Bayern meckern auf hohem Niveau

Pep mäkelt: "Wir sind noch nicht am Gipfel"

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Pep Guardiola fordert noch mehr Zeit, um seine Mannschaft auf das gewünschte Niveau zu heben.

Dortmund - Bayern München hat das Gipfeltreffen in Dortmund mit 3:0 für sich entschieden und hat bereits sieben Punkte Vorsprung auf den Erzrivalen. Pep Guardiola sieht sein Team aber noch nicht am Limit.

Pep Guardiola und Matthias Sammer fielen sich jubelnd in die Arme, die Fans feierten ihre Stars minutenlang vor der Tribüne und Arjen Robben erklärte den größten Rivalen im Überschwang des Triumphes gleich mal zum Lieblings-Gegner. „Von mir aus können wir jede Woche gegen Dortmund spielen“, meinte der Niederländer nach dem 3:0 (1:0) im „deutschen Clasico“. Die Konkurrenz streckt derweil schon die Waffen vor dem Triple-Sieger, die sieben Punkte Vorsprung auf den BVB könnten nach etwas mehr als einem Drittel der Saison bereits die Vorentscheidung im Titelkampf gewesen sein.

Denn wo sollen die Bayern noch stolpern, wenn nicht in Dortmund? Seit 38 Liga-Spielen sind sie nun ungeschlagen - und dabei laut Trainer Pep Guardiola noch lange nicht am Limit. „Es ist noch nicht das Spiel, das ich mir vorstelle“, erläuterte der Spanier: „Wir sind noch nicht am Gipfel, wir brauchen noch Zeit.“

Vier Punkte Vorsprung auf Leverkusen

Das ist, wie Nationalspieler Thomas Müller spitzbübisch anmerkte, „natürlich Meckern auf hohem Niveau“. Doch es ist auch nachvollziehbar, schließlich haben die Bayern noch ungemeine Reserven. Mario Götze, zehn Minuten nach seiner Einwechslung an alter Wirkungsstätte Schütze des Führungstreffer (66.), und der bärenstarke Thiago kamen von der Bank und kommen nach wochenlangen Verletzungen erst ins Rollen. Bastian Schweinsteiger und Franck Ribery fehlten gar komplett.

Glückwünsche zur Vorentscheidung im Titelkampf nahmen die Bayern, deren vor dem Steuerprozess stehender Präsident Uli Hoeneß das Spiel „aus privaten Gründen“ nicht im Stadion verfolgte, aber noch nicht an. „Ich kann mich ja nicht im November hinstellen und mich als Meister feiern lassen. Sonst brauchen wir im nächsten halben Jahr gar nicht mehr zu spielen“, meinte Müller, Schütze des 3:0 (87.) und ergänzte gleich neunmalklug: „Der Vorsprung auf den Zweiten ist immer noch gleich geblieben, wenn ich richtig informiert bin. Ich weiß nicht, wie sie es machen, aber die Leverkusener gewinnen ja auch irgendwie jedes Spiel. Die würde ich nicht unterschätzen.“

Auch für Philipp Lahm ist nach „meinem Wunsch-Wochenende“ das Werksteam, das beim 1:1 im direkten Duell im Rheinland vor Wochen aber hoffnungslos unterlegen war, erst einmal der Hauptkonkurrent. „Dortmund haben wir noch nicht abgeschüttelt, doch sieben Punkte sind natürlich ein schönes Polster“, meinte der Kapitän: „Aber Leverkusen ist nur vier Punkte weg.“

Sammer holt Robben aus der Mixed Zone

Derweil philosophierte Robben, bereits Schütze des Siegtors im Champions-League-Finale, nach seinem fünften Treffer in den letzten vier Duellen (85.) über seinen neuen Lieblingsgegner. „Ich liebe solche Spiele“, sagte er mit funkelnden Augen: „Als kleiner Junge träumst du davon, in einem solchen Stadion, in einer solchen Atmosphäre zu spielen. Wenn du das nicht mehr genießen kannst, musst du aufhören, Fußball zu spielen.“

Diese Euphorie vermittelte der Niederländer trotz der Ansage, so schnell wie möglich zum Flughafen zu müssen, auch Journalisten aus seiner Heimat. So ausführlich, dass er das Dauerhupen des Busfahrers überhörte und Sportchef Matthias Sammer noch einmal aussteigen und Robben aus der Interviewzone ziehen musste. Damit war der 29-Jährige der Gegenpol zu Götze, der nach seinem entscheidenden Tor an alter Wirkungsstätte jeden Kommentar vermied.

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Robben war auch der Einzige, der zumindest von einem wegweisenden Erfolg sprach. „Wir sind immer noch in der Hinrunde“, meinte er zwar: „Aber ob man sieben Punkte Vorsprung auf Dortmund hat oder einen, das ist schon ein Unterschied. Deshalb war das ein wichtiger Sieg.“ Lahm mahnte zwar, man dürfe „jetzt nicht den Fehler machen, von der Meisterschaft zu reden. Aber wenn wir weiter gewinnen und keine Fehler machen, wird es für die anderen natürlich schwer.“

Das wissen auch die Dortmunder. Zwar war der BVB lange nicht so unterlegen, wie das Ergebnis es auszusagen scheint. Und vielleicht wäre die Partie für „die beste Kontermannschaft der Welt“ (Guardiola) anders gelaufen, wenn der künftige Münchner Robert Lewandowski in der 3. Minute freistehend das 1:0 erzielt hätte. Doch Dortmunds Klubchef Hans-Joachim Watzke sieht im Rivalen „die beste Mannschaft Europas. In meinen Augen sind sie besser als Barcelona oder Real Madrid. Dass sie die größten Möglichkeiten haben, Meister zu werden, wussten wir schon vor diesem Spiel.“

Es hat diesen Eindruck aber bestätigt, obwohl die Bayern „alles in die Waagschale werfen mussten“ (Sammer). Doch Guardiola hat scheinbar unerschöpfliche Reserven, zumal Spieler wie Javi Martinez oder Lahm scheinbar mühelos auf mehreren verschiedenen Positionen spielten. Doch dem Katalanen reicht all das noch nicht. „Für den einen ist es bedeutender zu gewinnen. Für den anderen, dass die Mannschaft gut spielt“, meinte er.

Und das war wirklich Meckern auf hohem Niveau.

sid

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