"Tue es mir nicht mehr an.“

Kießling: Nie mehr Nationalelf - unter Löw

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Stefan Kießling ist bei Bayer Leverkusen ein Torgarant

Berlin - Stefan Kießling sieht weiterhin unter Bundestrainer Joachim Löw in der Nationalmannschaft keine Zukunft mehr. Von der Frage nach seiner DFB-Rückkehr ist der 29-Jährige nur noch genervt.

Nach dem nächsten Rekord und dem nächsten Jubiläum lief Stefan Kießling freudestrahlend mit seinen Kindern Tayler-Joel (5) und Hailey-Milu (1) durch die Katakomben. Die Miene des 29-Jährigen gefror jedoch schlagartig, als die „verbotene Frage“ kam. Ob es ihn interessiere, dass Bundestrainer Joachim Löw seine erneute Gala beim 4:2 (2:0) von Bayer Leverkusen gegen Borussia Mönchengladbach im Stadion verfolgte? „Nein“, sagte Kießling energisch und mit einem Schlag sichtlich genervt.

Einen Tag später schlug der Torschützenkönig der vergangenen Saison die WM-Tür endgültig zu - ganz von selbst. „Den Nationalspieler Kießling wird es unter Löw nicht mehr geben“, sagte der 29-Jährige der Bild-Zeitung: „Nach jedem Tor von mir kommen die Fragen nach der Rückkehr ins DFB-Team. Sie nerven nur noch. Ich tue es mir nicht mehr an.“

Am späten Sonntagabend erklärte sich Kießling auf seinem Facebook-Profil: „Seit drei Jahren gab es nie irgendeinen Kontakt oder ein Gespräch, warum es nicht für die Nationalmannschaft reicht“, schrieb er: „Es zerrt ziemlich an mir, wenn ich immer wieder über das Thema Nationalmannschaft gefragt werde. Ich möchte eigentlich nur jetzt endlich mal den Druck ablassen, dass das Thema nicht immer und immer wieder aufkommt.“ Er sei kein „Typ, der stänkert“, wolle das Thema nun aber ein für alle Mal ruhen lassen.

Kießling hatte das Thema bereits mehrmals offiziell für abgehakt erklärt. Löw hatte durch die Blume zu erkennen gegeben, dass Kießling nahezu keine Chance besitze. Nach einem solch starken Spiel des Stürmers - er erzielte per Handelfmeter (23.) sein 100. Bundesliga-Tor für Bayer, bereitete zwei weitere Tore vor, traf den Pfosten und war an zahlreichen weiteren Aktionen beteiligt - vor den Augen des Bundestrainers poppte es aber automatisch wieder hoch.

Bayer-Sportchef und Löw-Vorvorgänger Rudi Völler erklärte, er habe Kießling und den zweifachen Torschützen Sidney Sam (28./61.) „sehr stark“ gesehen. Dann nahm er schnell Reißaus, bevor die Nachfragen kommen konnten. Leverkusens Coach Sami Hyypiä gab dagegen wieder den Stoiker und erklärte nur: „Herr Löw trifft seine Entscheidung. Wenn ich jetzt meinen Kollegen kritisiere, wäre das unfair. Was für mich wichtig ist, dass Kießling für uns gut spielt und trifft.“

Das tut Kießling auch in dieser Saison, ebenso wie Sam, der nach seinem Nationalmannschaftsdebüt bei der US-Reise sichtlich aufblüht. Im Gegensatz zu „Kieß“ darf er sich Hoffnungen machen, am Donnerstag von Löw für die WM-Qualifikationsspiele gegen Österreich und die Färöer nominiert zu werden. „Das müssen sie den Bundestrainer fragen“, sagte der 25-Jährige: „Aber ich bin topfit und schaffe es endlich mal, das auch in den Spielen rüberzubringen.“

Das sieht offenbar auch Löw so. „Der ein oder andere, der heute auf dem Platz war, wird sich beim nächsten Doppelspieltag in unserem Aufgebot befinden“, sagte der Bundestrainer im ZDF. Und meinte neben den Mönchengladbacher Max Kruse offenbar auch „den spielentscheidenden Mann“ Sam.

Fünf Treffer und vier Vorlagen hat Sam, der auch das 4:2 von Gonzalo Castro per Hackenablage (72.) vorbereitete, nach vier Pflichtspielen auf dem Konto. Und ist damit wie Kießling einer der Garanten für Bayers Saisonstart mit drei Siegen und dem Vereinsrekord von saisonübergreifend acht Liga-Siegen in Folge. „Dass wir auf Mannschaften wie Wolfsburg oder Schalke schon ein kleines Polster haben, ist sehr gut“, sagte Mittelfeldspieler Stefan Reinartz: „Wir haben nur gehofft, dass die Bayern und Dortmund nicht von Anfang an mitmarschieren.“

Mithalten mit den großen Drei der Liga kann die Borussia noch nicht, das zeigte sich eine Woche nach dem starken 3:0 gegen Hannover 96 ähnlich deutlich wie beim 1:3 bei den Bayern. „Wir haben auswärts keinen Sonderpunkt geholt und ein überragendes Heimspiel geliefert. Insgesamt war der Saisonstart normal“, sagte Sportdirektor Max Eberl.

In Leverkusen kam die Borussia nach einem 0:2 durch Tore von Martin Stranzl (54.) und Juan Arango (57.) zurück. Der folgende Einbruch sorgte aber ebenso für Frust wie der umstrittene Handelfmeter, als Arango der Ball von hinten an den Arm flog. „Die Bundesliga ist fantastisch, alles ist perfekt, aber diese Regel ist katastrophal“, schimpfte Trainer Lucien Favre: „Ich kann nichts ändern, der Schiedsrichter kann nichts ändern. Ich weiß auch nicht, wo diese Regel herkommt. Ich weiß nicht, wie die Schiedsrichter schlafen, wenn sie daran denken.“

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dpa

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