gegentor in hundert Spielminuten als besonders torarm. Und das war speziell am Freitag gegen Landshut auch gut so, denn die letzten Besucher kamen gerade einmal fünf Minuten vor der ersten Drittelpause ins Stadion. Was auch daran lag, dass die Anfangsphase fast ohne Unterbrechungen (Icing, Abseits, Foul) durchlief, sich die Linesmen bei den Bullys dadurch nicht wichtig machen konnten, und so die ersten neun Nettominuten in nur zehn Minuten Bruttozeit über die Bühne gingen!

Wer allerdings denkt, die 4876 Besucher wären Rosenheimer Zweitliga-Rekord, könnte nicht schiefer liegen. Tatsächlich erreicht diese Zahl nicht einmal die Top Ten. In der Saison 1992/93 waren allein sechs Begegnungen mit offiziell 7100 Fans restlos ausverkauft, weitere viermal wurden 5500 oder mehr Besucher gezählt. Nicht nur bei den Toren, auch hier liegt zweifellos Nachholbedarf. Die 6339 aus dem letztjährigen Playoff-Finale gegen Peiting lassen grüßen!

von Manfred Eder/Oberbayeriches Volksblatt

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