Im Halbfinale am BVB gescheitert

Hertha BSC: Zoff und Spott nach geplatztem Finaltraum

+
Berlins Trainer Pal Dardai (v.r.) bedankt Sich nach dem Spiel bei Sebastian Langkamp und Vedad Ibisevic.

Berlin - Für Hertha BSC bleibt das Heimfinale im DFB-Pokal ein Traum. Bei der Niederlage gegen Dortmund traten die Berliner überraschend ängstlich auf. Ihr Trainer war dagegen im Angriffsmodus.

Pal Dardai fetzte sich gerade vor laufender Kamera mit einem TV-Reporter, als der frustrierte Hertha-Trainer nach dem erneut geplatzten Traum vom Heimfinale auch noch vom Gegner verhöhnt wurde. Dardais Aussage im Vorfeld des Halbfinals im DFB-Pokal gegen Borussia Dortmund, er wolle sich von der möglichen Siegprämie eine teure Uhr kaufen, konterte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke nach dem klaren 0:3 (0:1) der Berliner mit süffisanter Miene.

„Ich schicke ihm jetzt eine BVB-Uhr aus unserem Merchandising-Katalog, dann hat er ein Andenken an den Abend“, sagte Watzke zunächst sarkastisch, um dann doch noch recht deutlich zu wettern: „Ich habe das als total deplatziert und respektlos empfunden.“

Doch nicht nur mit Watzke hatte Dardai seine Probleme, den Frust über die ausgebliebene Pokal-Party mit 76.233 Fans im endlich einmal ausverkauften Olympiastadion ließ der temperamentvolle Ungar in einem TV-Interview aus. „Bessere Fragen stellen, ansonsten brauchen wir nicht zu diskutieren“, giftete Dardai einen Sky-Reporter an, der Herthas Passivität im Spiel nach vorne kritisch hinterfragt hatte. Anders als seine Spieler war Dardai im Angriffsmodus: „Kommen Sie zu uns! Ich nehme gerne Unterricht bei Ihnen, wie man Dortmund schlägt.“

Der BVB war an diesem Mittwochabend einfach eine Nummer zu groß, vielleicht hat sich Hertha vor dem „Spiel des Jahres“ aber auch zu klein gemacht. Statt die Verunsicherung der Dortmunder nach dem Europa-League-Drama gegen den FC Liverpool mit aggressivem Pressing auszunutzen, stand der Bundesligavierte zunächst sehr tief. Nach dem 0:1 durch Gonzalo Castro (20.) konnten die Berliner trotz der großartigen Unterstützung der Anhänger den Schalter nicht mehr umlegen.

Herthas Profimannschaft hat also ihr erstes Pokalfinale im „Wohnzimmer“ Olympiastadion wieder mal verpasst. Dass dies den Amateuren des Klubs 1993 (0:1 gegen Bayer Leverkusen) gelang, macht die schwarze Serie nur noch schmerzvoller. Viel Zeit zum Trauern bleibt nicht, denn im Liga-Endspurt geht es für das Überraschungsteam um die Krönung einer überragenden Saison. Allerdings ist Hertha seit drei Spielen sieglos (nur ein Punkt) - und am Samstag (15.30 Uhr) kommt Branchenprimus Bayern München ins Olympiastadion.

„Wir müssen jetzt darum kämpfen, dass wir nächste Saison wenigstens Europa League, wenn möglich sogar Champions League spielen“, sagte Dardai, „denn meine Mannschaft braucht solche Drucksituationen öfter.“ Am Tag nach der Pokal-Pleite strotzte der 40-Jährige deshalb zumindest auf seinem Twitter-Account vor Tatendrang: „Aufstehen, Konzentration, Kräfte mobilisieren für die kommenden 4 Aufgaben - für uns auch Endspiele!“

Gegen die auf dem Papier übermächtigen Bayern, die bei einem Sieg in Berlin und einer gleichzeitigen Niederlage der Dortmunder beim VfB Stuttgart vorzeitig den Meistertitel perfekt machen können, braucht Hertha wieder die Unterstützung der Anhänger. „Es war Wahnsinn, wie viele Fans gekommen sind. Das war richtig geil für uns“, sagte Mittelfeldspieler Per Skjelbred. Für den Traum vom Heim-Pokalfinale hat es dennoch nicht gereicht.

SID

Zurück zur Übersicht: Fußball

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser