Philipp Reiter verpasst knapp das Podium

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Der Bad Reichenhaller Philipp Reiter beim Zieleinlauf in Chamonix als Weltmeisterschafts-Fünfter.

Chamonix/Bad Reichenhall - Eine nicht optimal verheilte Fersenverletzung kostete den Reichenhaller einen Podiumsplatz bei der Skyrunning-WM. Er war aber bester Deutscher.

Kaum war der Glockenschlag der Kirchturmuhr im französischen Chamonix verklungen, wurden knapp 1.000 Läufer pünktlich um 4 Uhr in der Früh auf die 86 km lange Laufstrecke im Schatten des Mount Blanc geschickt. Unter ihnen der heimische Ausdauersportler Philipp Reiter, der als bester Deutscher ins Ziel lief, jedoch als Fünfter im Endklassement nur äußerst knapp den Sprung auf das Podium bei der Siegerehrung verpasste.

Zusammen mit dem „Vertical Kilometer“, einem Berglauf über 1000 Höhenmeter auf möglichst geringer Distanz, und dem „Sky-Marathon“, einem Laufwettkampf über 42 km und 2500 Höhenmetern verteilt auf mehrere Anstiege, bildet die „Ultra“ Strecke mit knapp über 6000 Höhenmetern im Auf- und Abstieg den Kern der Skyrunning-Weltmeisterschaften. Genau aus diesem Grund zog es Athleten aus aller Welt in das französische Bergsteiger-Mekka um sich mit ihresgleichen zu messen und den Meister in der jeweiligen Kategorie zu küren.

Der 22-jährige Reichenhaller Philipp Reiter nahm die lange Strecke in Angriff. Neben den langen Anstiegen in alpinem Gelände auf schmalen Steigen und die außergewöhnliche starke Konkurrenz forderten große Altschneefelder und extrem technische Abstiege über loses Geröll und Klettersteigpassagen die Sportler bis an ihre körperlichen Grenzen. Jedoch entschädigte der atemberaubende Sonnenaufgang über dem wolkenlosen Mount Blanc Massiv die Läufer und die Versuchung war groß, angesichts dieser phänomenalen Naturkulisse eine Fotopause einzulegen.

Gleich nach dem Start konnte sich der Spanier Luis Alberto Hernando (10:26 Std., Team Adidas) von seinen Verfolgern absetzen und bis zur Streckenhälfte in Vallorcine bei Kilometer 46 seinen Vorsprung bis aus 17 Minuten ausbauen. Wie viele andere Athleten unterschätzte er jedoch die Streckenlänge und trotz vieler begeisterter Zuschauer auf dem Rundkurs und in den wenigen Verpflegungspunkten verlor er auf der zweiten Hälfte so viel Zeit auf den endlos scheinenden Anstiegen hinauf Richtung Mer de Glace, dass er nahezu sein gesamtes Guthaben einbüßte und nur noch knapp vor dem Franzosen Francois d’Haene (10:30 Std.,Team Salomon) und Ben Duffus (10:52, Australia) als Erster die Ziellinie überqueren konnte.

Die fast zu warmen Temperaturen und mit zwei Kilometer äußerst wenigen Flachpassagen machten den Teilnehmern zusätzlich zu schaffen und ließen manch einen Traum von einer schnellen Zeit und einer guten Platzierung platzen. Nur etwa 55 Prozent aller Starter erreichten nach einem sehr langen Tag wieder den Ausgangspunkt. Unter großem Jubel wurde der letzte Kilometer durch die Fußgängerzone von Chamonix für jeden eine persönliche Fanmeile. Schmerzen und Strapazen verwandelten sich schnell in ein Lächeln und voller Stolz über die eigene Leistung nahmen die Finisher ihre Medaille entgegen.

Philipp Reiter befand sich bis etwa Kilometer 50 auf Podiumskurs, wobei ihm die anspruchsvollen, alpinen Passagen in die Hände spielten. Jedoch zollten eine scheinbar schlecht verheilte Fersenverletzung und die vielen knackigen Anstiege ihren Tribut und er wurde in einem kurzen Leistungstief sofort von einigen Wettkämpfern überholt. Leicht abgeschlagen ließ er sich aber nicht demotivieren und konnte in den finalen 10 Kilometern hinauf zur Plan de l' Aiguille wieder Plätze gutmachen. Schlussendlich landete der Läufer vom Team Salomon nach einem fulminanten Downhill in einer Zeit von 11:09 Stunden auf einem grandiosen 5. Platz und avancierte zum besten deutschen Teilnehmer.

Bei den Damen dominierte die Schwedin Emelie Forsberg (Team Salomon) ihre Konkurrenz und holte sich mit knapp 15 Minuten Vorsprung einen grandiosen Start-Ziel-Sieg vor ihrer Teamkollegin Anna Frost aus Neuseeland (12:47 Std., Salomon) und Magdalena Laczak aus Polen (12:59, Suunto-Salomon).

Die atemberaubende Kulisse mit unzähligen bergsteigerischen Möglichkeiten lud viele Teilnehmer ein ihren Aufenthalt dort noch zu verlängern und trotz müder Beine noch die ein oder andere kleinere Tour zu unternehmen. Philipp Reiter begeistert nach seiner Rückkehr ins Berchtesgadener Land: „Der Ort mit so viel Alpingeschichte ist nach wie vor ein großer Anziehungsmagnet und fasziniert jährlich Tausende Bergfans.“ Seinen 5. WM-Rang beurteilte er trotz der beschrieben Schmerzphase im Schlussdrittel, die ihm vermutlich den Podestrang kostete, als vollauf zufriedenstellend.

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Quelle: rosenheim24.de

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