Tolles Comeback

Petkovic weint Freudentränen

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Andrea Petkovic.

Charleston - Andrea Petkovic sorgt beim Turnier in Charleston für Furore. Die Darmstädterin erreichte überraschend das Finale und ist endgültig zurück auf dem Weg zu alter Stärke.

Als die Emotionen kamen, wollte Andrea Petkovic für einen Moment einfach nur alleine sein. Aus dem Moment wurde eine gefühlte Ewigkeit. Während die 4000 Zuschauer den überraschenden Finaleinzug der Darmstädterin beim WTA-Premierturnier in Charleston/USA ausgelassen bejubelten, weinte „Petko“ unter ihrem weißen Handtuch Freudentränen. Versunken in ihrer eigenen Welt.

Minutenlang saß sie da und versuchte zu begreifen, was gerade geschehen war. Danach gab eine „hochemotionale“ Petkovic („Ich weine, obwohl ich happy bin“) tiefe Einblicke in ihr Seelenleben. „Ich habe niemals gedacht, dass ich je wieder das Finale eines großen Turnieres erreichen würde“, sagte die Weltranglisten-40. nach dem 1:6, 6:3, 7:5 im Halbfinale gegen Melbourne-Halbfinalistin Eugenie Bouchard (Kanada/Nr. 6). Am Sonntagabend (MESZ) traf Petkovic im Endspiel des mit 710.000 Dollar dotierten Sandplatzturniers auf die Slowakin Jana Cepelova, die Belinda Bencic (Schweiz) in drei Sätzen bezwungen hatte.

Selbst von einem 2:4-Rückstand im entscheidenden Durchgang ließ sich die verletzungsgeplagte Petkovic, die im Achtelfinale Wimbledon-Finalistin Sabine Lisicki (6:1, 6:0) eine Lehrstunde erteilt hatte, nicht verunsichern. Letztlich machte die Hessin einen Punkt mehr als Supertalent Bouchard (102:101).

Bundestrainerin Barbara Rittner war tief beeindruckt von der „entschlossenen“ Vorstellung der 26-Jährigen, deren Saison bislang durchwachsen verlief. „Das war eine sehr starke spielerische und mentale Leistung. Das ist hart erarbeitet und freut mich ungemein“, sagte Rittner dem SID und meinte mit Blick auf das Fed-Cup-Halbfinale gegen Gastgeber Australien in Brisbane (19./20. April): „Andreas Erfolg gibt uns auch als Team Selbstvertrauen.“

Auch Dirk Nowitzki war von Petkovics Sieg des Willens elektrisiert: „Stark gekämpft! Hol“ Dir das Ding!„, twitterte der Basketball-Superstar der Dallas Mavericks. Für die amerikanische Tennis-Ikone Chris Evert war der Durchmarsch von Charleston das ultimative Comeback der leidgeprüften Deutschen. `Ich bin glücklich zu sehen, dass Andrea zurück ist. Sie ist gesund und gewinnt wieder“, schrieb Evert beim Kurznachrichtendienst.

Zuletzt hatte die einstige Top-Ten-Spielerin Petkovic im Oktober 2011 in Peking im Enspiel eines vergleichbar hochwertigen Turniers gestanden. Damals spielte der „Dickkopf“ (Petkovic) trotz eines lädierten Knies - und verlor humpelnd. Der Blessur folgten binnen eines Jahres drei weitere schwere Verletzungen. Nach dem Seuchenjahr 2012 und dem Absturz von Platz neun bis auf Rang 177 der Weltrangliste zweifelten etliche Kritiker an einem erfolgreichen Comeback der eloquenten Einser-Abiturientin.

Und nicht nur die. „Ich wusste wirklich nicht, ob ich es noch einmal packe. Da waren viele Zweifel“, verriet Petkovic jüngst im SID-Interview. Nach dem K.o. in der Qualifikation für die French Open im Mai 2013 wollte sie sogar den Schläger an den Nagel hängen. Ihr damaliger Trainer Petar Popovic hielt sie vom Rücktritt ab.

Der ehemalige Profi ist inzwischen nicht mehr ihr Coach. Seit Jahresbeginn versucht als neuer Impulsgeber der Niederländer Eric van Harpen, die Darmstädterin zurück in die Weltspitze zu führen. Petkovic agiert seitdem agressiver von der Grundlinie und sucht öfter den Weg ans Netz.

Und auch ein anderer Aspekt verleiht Petkovic beim Family Circle Cup in Charleston offenbar Flügel. Ihr Vater Zoran hat in den Achtziger Jahren an der University of South Carolina in Charleston College-Tennis gespielt - für die „Gamecocks“. „Ich bin sehr stolz auf ihn“, sagte Petkovic.

sid

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