Cannibals bezwingen Starbulls

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Rosenheim - Schade: Landshut besiegt die Starbulls im Penaltyschießen mit 1:2. Ausschlaggebend könnte ein "Geschenk" des Schiris gewesen sein. **PK-O-Töne** **Live-Ticker zum Nachlesen** **Video folgt**

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Zu tumultartigen Szenen kam es am Freitagabend im Kathrein-Stadion: Nachdem der Schiedsrichter ein Tor für Landshut gegeben hatte, bei dem der Puck am Kasten vorbeigeflogen ist, flogen Becher auf die Eisfläche und der Unparteiische wurde ausgepfiffen.

Das erste Tor des Abends erzielte Cody Thornton für die Landshuter Cannibals in der 38. Minute. Der Ausgleich gelang Tim Kunes in der 52.


Danach ging es in die Verlängerung, die ebenfalls keine Entscheidung brachte. Dann im Penaltyschießen die fragwürdige Szene: Hundhammer hatte am Tor vorbeigezogen, doch der Schiedsrichter gab den Treffer für Landshut trotzdem.

Nach einer kleinen Pause, in der die Eismeister die geflogenen Becher von der Eisfläche entfernt hatten, traf Floppo Zeller für die Starbulls.

Den entscheidenden Treffer für die Cannibals erzielte Abstreiter - ganz regulär.

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Lesen Sie hier den Vorbericht vom Freitag aus dem Oberbayerischen Volksblatt:

Wenn die Eishockeyspieler aus Landshut zu Gast sind, steigt der Puls der Starbulls-Fans wie der Pegel der Mangfall bei tagelangem Dauerregen - so zumindest war es zu glorreichen Rosenheimer und Landshuter Eishockeyzeiten in den 80er- und 90er-Jahren. Ein Punktspiel gab es zwischen den beiden Erzrivalen aus Ober- und Niederbayern zwar schon seit über elf Jahren nicht mehr - das letzte Aufeinandertreffen fand am 20. Februar 1999 statt -, doch der Reiz der Begegnung Rosenheim gegen Landshut ist zweifellos immer noch da.

Und deshalb werden heute um 19.30 Uhr im Kathrein-Stadion über 4000 Zuschauer erwartet. "Allein aus Landshut werden ein paar hundert Fans nach Rosenheim kommen", erklärte Elmar Franz, der Sportredakteur der Landshuter Zeitung, der die eigene Mannschaft nicht so schlecht sieht, wie sie momentan in der Tabelle (drei Punkte aus vier Spielen) dasteht. "Am Ende werden die Landshuter zwischen Platz vier und sechs liegen und die Play-Off-Runde sicher erreichen", glaubt Franz, der bereits die dramatischen Halbfinalspiele 1982 zwischen beiden Teams live miterlebte. "Das waren Schlachten mit viel Herzblut", erinnert er sich. Rosenheims Trainer Franz Steer, der gebürtige Landshuter, der damals für den EVL verteidigte, mag an diese Spiele gar nicht zurückdenken: "Das war brutal. Nach dem Ausscheiden hatte ich meinen letzten großen Rausch."

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Heute würde sich Steer nach einem Sieg gegen Landshtu gerne ein bier schmecken lassen: "Natürlich will ich gewinnen. Ich habe keine Lust, mich am Montag in Landshut flachsen zu lassen." Bringen die Starbulls die Leistung wie in den letzten Spielen "in denen wir immer die bessere Mannschaft waren" (O-Ton Steer), muss er sich von seinen Landshuter Freunden auch nicht ärgern lassen.

Die Starbulls haben nicht lange gebraucht, um als Aufsteiger in der zweiten liga Fuß zu fassen. "Das ist endlich wieder richtiges Eishockey. Es macht Spaß, zuzuschauen. Hohes Tempo, starke Einzelspieler, harte zweikämpfe - einfach Spitze", schwärmten viele Zuschauer, die im ersten Heimspiel gegen Hannover erstmals im Stadion waren. Es hat sich in der Stadt schnell herumgesprochen, dass die Starbulls guten Sport bieten - anders sind die drei Siege in den ersten drei Spielen, zwei davon auswärts, auch nicht zu erklären.

Der "Star ist das Team", sagen die Rosenheimer Vernatwortlichen. Richtig, und dennoch gibt es einige Spieler, die herausstechen. Torhüter Norm Maracle zum Beispiel, der auf seine ganz besondere Art und Weise das Torhüterspiel inszeniert, die Verteidiger Tim Kunes und Andreas Paderhuber mit je zwei Toren, das Pärchen Stephen Werner/Stephan Gottwald (zusammen vier Tore und fünf Assists) sowie alle jungen Spieler, die sogar von den gegnerischen trainern hervorgehoben werden.

"Für uns gilt es jetzt nach den Anfangserfolgen am Boden zu bleiben und Spiel für Spiel unsere Leistung zu bringen. Nur dann können wir in der Liga und heute gegen Landshut bestehen.", warnt Steer vor übertriebener Euphorie. Tatsache ist, dass es den Spielern viel Spaß bereitet in und für Rosenheim zu spielen. Stellvertretend dazu sagt Torhüter Norm Maracle: "Wir haben bisher unheimlich stark gespielt und ich selbst fühle mich wirklich sehr gut. Franz Steer ist ein toller Trainer, der Zusammenhalt im Team ist klasse. ich komme wirklich jeden Tag gerne in die Eishalle." Auf seine iele und die der Starbulls angesprochen erklärte Rosenheims Keeper: "Ich will noch lange Eishockey auf hohem Niveau spielen und ich bin nicht wegen des Geldes hier, sondern weil mir dieser Sport immer noch großen Spaß macht. Mit der Mannschaft wollen wir jedes Spiel so spielen, als wäre es das letzte und entscheidende der Saison. Und am Ende hoffen wir, wie fast jedes Team, auf den Play-Off-Einzug."

Heute wird Maracle wieder im Blickpunkt im Duell mit einem jüngeren Torhüter stehen. Landshuts Heimkehrer Sebastian Vogl war in den ersten beiden Spielen der Buhmann und in den spielen drei und vier war er jeweils der beste Spieler der Niederbayern. "Vor allem beim 6:2-Heimsieg gegen heilbronn hat er uns in den schwierigen Phasen im Spiel gehalten" lobte Trainer Tobias Abstreiter den 24-Jährigen. Ein 6:2 gegen Heilbronn, das von der Fachzeitschrift "Eishockey News" vor der Saison als Spitzenteam der Liga eingestuft wurde (wie übrigens auch Landshut) zeigt von den durchaus vorhandenen Möglichkeiten der Niederbayern. Vor allem dann, wenn die Förderlizenzspieler Patrick Buzas (zwei Spiele/vier Assists), Maximilian Forster (zwei Spiele/zwei Tore) und Stephan Daschner (zwei Spiele/ein Tor/ein Assist) für Landshut spielen.

Für Spannung ist auf alle fälle gesorgt und bei einem eventuellen Heimsieg und einem Ausrutscher von Schwenningen gegen Bietigheim (der Tabellenzweite aus Freiburg ist spielfrei) würde heute sogar die Tabellenführung in der zweiten Bundesliga winken. Dazu Franz Steer: "Das wäre schön, aber es wäre nur eine Momentaufnahme. Es sind noch so viele spiele, da können wir auch noch absteigen." In diesem Fall würde das Herzinfarktrisiko bei den Fans allerdings drastisch steigen. Heute dagegen könnte das Starbulls-Team den Puls der eigenen Fans durch eine Klasseleistung und/oder einen Sieg in allerletzter Sekunde zum Rasen bringen - so wie am 3. Januar 1997, als die Rosenheimer Anhänger nach em 4:3-Sieg gegen Landshut in der Verlängerung, dem Tor von Jim Hiller und dem Einzug in die Meisterrunde skandierten: "Hiller, Hiller - Landshut-Killer."

bz/Oberbayerisches Volksblatt

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