Mourinho und Chelsea

Bayerns böse Geister vereinen sich

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Jose Mourinho.

Madrid - Es war alles andere als ein schönes Fußball-Spiel. Doch bei Bayern München dürften nach dem 0:0 zwischen Atletico Madrid und dem FC Chelsea die Alarmglocken schrillen.

Es war in der Tat „hässlich, brutal und fürchterlich“ (Mirror). Es war „ärgerlich und schwerfällig“ (Guardian) und auch ein Stück weit „langweilig“ (Daily Mail). Doch es war keine Verachtung, die aus den Worten der britischen Medien sprach. Es war Hochachtung. Denn es war alles wie 2010. Oder wie 2012.

Bei Bayern München dürften somit beim 0:0 des FC Chelsea am Dienstagabend bei Atletico Madrid die Alarmglocken geschrillt haben. Denn schon vor dem eigenen Auftritt im Halbfinal-Hinspiel der Champions League bei Real Madrid hatten sich nur acht Kilometer entfernt scheinbar alle bösen Geister der Bayern vereint.

Chelsea-Teammanager José Mourinho ließ sein Team so penetrant defensiv spielen, wie vor vier Jahren, als er mit Inter Mailand im Halbfinale den FC Barcelona aus dem Wettbewerb mauerte und später das Finale gegen die Bayern gewann. Und so spielte Chelsea noch destruktiver als 2012, als sie unter Roberto di Matteo den Bayern im „Finale dahoam“ den Titel entrissen. Weitere zwei Jahre später haben sich Mourinho und Chelsea nun (wieder) vereint, um mit zermürbendem und allenfalls taktisch anregendem Anti-Fußball die europäische Krone zu gewinnen.

Diesmal hätte der Portugiese Mourinho sein „Finale daheim“, am 24. Mai in Lissabon. Und vorbehaltlich einer Besprechung mit Klub-Mäzen Roman Abramowitsch hat er schon einmal angekündigt, dass die Champions League „für mich Priorität genießt“.

Dafür wäre „The Special One“ sogar bereit, den durchaus greifbaren Titel in Premier League abzuschenken. Für den Liga-Gipfel des Tabellenzweiten am Sonntag bei Spitzenreiter FC Liverpool kündigte er jedenfalls schon mal den Einsatz eines B-Teams an. „Wenn es nach mir geht, werde ich die Spieler einsetzen, die nicht im Rückspiel am Mittwoch gegen Madrid ranmüssen“, sagte der 51-Jährige: „Aber ich kann das nicht alleine entscheiden. Ich bin nicht der Klub.“

Im Falle eines Sieges an der Anfield Road würden die Blues den Reds wieder bis auf zwei Punkte im Nacken sitzen. Doch Mourinho hat nur ein Ziel: Er will nach den Erfolgen mit dem FC Porto 2004 und eben Inter 2010 als erster Coach mit einem dritten Klub die wichtigste Trophäe Europas gewinnen.

Dafür riskierte er am Dienstag im Halbfinal-Hinspiel beim spanischen Tabellenführer Atletico auch Pfiffe und Kritik. Denn an einem Fußballspiel war er nicht interessiert. „Unser ganz großes Augenmerk lag darauf, kein Gegentor zu bekommen“, sagte Nationalspieler Andre Schürrle dem SID und ergänzte schmunzelnd: „Ich denke, das hat man gesehen.“

Dabei bedienten sich die Chelsea-Stars sämtlicher unschöner Tricks aus der Mottenkiste des Fußballs: Zeitschinden beim Abstoß und Einwürfen, Schauspiel-Einlagen nach vermeintlichen Foulspielen oder auch ellenlange Diskussionen mit dem Schiedsrichter bei jedweder Gelegenheit. Ärgerlich: Der schwedische Unparteiische Jonas Eriksson ließ die Briten größtenteils gewähren.

Und die Spieler entwickelten mit zunehmender Spieldauer eine Wagenburgmentalität und immer mehr Freude an diesem „Zerfetzen, dieser Schlacht“ (Mirror„). Weil sie merkten, dass Mourinhos Plan aufging. `Es ist natürlich anstrengend, nur defensiv zu arbeiten, nur in die Zweikämpfe zu gehen, nur zu sehen, dass man ein Gegentor verhindert“, sagte der in der 73. Minute eingewechselte Offensivspieler Schürrle: „Aber das muss man für die Mannschaft tun in so einem Spiel.“

Im Rückspiel wird Chelsea freilich auch Interesse am eigentlichen Sinn des Spiels, einem Torerfolg, haben müssen. Und das ohne die Leistungsträger Petr Cech, John Terry (beide verletzt), Frank Lampard und John Obi Mikel (beide gesperrt). Doch Mourinho wird sicher wieder einen Plan haben. Wie unkonventionell er auch sein mag.

Der FC Chelsea hat das 0:0 im Halbfinal-Hinspiel der Fußball-Champions-League bei Atletico Madrid teuer bezahlt. Torhüter Petr Cech wird den Blues bis zum Saisonende fehlen. Auch Kapitän und Abwehrchef John Terry wird wochenlang ausfallen. „Cechs Saison ist vorbei. Fragen sie mich nicht nach Details, aber das war“s für ihn„, sagte Mourinho nach dem achtbaren Hinspiel-Resultat in Spanien: "Und wenn wir John in dieser Saison noch einmal spielen sehen wollen, müssen wir schon das Champions-League-Finale am 24. Mai erreichen.“

Gegner dort wären Bayern München oder Real Madrid. Cech hatte sich in der 15. Minute am rechten Arm verletzt, als er einen direkt aufs Tor geschossenen Eckball von Koke entschärfte. Terry erlitt 20 Minuten vor dem Ende eine noch nicht näher bestimmte Fußverletzung und wurde gegen Nationalspieler Andre Schürrle ausgewechselt.

sid

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