Er war fast verheiratet

Hitzlsperger: "Sie blieb die Einzige für mich"

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Thomas Hitzlsperger heute und seine damalige Freundin Inga auf der WM-Tribüne 2006.

Berlin - Inzwischen sind eine Video-Botschaft und das ganze Interview mit Thomas Hitzlsperger veröffentlicht worden. Darin spricht der Ex-Profi über seine einzige Frau, die er fast geheiratet hätte.

Thomas Hitzlsperger hat den Zeitpunkt seines Coming-outs bewusst kurz vor die Olympischen Winterspiele in Sotschi gelegt. Nach dem Ende seiner Laufbahn als Fußballprofi habe er jetzt Zeit „für dieses Engagement. Überdies habe ich das Gefühl, dass jetzt ein guter Moment dafür ist. Die Olympischen Spiele von Sotschi stehen bevor, und ich denke, es braucht kritische Stimmen gegen die Kampagnen mehrerer Regierungen gegen Homosexuelle“, sagte der ehemalige Fußball-Nationalspieler im Interview der „Zeit“, das Abonnenten seit Mittwochnachmittag komplett vorliegt. Eine Drohung, ihn zu outen, habe es nicht gegeben.

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Der frühere Bundesliga-Spieler des VfB Stuttgart und des VfL Wolfsburg erklärte, warum er so lange über sein Schwulsein geschwiegen habe. „Wer ein Gefühl für die Stimmung in einer Mannschaft hat, der weiß einfach, was angesagt ist. Der Gruppenzwang kann enorm sein. Und genauso ist das in der Verwandtschaft“, sagte er und betonte: „Es gibt aber einen Unterschied zwischen Schweigen und Lügen.“

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Er war fast verheiratet

Der 31-Jährige sprach auch über die Beziehung mit seiner damaligen Freundin: „Sie blieb die einzige Frau mich. Ich wollte nach ihr keine andere.“

Hitzlsperger war lange Zeit mit seiner Jugendliebe Inga T. zusammen. Nach acht Jahren Beziehung entschlossen sie 2007, sogar zu heiraten. Die Hochzeit wurde aber nur vier Wochen vor dem Termin abgesagt. „Wir glauben, dass es die beste Lösung für uns beide ist. Jetzt geht jeder erst einmal seinen eigenen Weg“, hieß es damals.

Hitzlsperger hat sich zudem über eine in der Nacht zum Donnerstag um 24 Uhr freigeschaltete Internetseite (thomas-hitzlsperger.de) geäußert. "Profisport und Homosexualität schließen sich nicht aus, davon bin ich überzeugt", heißt es in der Erklärung. Dem Londoner "Guardian" sagte Hitzlsperger, eine Debatte über die Lage in Russland sei erforderlich.

Hier können Sie die Video-Botschaft im Wortlaut nachlesen

Hitzlsperger äußerte die Hoffnung, er werde mit seinem Schritt an die Öffentlichkeit "jungen Spielern und Profisportlern Mut machen". Jeder Mensch solle so leben dürfen, dass er "wegen seiner Herkunft, Hautfarbe, sexuellen Neigung oder Religion keine Angst haben muss diskriminiert zu werden", erklärte der 31-Jährige. "Das verstehe ich nicht als politisches Statement, sondern als Selbstverständlichkeit." Er wünsche sich, dass "die öffentliche Diskussion jetzt wieder ein Stück weiterkommt". Die "Fußballszene" begreife sich "in Teilen immer noch als Machowelt", beklagte Hitzlsperger. Das Bild eines schwulen Spielers werde "von Klischees und Vorurteilen geprägt", die Realität sehe indes "anders aus".

Gegen die Diskriminierung von Minderheiten, ob sexueller oder anderer, müsse etwas unternommen werden, sagte Hitzlsperger dem "Guardian", der ihn auf die bevorstehenden Olympischen Winterspiele im russischen Sotschi ansprach. Er sei "neugierig" zu sehen, was bei den Olympischen Spielen in Russland geschehen werde, sagte Hitzlsperger. Jedenfalls habe er nichts dagegen, dass sein Coming out auch im Zusammenhang mit den Olympischen Spielen diskutiert werde.

Bundestrainer Joachim Löw, unter dessen Verantwortung Hitzlsperger 36 seiner 52 Länderspiele bestritt, das letzte im August 2010 gegen Dänemark (2:2) sogar als Kapitän, fordert Respekt für die Entscheidung: „Thomas hat für sich persönlich entschieden, diesen Schritt zu gehen, und er sollte in einer toleranten Gesellschaft von allen respektiert werden.“ Für ihn als Trainer seien alleine die sportlichen Leistungen und das soziale Verhalten eines Spielers entscheidend, ergänzte er. Er wünsche sich, sagte Löw, „dass sein Bekenntnis bei uns allen zu einem entspannteren Umgang mit dieser Thematik beiträgt.“

Die Verantwortlichen der Nationalmannschaft hätten „keine Kenntnisse von seiner Homosexualität gehabt, als Thomas noch aktiver Nationalspieler war“, unterstrich indes Teammanager Oliver Bierhoff. Hitzlsperger habe sich „erst nach seinem Karriereende an uns gewandt. Dass er sich nun auch öffentlich bekennt, verdient Anerkennung und Respekt. Ich begrüße diesen Schritt, wir werden ihm alle Unterstützung zukommen lassen, damit er seinen mutigen Weg weitergehen kann.“

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Auch Lukas Podolski lobte per Twitter seinen Ex-Kollegen für dessen Courage. „Mutig - und richtig. Respekt, Thomas Hitzlsperger! Ein wichtiges Zeichen in der heutigen Zeit.“ Liga-Präisdent Reinhard Rauball sprach von einem „großen Schritt“, der im Kampf gegen Homophobie „sicherlich wegweisend“ sei. Bei einem noch aktiven Profi wären die Reaktionen jedoch „weiterhin nur schwer kalkulierbar“.

Hitzlsperger hatte sich Anfang September bereits mit sehr kritischen Worten aus dem Fußball-Geschäft verabschiedet. „Wirtschaftlich überdreht ist die Branche schon seit langem, und diese Entwicklung ist noch nicht abgeschlossen“, hatte er in der Süddeutschen Zeitung erklärt. Er stelle sich die Frage, „ob irgendwann mal die Ernüchterung eintritt und ans Tageslicht kommt, was sich hinter diesem Boom alles abgespielt hat“.

Hitzlsperger, der in 52 Länderspielen sechs Tore erzielte, hatte zuletzt im August 2010 gegen Dänemark (2:2) im DFB-Team gespielt und dabei sogar die Kapitänsbinde getragen. 2006 war er mit dem Nationalteam WM-Dritter, 2008 Vize-Europameister geworden. Bis zum Juli stand „The Hammer“, wie er wegen seines harten Schusses auf der Insel genannt wurde, beim englischen Premier-League-Klub FC Everton unter Vertrag.

dpa/sid/afp/tz

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