Exklusiv über sein Privatleben und die Skisaison

"Streif-Sieg mehr wert als Olympia-Medaille": Josef Ferstl im Interview 

+
  • schließen

Etwas Zeit zum Durchschnaufen bei der Familie in Tengling - und am Mittwoch saß Ski-Star Josef Ferstl junior schon wieder im Auto in Richtung Garmisch zum nächsten Rennen. Auf der Fahrt dorthin hatten wir die Gelegenheit, mit ihm zu sprechen. 

Josef, bist Du heute (Mittwoch) mit dem Kopf schon beim nächsten Rennen in Garmisch oder noch immer irgendwie beim Sieg in Kitzbühel? 

Zumindest ist es jetzt bissl ruhiger geworden. Dass es zum Sieg reicht war auch für mich total überraschend, da kam dann an dem Tag echt viel zusammen. Dieser Sieg und Geschichte geschrieben zu haben, das war echt sehr schön. Seitdem gab es viel zu tun, Fragen beantworten, Telefonate, Auftritte. Aber heute konnte ich mal wieder einen Familientag verbringen.  

So ein Sieg auf der Streif, verändern sich da die Zielsetzungen für die Saison? In Hinblick auf Garmisch oder die Weltmeisterschaft? 

Josef Ferstl mit seinem Vater bei der Siegerehrung voriges Wochenende in Kitzbühel.

Ich will weiter vorne mitfahren. Auch bei den letzten Rennen lag ich immer um den Top-10-Platz rum, aber beim Super-G setzt man immer viel auf eine Karte und geht ein hohes Risiko. Bei mir hat am Sonntag alles zusammengepasst. Auf der Streif zu gewinnen ist das Ziel für jeden Abfahrer. Kitzbühel ist einfach die schwierigste Rennstrecke. Man wird mit einer Gondel geehrt, ist auf der ganzen Welt angesehen. Für mich persönlich ist das jetzt - auch durch die Geschichte mit meinem Vater - eine Genugtuung und was ganz Großes. Wenn ich ehrlich bin, muss ich das über eine Medaille bei Olympia oder bei der Weltmeisterschaft stellen. Das ist der Traum überhaupt.

Wie viele Leute aus der Familie und dem Freundeskreis waren denn dabei am Sonntag in Kitzbühel? 

Meine Brüder, mein Vater, meine Frau war da, die auch nicht immer kann wegen den beiden Kindern, alte Weggefährten, Trainer. Es waren echt viele da, es war wirklich cool, dass wir das zusammen feiern konnten.  

Im ORF-Interview hast Du die Streif als "Wohnzimmer" bezeichnet - war das also auch als Jugendlicher schon eine Abfahrt mit der Du vertraut warst? War das am Sonntag ein Vorteil im Vergleich zu anderen?

Ich bin ganz regelmäßig mit dem Papa hingekommen, weil die ehemaligen Streif-Sieger immer wieder geehrt und eingeladen werden. Darum war ich da mit vier Jahren schon das erste Mal dabei, mit sechs oder sieben bin ich das erste Mal hinuntergefahren - oder besser gesagt hinuntergerutscht. Als Kleiner dachte ich mir 'Ich könnte da nie runterfahren, das sind doch lauter Wahnsinnige'. Aber durch den Papa bin ich jedes Jahr dort hingekommen. Auf jemanden, der mit 19 oder 20 die Streif zum ersten Mal sieht, macht das dann wahrscheinlich noch mehr Eindruck. 

Geht ein Josef Ferstl im Winter auch mal privat zum Skifahren? 

Aufnahme von Ferstls Super-G-Lauf in Kitzbühel.

Das ist jetzt eh witzig, eigentlich eine unglaubliche Geschichte. Eigentlich gehe ich privat sehr wenig zum Skifahren, aber heuer wollte ich mal wieder mit meiner Frau Skifahren. Wir haben dann überlegt, wo wir hinfahren sollen und haben dann gesagt: "So, fahr' ma nach Kitzbühel". Es war ein super schöner Tag, mega Wetter, ich hab ihr gezeigt, wie auf der Streif bei der Abfahrt der Lauf gesteckt wird. Als wir dann beim Essen gesessen sind, hab' ich gesagt: "Ja, das wär' schon mal geil, hier zu gewinnen" - und ein paar Wochen später passiert es dann. Das war schon wie in einem schlechten Film. 

Wie viele Tage ist man als Profiskifahrer während der Saison denn überhaupt daheim?  

Im Sommer haben wir von Mitte August bis Ende September schon mal einen Trainingsblock in Chile. Das ist dann schon happig mit der Familie, eine Zeit, die beiden an die Substanz geht. Ich bin mit dem Training ausgelastet und meine Frau mit den Kindern. Anfang November geht es dann nochmal vier Wochen nach Nordamerika und dann im Winter ist man eigentlich meistens fünf Tage weg und zwei Tage daheim, das ist der Rhythmus. Auch momentan - Lauberhorn, Kitzbühel, Garmisch, WM in Are - ist es nochmal richtig stressig. Nach der WM hat man nochmal zwei Wochen frei und dann läuft die Saison langsam aus. Der Winter ist eine harte Zeit: Auch an Weihnachten war ich am 24. daheim und am 25. in der Früh bin ich gleich wieder ins Auto eingestiegen. Aber es ist auch eine sehr schöne Zeit, vor allem wenn man Erfolge zu feiern hat.  

Wo hat ein Josef Ferstl junior das Skifahren gelernt? An einem kleinen Lift im Chiemgau oder - wenn der Papa schon Rennfahrer war - gleich auf einem anderen Niveau? 

Gelernt hab' ich's eigentlich bei uns im Garten. Da haben wir eine Leite, wo man halt zu Fuß wieder hinaufgehen musste. Nur das Pflugfahren konnte ich nicht. Der Papa konnte es nicht glauben, hat dann vorne links und rechts Löcher in die Ski gebohrt und sie mit einem Band zusammengebunden, damit ich das Kurvenfahren lerne. Und danach beim Skilift in Vorauf bei Siegsdorf mit anderen Kindern und da waren auch die ersten Rennen. Später dann natürlich auch in Hammer, in Weißbach oder in Ruhpolding am Unternberg. 

Wie schaut so ein Tag wie heute aus? 

Also ich war ja daheim, hab' nach dem Aufstehen gleich meine Sachen gepackt, hab trainiert, bin aufs Radl gegangen, dann die Kleine vom Kindergarten geholt, wir haben jetzt noch gespielt und schlussendlich sitze ich jetzt wieder im Auto und fahre direkt nach Garmisch. Wir haben heute noch eine Besprechung und morgen dann das erste Abfahrtstraining. 

xe

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Regionalsport

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser