Starbulls lassen "Eisbombe" platzen

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Der neue Starbulls-Keeper in Aktion, als er bei den Iserlohn Roosters in der DEL eine überragende Saison spielte.

Rosenheim - Sensationeller Neuzugang bei den Starbulls Rosenheim: Die Verantwortlichen des Eishockey-Zweitligisten gaben gestern die Verpflichtung von Torhüter Norm Maracle bekannt.

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Für alle, die vielleicht mit diesem Namen nichts anfangen können, ein paar Fakten und Daten: Der 35-jährige Kanadier wurde 1998 Stanley-Cup-Sieger mit den Detroit Red Wings für die er viermal zum Einsatz kam, er absolvierte insgesamt 68 Spiele in der NHL und wechselte 2003 in die russische Superliga, wo er eine sehr erfolgreiche Saison bei HK Metallurg Magnitogorsk spielte. 2005 wurde er zum besten Torhüter des IIHF European Champions Cup gewählt - nur eine von vielen Auszeichnungen und All-Star-Team-Berufungen in seiner Karriere. 2006 unterschrieb er einen Vertrag bei den Iserlohn Rooster, die dank der famosen Leistungen von Maracle erstmals in ihrer DEL-Geschichte die Play-off-Runde erreichten.

Die Verpflichtung von Maracle bedeutet gleichzeitig, dass der bisherige Keeper Claus Dalpiaz keinen neuen Vertrag mehr bei den Starbulls erhält (siehe Bericht unten "Dalpiaz schwer enttäuscht").


Maracle war in Iserlohn der absolute Publikums-Liebling und begeisterte die Fans mit seinen berühmt-berüchtigten und spektakulären Tanzeinlagen Zuletzt spielte Maracle in Köln und im Januar dieses Jahres lautete die Schlagzeile in den Boulevard-Blättern: "Kölner Haie holen Eisbombe Norm Maracle". Und diese "Eisbombe" ließen gestern die Starbulls Rosenheim platzen. "Eisbombe" deshalb, weil Maracle ein hervorragender Torhüter ist, und weil er ein stattliches Gewicht auf die Waage bringt.

Norm Maracle

Wer Fotos von Maracle sieht, glaubt nicht, dass er es dabei mit einem Profi-Sportler beziehungsweise einem Spitzen-Eishockeytorhüter zu tun hat. Bei einer Körpergröße von 1,75 Meter wog Maracle in seiner "Glanzzeit" 107 Kilogramm hat aber bei HDD Olimpija Ljubljana, die in der österreichischen Eishockey-Liga spielen, auf 94 Kilogramm abgespeckt und fühlte sich vor seinem Wechsel zu den Kölner Haien nach eigener Aussage topfit. Man muss allerdings auch wissen, dass Maracle in seiner besten DEL-Saison 2007/2008, als er mehrfach zum Spieler des Monats ausgezeichnet wurde, ebenfalls stattliche 105 Kilogramm wog. Seine Leibesfülle ist für ihn also kein Grund nicht außergewöhnliche Leistungen zu bringen.

Zwei weitere Markenzeichen von Maracle sind seine extrem vielen Tattoos und seine spektakulären Tanzeinlagen nach Siegen seiner Mannschaft. Beide Oberarme sind fast komplett mit Tattoos übersäht, auch an den Beinen hat er einige Kunstwerke verewigt. Maracle: "Ein Freund von mir ist Tattoo-Künstler, da hat mich der linke Arm nichts gekostet und für den rechten habe ich insgesamt 1500 Euro bezahlt." Maracle das lebende Kunstwerk. Sein Geschmack: "Ich mag keltische Zeichen, Tribals, Schädel und Totenköpfe. Von meiner Familie oder der Liebe habe ich nichts stechen lassen." Tänzerisch hat er vor allem die Fans in Iserlohn begeistert. "Norm wir wollen dich tanzen sehen", skandierten die Fans und Maracle tanzte. Wie das aussieht, kann man im Internet unter http://www.myvideo.de/watch/3637862/Norm_Maracle_Dancing_King sehen

Maracle mit dem Stanley Cup.

Maracle ist definitiv ein verrückter Kerl, an dessen Verpflichtung Rosenheims Coach Franz Steer zunächst keinen Gedanken verschwendet hat. "Ich hätte nie geglaubt, dass er über ein Angebot von uns überhaupt nachdenkt. Das was er bei uns im Jahr verdient, hat er in der NHL oder in Russland in einem Monat kassiert", sagt der Starbulls-Coach. Deshalb hat Steer auch weiter an eine Lösung mit Claus Dalpiaz gedacht. Steers Stiefsohn Gerrit Fauser ("Norm ist ein ganz feiner Kerl"), der in Köln unter Vertrag steht, hat Steer gesagt, er solle Maracle einfach mal kontaktieren. Und das hat Steer getan.

"Maracle hat in den höchsten Ligen der Welt und gegen die besten Spieler der Welt gespielt. Was aber in den Gesprächen mit ihm ausschlaggebend gewesen ist: Er hat mir immer das Gefühl gegeben, dass er unbedingt bei uns spielen will", erklärte Steer. Maracle ist es nicht um das Geld gegangen oder um eine große Wohnung oder um ein Auto - "er will mit seiner Familie in Deutschland bleiben, Eishockey spielen und nicht als zweiter Torhüter auf der Bank sitzen", nennt Steer Gründe für diesen spektakulären Transfer.

Hans-Jürgen Ziegler/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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