Van der Vaart schwärmt vom HSV-Coach

Van Marwijk holt aussortierte Spieler zurück

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Hamburgs Sportdirektor Oliver Kreuzer (l-r), der neue Trainer Bert van Marwijk und der HSV-Vorstandsvorsitzende Carl-Edgar Jarchow

Hamburg - Rafael van der Vaart ist sicher, dass Bert van Marwijk den Hamburger SV in die Erfolgsspur führen wird. Der neue Coach wird die aussortierten Spieler zurückholen.

Bei einem Gläschen Weißwein und einem intensiven Gespräch mit Sportvorstand Oliver Kreuzer bis nach Mitternacht an der Bar des Teamhotels startete Bert van Marwijk beim am Boden liegenden Hamburger SV in seinen ersten Arbeitstag. Nur wenige Stunden später wirkte der 61 Jahre alte Niederländer frisch und gelassen, als er im Blitzlichtgewitter der Fotografen und vor mehr als einem Dutzend Kameras als neunter HSV-Trainer in zehn Jahren vorgestellt wurde. „Natürlich hätte ich auch lieber, dass der HSV um die Meisterschaft spielt, aber das hier ist auch eine Herausforderung“, sagte der Nachfolger von Thorsten Fink am Mittwoch bei seiner Präsentation.

„Wenn alles normal liefe, müsste der HSV um Platz eins bis sechs spielen. Nun müssen wir so schnell wie möglich wegkommen da unten.“ Er sei kein Trainer, der Druck von den Profis wegnehmen wolle, aber der Druck dürfe nicht unmenschlich werden: „Ich kenne die Situation, sie wird nicht einfach“. Der ehemalige Bondscoach erhält beim Tabellen-16. einen Zweijahresvertrag mit Option auf eine weitere Saison. Er soll rund 1,4 Millionen Euro pro Jahr verdienen.

Ein erstes Zeichen setzte er schon vor Trainingsbeginn am Nachmittag: Die vor Saisonbeginn aussortierten Spieler Slobodan Rajkovic, Robert Tesche, Michael Mancienne und Gojko Kacar könnten wieder eine Chance bei den Profis bekommen. „Bert van Marwijk wird mit allen vier Spielern ein persönliches Gespräch führen und dann entscheiden, wie es weitergeht. Das war sein persönlicher Wunsch“, sagte Kreuzer. Auch Fink wollte zumindest den Abwehrspielern Rajkovic und Mancienne eine Rückkehr offenhalten, doch da hatte Kreuzer noch sein Veto eingelegt. Das Quartett sollte sich nur fithalten, um im Winter verkauft zu werden.

Nicht durchsetzen konnte sich der neue Fußballlehrer am Volkspark in der Personalie Andreas Möller, doch abgehakt hat er eine Zusammenarbeit mit dem Welt- und Europameister noch nicht: „Ich hätte Andy gern dabei gehabt, aber der Verein hat gesagt, das geht im Moment nicht.“ Er selbst müsse sich nach seinem Jahr Auszeit an den neuen Rhythmus in der Bundesliga gewöhnen. Die Distanz zum aufgeregten Fußball-Geschäft könne er als Familienmensch gut wahren.

Mit Absicht habe er die Mannschaft vorher nicht kontaktiert, auch nicht Rafael van der Vaart: „Ich kenne ihn sehr gut, wir haben vier Jahre gut zusammen gearbeitet. Er ist ein Liebhaber am Ball, ich mag solche Spieler“. Der Gelobte selbst begrüßte seinen ehemaligen Nationalcoach trotz der Differenzen bei der EM 2012 mit warmen Worten. „Mit seiner konzentrierten, ruhigen, souveränen Art wird er alle überzeugen. Er ist stets kontrolliert, strahlt das auch immer aus. Van Marwijk ist eine super Trainerwahl“, sagte der Kapitän der „Bild“. Alle Konflikte seien schon lange ausgeräumt: „Der Coach ist null nachtragend.“ Er hoffe, van Marwijk werde genauso viel Erfolg haben „wie unsere Landsleute Stevens und Jol zuvor beim HSV“.

Auch Kreuzer geht davon aus, dass die Trainerwahl einen positiven Einfluss auf die schwankende Form des Regisseurs haben wird: „Ich denke, wir werden ihn schon hinkriegen.“ Schon beim 1:0 im Pokalspiel gegen Greuther Fürth zeigte van der Vaart neben dem starken Talent Hakan Calhanoglu eine ordentliche Vorstellung. Vor seiner ersten Aufgabe am Samstag bei Eintracht Frankfurt bedankte sich van Marwijk bei Interimscoach Rodolfo Cardoso, der besonders auf die Jungen im Kader gesetzt hatte. Er selbst will sich nicht in die Karten gucken, setzte für Freitag ein Geheimtraining an.

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„Ich habe gar keine Erwartungen“, sagte Nationaltorhüter René Adler trocken, „ich hoffe, dass etwas Ruhe reinkommt und wir die Punkte wieder reinholen. Er ist ein erfahrener Mann.“ Die eingebrockte Suppe müssten die Spieler aber selbst auslöffeln.

Von van der Vaart gab es Lob: „Mit seiner konzentrierten, ruhigen, souveränen Art wird er alle überzeugen. Er ist stets kontrolliert, strahlt das auch immer aus. Van Marwijk ist eine super Trainerwahl“, sagte der HSV-Kapitän der „Bild“ (Mittwoch) über den niederländischen Coach, der am Mittwoch die Nachfolge des in der Vorwoche beurlaubten Thorsten Fink antrat. Van der Vaart hofft, dass van Marwijk „genauso viel Erfolg haben wird wie unsere Landsleute Stevens und Jol zuvor beim HSV“.

Dass er während der Europameisterschaft 2012 mit dem damaligen Nationaltrainer im Clinch gelegen hat, bestreitet der Oranje-Auswahlspieler nicht. „Ich hatte mich über Entscheidungen des Trainers geärgert. Vielleicht fehlte es mir in den Situationen an diplomatischem Geschick“, räumte der Mittelfeldakteur ein. Ihm hatte der Bondscoach damals Wesley Sneijder auf der Spielmacherposition vorgezogen. Neue Probleme erwartet der 30 Jahre alte HSV-Kapitän aber nicht mit van Marwijk, den der HSV bis 2015 verpflichtet hat: „Alle Konflikte wurden sofort ausgeräumt. Der Coach ist null nachtragend.“

dpa

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