Fünf Rücktritte

Slomka als HSV-Coach fix - Räte werfen hin

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Der neue Trainer des Hamburger SV, Mirko Slomka (M), steht zwischen HSV-Sportchef Oliver Kreuzer (l) und dem Vorstandsvorsitzenden Carl Jarchow.

Hamburg - Mirko Slomka ist endgültig neuer Chefcoach des krisengeschüttelten Hamburger SV. Derweil bricht der Aufsichtsrat bei dem Verein auseinander.

Der Hoffnungsträger erschien angemessen gekleidet. Mirko Slomka hatte sich für den Start in seine Retter-Mission gleich die neuen Arbeitsklamotten angezogen. Der neue Trainer des taumelnden Hamburger SV hat keine Zeit zu verlieren und sendete eine klare Botschaft: In Hamburg werden in größter Not nun die Ärmel hochgekrempelt.

„Wir werden alles daransetzten, ziehen und zerren, um den Verein aus dieser Lage zu befreien“, sagte Slomka, der am Montag vor rund 17 Kamerateams und 50 Reportern als neuer Trainer des HSV vorgestellt wurde. Als erste Maßnahme wird er verschärft trainieren lassen: „Wir wollen dranbleiben und drinbleiben, dem Team wieder das Erfolgs-Gen einhauchen. Uns erwartet ein intensiver Job in den nächsten Wochen und Monaten.“

Als Nachfolger des erfolglosen Bert van Marwijk wurde Slomka an der Elbe mit einem Vertrag bis 2016 ausgestattet. Sollte die Katastrophe eintreten, wäre der Familienvater aber auch „bereit, den HSV zurück in die Bundesliga zu führen“.

Doch mit diesem Horror-Szenario wollen sich die Verantwortlichen beim HSV auch nach der historischen Grusel-Serie von sieben Bundesliga-Pleiten nacheinander nicht beschäftigen. Klub-Chef Carl Jarchow und Sportdirektor Oliver Kreuzer klammern sich an ihren letzten „Strohhalm“. Das ist die polnische Übersetzung für Slomka...

"Er hat einen hervorragenden Eindruck gemacht"

„Er hat einen hervorragenden Eindruck gemacht und wir glauben, dass wir mit ihm die Chance haben, aus dieser misslichen Lage herauszukommen“, sagte Jarchow, der betonte, erst nach der Entlassung van Marwijks Verhandlungen mit Slomka aufgenommen zu haben. Und Kreuzer meinte: „Er war schon in dieser Situation und hat bereits Hannover mit einem Kraftakt vor dem Abstieg gerettet.“

Slomka hatte zuletzt Hannover 96 trainiert und den Klub 2010 in äußerst schwieriger Lage nach der Tragödie um den Selbstmord von Robert Enke vor dem Gang in die Zweitklassigkeit bewahrt. Anschließend führte er die Niedersachsen zweimal in Serie in die Europa League.

Nach einer enttäuschenden Hinrunde war er kurz nach Weihnachten bei 96 entlassen worden. Der studierte Mathe- und Sportlehrer ist nach Thorsten Fink und van Marwijk bereits der dritte Trainer der laufenden Saison - das gab es beim HSV noch nie.

Slomka erwartet in Hamburg ein schier unlösbare Aufgabe. Die Mannschaft um den verletzten Kapitän Rafael van der Vaart präsentierte sich zuletzt nicht bundesligatauglich, völlig verunsichert und harmlos. Zudem stellt der Tabellenvorletzte mit 51 Gegentoren die Schießbude der Liga. „Wir müssen den Fight annehmen“, sagte Slomka, der seinem neuen Team aber im Gegensatz zu seinem Vorgänger nicht die nötige Klasse für das Wunder absprach.

"Die Spieler haben ihre Stärken"

„Die Spieler haben ihre Stärken, die müssen wir herauskitzeln“, sagte Slomka, der an einigen „Stellschrauben“ drehen wolle. Van Marwijk, dem die Entlassung in Hamburg mit einer Abfindung von rund drei Millionen Euro versüßt werden soll, glaubt dagegen nicht mehr an eine Rettung des am Boden liegenden Bundesliga-Dinos. „Letztlich fehlt es auch an Qualität“, sagte der Niederländer der Hamburger Morgenpost.

Slomka hat jedenfalls keine Zeit zu verschwenden. Nach dem Heimspiel gegen Borussia Dortmund am kommenden Samstag folgen die wohl entscheidenden Spiele im Existenzkampf gegen direkte Konkurrenten in Bremen (1. März), gegen Frankfurt (8.3.) und Nürnberg (16.3.), in Stuttgart (22.3.) und gegen Freiburg (26.3.). „Als Trainer sucht man nach Herausforderungen“, sagte er nur. Die in Hamburg scheint riesig zu sein.

Slomka geht in Hamburg volles Risiko. Sein Name würde im schlimmsten Fall für immer mit dem ersten Abstieg des HSV in Verbindung gebracht werden. Im Falle des Klassenerhalts würde dem Retter aber im Gegenzug wohl ein Denkmal gebaut und die Ehrenbürgerwürde angetragen. Dann stünde sein Name in einer Reihe mit Otto von Bismarck, Helmut Schmidt oder Uwe Seeler. Für diesen Festakt würde sich Slomka sicher einen feinen Anzug anziehen.

Aufsichtsrat bricht auseinander

Der Aufsichtsrat des Hamburger SV steht an der Schwelle zur Handlungsunfähigkeit. Nach dem Rücktritt von fünf Mitgliedern am Sonntag und Montag hat das eigentlich elfköpfige Gremium nur noch sechs Mitglieder. Vier Kontrolleure müssen es mindestens sein, damit das Gremium beschlussfähig ist. Das dürfen aber nur gewählte Mitglieder sein.

Ronny Wulf und Eckart Westphalen sind von ihren Abteilungen (Senioren, Amateure) in den Rat delegiert worden und fallen aus der Wertung. Sollte ein weiteres gewähltes Mitglied ausscheiden, ist der HSV-Aufsichtsrat mit drei Personen nicht mehr beschlussfähig.

In diesem Fall würde Ali Eghbal, der am Montag zurücktrat, seine Zugehörigkeit zum Kontrollgremium um einige Tage verlängern. Laut Satzung darf der Aufsichtsrat auch mit drei Mitgliedern arbeiten, wenn diese Zeit auf maximal drei Monate bis zur nächsten Mitgliederversammlung beschränkt bleibt. Die nächste Zusammenkunft der Mitglieder ist auf den 25. Mai datiert. Folglich müssen bis zum 25. Februar vier gewählte Mitglieder im Rat sein.

Kind: Slomka rettet den HSV vor dem Absturz

Klub-Präsident Martin Kind (69) von Hannover 96 glaubt nach der Verpflichtung von Mirko Slomka an einen Klassenerhalt des Hamburger SV. „Slomkas Stärken liegen darin, dass er ein Team überzeugen und weiterentwickeln kann. Es sind noch 13 Spieltage, er wird es schaffen“, sagte Kind dem Hamburger Abendblatt: „Slomka bringt alle Voraussetzungen mit, um mit dem HSV die Klasse zu halten. Er ist zwar kein typischer Feuerwehrmann, sondern eher ein Konzepttrainer, der das Team aber mitreißen kann.“

Slomka hatte zuletzt Hannover 96 trainiert und den Klub 2010 in äußerst schwieriger Lage nach der Tragödie um den Selbstmord von Robert Enke vor dem Abstieg gerettet. Anschließend führte er die Niedersachsen zweimal in Serie in die Europa League. Nach einer enttäuschenden Hinrunde war der Familienvater kurz nach Weihnachten von Kind bei 96 entlassen worden.

Am Montag trat Slomka in Hamburg die Nachfolge des erfolglosen Bert van Marwijk an. Der Niederländer war am späten Samstagabend nach dem 2:4-Debakel bei Eintracht Braunschweig beurlaubt worden. Der HSV hat die letzten sieben Bundesliga-Spiele allesamt verloren und taumelt der 2. Liga entgegen.

dpa/sid

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