Abstieg hätte gravierende Folgen

Zweitliga-Relegation: Löwen bangen, Kieler träumen

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Jung-Löwe Marius Wolf konnte nach dem Spiel gegen Karlsruhe seine Enttäuschung nicht verbergen.

München - Löwen gegen Störche in der Relegation: Mit ungewöhnlichen Maßnahmen wollen die Münchner „Löwen“ die Klasse halten. Die Kieler träumen von der Rückkehr nach drei Jahrzehnten in die 2. Liga.

Die euphorisierten Kieler träumen vom Aufstieg, die Münchner „Löwen“ wollen ihre geschenkte zweite Chance nutzen. „Wir haben nach Höhen und Tiefen in dieser Saison schon einige Endspiele gehabt. Fakt ist: Wir haben uns da selbst reinmanövriert, aber auch die Chance erarbeitet, in der 2. Liga zu bleiben, jetzt müssen wir sie auch nutzen“, erklärte 1860-Trainer Torsten Fröhling am Tag vor dem Relegations-Hinspiel um einen Platz in der 2. Bundesliga. Der klassentiefere Drittligist Holstein Kiel, der am Freitagabend (20.30 Uhr) Gastgeber ist, gibt vor der ersten Partie die Rolle des Favoriten gerne ab. „Wir sind der Außenseiter. Je länger wir es spannend halten, desto mehr steigen unsere Chancen“, sagte Trainer Karsten Neitzel.

Die jüngere Statistik dürfte Kiel Mut machen. Seitdem die Relegationsspiele zur Saison 2008/09 eingeführt wurden, gewann in fünf von sechs Fällen der Drittligist. Besonders dramatisch wurde es vor einem Jahr: Nach einer 1:3-Heimniederlage kam Darmstadt 98 durch ein 4:2 nach Verlängerung in Bielefeld doch noch weiter. „Ich erwarte ein typisches Relegationsspiel“, orakelte Fröhling.

Fröhling baut auf Reaktion nach Rückschlägen

Nur drei Jahre spielten die Kieler in der 2. Liga, zuletzt 1981, dagegen weist der langjährige Bundesligist aus München bereits 18 Zweitliga-Spielzeiten auf. Als Abstiegstrainer will Fröhling keineswegs in die „Löwen“-Historie eingehen. „Hoffnung macht mir, dass wir schon öfter nach Rückschlägen aufgestanden sind“, betonte der Gäste-Trainer.

Das letzte Duell gewannen die Münchner, aber es zeigte auch, dass die Norddeutschen mithalten können. In der ersten DFB-Pokalrunde unterlag Kiel am 17. August knapp mit 1:2. Aufgrund ihrer starken Abwehr, die in 38 Saisonspielen nur 30 Gegentreffer zuließ, entwickelten sich die „Störche“ von einem Abstiegskandidaten zu einer Spitzenmannschaft der 3. Liga. Dagegen rutschten die Sechziger, bei denen der frühere Coach Ricardo Moniz im Sommer sogar vom Aufstieg sprach, immer tiefer ab. „Wenn du so spielst wie gegen Karlsruhe, wirst du auch gegen Kiel nicht bestehen“, erklärte Kapitän Christopher Schindler.

Kiel trainiert jetzt später

Während der Relegationsgegner 1860 München zur Vorbereitung ein Trainingslager in Norderstedt bei Hamburg absolvierte und bereits zwei Tage vor der Partie anreiste, wurde in Kiel wenig verändert. Lediglich die Trainingszeit hat Neitzel auf 20 Uhr verlegt, „damit sich der Körper daran gewöhnt, zu dieser Uhrzeit mehr zu leisten, als nur „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ zu gucken“. Der Kieler Übungsleiter kann aus dem Vollen schöpfen. Fröhling, der die drei Spanier Rodri, Edu Bedia und Ilie Sanchez zu Hause ließ, kann nach einer Gelbsperre wieder auf Gary Kagelmacher zurückgreifen.

Die Hanseaten verweisen auf positiven Druck auf ihrer Seite, weil sie als klassentieferes Team gewinnen und nichts verlieren können. Die Oberbayern sind bestrebt, ähnlich zu denken. „Im Prinzip ist es ja so: Wir haben ein zweites Leben geschenkt bekommen, waren während des Spiels beim Karlsruher SC schon abgestiegen. Daher müssen wir dankbar sein, dass wir überhaupt in der Relegation antreten dürfen“, sagte Präsident Gerhard Mayrhofer. Klar ist aber: Bei einem Abstieg muss noch mehr gespart werden, allein die Fernsehgelder sinken um einige Millionen Euro.

Sollte es schiefgehen, bleibt bei 1860 (fast) nichts wie zuvor. „Wenn Sechzig absteigt, kommen sie nicht wieder hoch“, befürchtet Löwen-Legende Werner Lorant.

Der von vielen Freunden des Klubs für den Abstiegsfall befürchtete Lizenzverlust dürfte zwar abzuwenden sein, die 3. Liga würde aber einen „Kraftakt“ bedeuten, wie der kaufmännische Geschäftsführer Markus Rejek meinte. Allein im Bereich TV-Einnahmen müsste der klamme Klub ein Minus von fast sieben Millionen Euro schultern.

Die Mannschaft müsste runderneuert werden: Nur vier Spieler haben laut Bild-Zeitung Verträge für die 3. Liga. Die erfolgreiche Regionalliga-Mannschaft müsste zwangsabsteigen, und die ewig diskutierte Stadionfrage - Allianz Arena oder Grünwalder Straße - würde sich neu stellen. Außerdem müsste wohl einer der beiden Geschäftsführer gehen.

Darin liegt aus Sicht vieler Anhänger aber sogar eine Chance: Für sie ist Sportchef Gerhard Poschner der „Hauptschuldige“ (Trainer-Ikone Karsten Wettberg) für den Niedergang. Poschner sei „ein Schauspieler, aber kein Sportdirektor“, schimpfte Lorant, Präsident Gerhard Mayrhofer drängt auf Poschners Demission.

Das Problem: Dafür bräuchte es eine Mehrheit im uneinigen Beirat. Noor Basha, Statthalter von Investor Hasan Ismaik, steht zu Poschner. Zum „sogenannten Investor“ Ismaik, meinte Mayrhofer indes im BR, gebe es derzeit „leider keinen Kontakt“. Angeblich bereitet der Jordanier seit Monaten seinen Ausstieg vor.

dpa/SID

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