Hayri G. hatte Referee Nils C. bewusstlos geschlagen

Brutalo-Attacken auf Schiris: Erster Verein engagiert Bodyguards

Dieburg - Der abscheuliche Vorfall in der hessischen Kreisliga-C, bei der Schiedsrichter Nils C. (22) von Spieler Hayri G. (28) auf brutale Weise bewusstlos geprügelt worden war, sorgt nach wie vor für Schlagzeilen. Ein Verein aus Berlin hat nun reagiert.

UPDATE, 31. Oktober, 6.10 Uhr

Nachdem der FSV Münster als erste Reaktion Prügelspieler Hayri G. rausgeschmissen und seine erste Mannschaft vom Spielbetrieb abgemeldet hatte, ergreift nun auch der Berliner Klubs Friedenauer TSC entsprechende Maßnahmen. Der Landesligist lässt die Schiedsrichter auf seiner Sportanlage ab sofort von Bodyguards schützen. Kostenpunkt für jeden Sonntag bis zum Ende der Hinrunde: rund 5.000 Euro!


"Wir müssen es aus eigenen Mitteln stemmen. Das fällt schwer, aber die Sicherheit ist es wert", sagte Vorstandsmitglied Ronny Herms der Bild-Zeitung. Kritik kommt von Seiten des Verbandes. "Das kann keine Lösung auf Dauer sein", sagte Erwin Bugar, Präsident des Nordostdeutschen Fußballverbandes (NOFB) dem Sportinformationsdienst (SID). "Als Beruhigung in der jetzigen aufgeheizten Lage mag das ein Mittel sein, aber langfristig sollten die Vereine ohne Sicherheitskräfte auskommen", so Bugar weiter.

Der Deutsche Fußball Bund (DFB) und der Bayerische Fußballverband (BFV) haben indes bisher nur mit einem offenen Brief reagiert, wo sie die Fälle scharf verurteilten und ihren Schiedsrichtern Solidarität und Unterstützung zusicherten.


Der Vorbericht

"Wir wollten nach der schrecklichen Nachricht alles ein bißchen sacken lassen, bevor wir uns zu diesem Thema äußern. Fakt ist, dass wir gar nicht so viel essen können, wie wir kotzen könnten. Was geht in einem Menschen vor, der Gewalt gegen seine Mitmenschen ausübt", fragte der Verein des Schiedsrichters, der GSV Breitenbrunn, in einem auf der eigenen Vereinshomepage veröffentlichten Statement

"Wer es nicht ertragen kann, dass man sich im Sport an Regeln halten muss, der soll zuhause bleiben. Wir tun alles, damit unser Schiedsrichter wieder auf die Beine kommt. Das ist das Allerwichtigste", heißt es dort weiter. Bei der Forderung nach Sanktionen gab sich der Verein jedoch zurückhaltend und erklärte, dass dies "andere entscheiden" sollten.

Derweil ermittelt neben den zuständigen Stellen des hessischen Fußballverbandes nun auch die Polizei. Die Beamten haben einen entsprechenden Pressebericht veröffentlicht. Darin bestätigten die Beamten den Angriff und teilten mit, dass die besagte Gelbrote Karte die Ursache für den Gewaltexzess gewesen sei. "Auslöser der Attacke war nach ersten Ermittlungen eine vom Schiedsrichter gezeigte gelbrote Karte, mit der der Spieler nicht einverstanden war. Der Schiedsrichter war zunächst bewusstlos und wurde, nachdem er wieder bei Bewusstsein war, mit einem Rettungshubschrauber zur Untersuchung und weiteren Behandlung in eine Klinik geflogen", heißt es darin.

Politik und Experten fordern harte Strafen

Auch Politik und Experten haben sich inzwischen zu Wort gemeldet. Hessens Innenminister Peter Beuth (51) forderte laut Bild-Zeitung eine lebenslange Sperre für Schläger Hayri G.: "Es ist erschreckend, wenn unsere Schiedsrichter, die das im Ehrenamt machen, Opfer von Prügelattacken werden. Wer auf dem Fußballplatz die Fäuste fliegen lässt und den Schiri bewusstlos schlägt, sollte nie wieder auf den Platz zurückkehren dürfen." Mehr als klare Worte fand auch Thomas Kirches aus Krefeld, Schiedsrichterbeobachter und Sprecher der Arbeitsgruppe "Gewalt gegen Schiedsrichter": "Dass wir bis jetzt keinen toten Schiedsrichter haben, ist pures Glück! (...) Wenn wir weiter nur zugucken, müssen wir uns darauf vorbereiten, bald zu kondolieren!"

Schiedsrichter Nils C. hatte am Sonntagnachmittag, 27. Oktober, beim Spiel der hessischen Kreisliga C (Kreis Dieburg) zwischen dem FSV Münster und TV Semd beim Stand von 0:2 dem FSV-Spieler Hayri G. die Gelbrote Karte gezeigt, woraufhin dieser durchdrehte und den Referee mit einem brutalen Faustschlag niederstreckte

Das schockierende Video von der Szene ging anschließend im Internet viral. Das Spiel wurde abgebrochen. C. musste mit dem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus gebracht werden, wohingegen Prügelspieler G. nach dem Gewaltexzess ganz locker vom Platz getrabt sein soll...

mw

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © Screenshot Twitter/dpa (Montage)

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