Doping: Athletensprecher kritisert Methodik

"Leute äußern ohne Fakten einen Generalverdacht"

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Der frühere Eisschnellläufer und heutige Athletensprecher: Christian Breuer.

Berlin - Athletensprecher Christian Breuer hat mit gemischten Gefühlen auf die Ergebnisse der Studie „Doping in Deutschland von 1950 bis heute“ reagiert.

Zum einen sei es richtig gewesen, eine solche Studie in Auftrag zu geben, um die deutsche Doping-Vergangenheit aufzuarbeiten. Zum anderen aber habe die Methodik einiger Wissenschaftler nicht immer zu mehr Klarheit beigetragen, sagte Breuer dem Sport-Informations-Dienst (SID). „Gespräche mit Zeitzeugen sorgen sicherlich dafür, dass die Ergebnisse sehr authentisch wirken. Doch es kommen eben auch zum Teil Leute aus der Deckung, die ohne Fakten einen Generalverdacht äußern. So etwas mag ich nicht, und das ist bei diesem wichtigen Thema nicht angemessen“, sagte der frühere Eisschnellläufer. Befragte Zeitzeugen, die hingegen ausgewogen argumentierten, seien ein Gewinn für die Studie, meinte der Vorsitzender der Athletenkommission des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB).

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Mit Blick auf die heftigen Reaktionen, die die Veröffentlichung des Abschlussberichts ausgelöst hatte, sah Breuer ebenfalls negative Tendenzen. „Vor allem die Aufspaltung in Ost und West bei der Beurteilung lehne ich ab. Wir müssen aufpassen, dass die Sportler aus den einzelnen Lagern von damals nicht gegeneinander ausgespielt werden“, bemerkte der Aktivensprecher. In Kreisen der aktuellen Spitzenathleten werde die Studie derzeit diskutiert, auch wenn sich in der Debatte nur wenige von ihnen zu Wort meldeten. „Die Sportler, die sich aktuell auf Wettkämpfe vorbereiten, schützen sich logischerweise vor Fragen. Sie wissen auch, wenn sie sich zu der Studie äußern, stürzen sich die Medien auf sie. Das können sich viele nicht leisten. Etwa die Leichtathleten benötigen alle Konzentration für die bevorstehenden Weltmeisterschaften in Moskau“, meinte Breuer, der anfügte: „Vielleicht wird es in einem gewissen zeitlichen Abstand mehr Reaktionen von aktuellen Sportlern geben. Man darf eben nicht vergessen, dass sich in der Studie viel um die 70er und 80er dreht und es längst ein Umdenken sowie ein klares Bekennen der Athleten gegen Doping gibt.“

SID

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