Aktivistin aus dem Landkreis Rosenheim in Hamburg 

Eine Woche Urlaub genommen, um die Welt zu retten

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Judith Amler (links) bei einer attac-Protestaktion in Hamburg. Daneben ein dpa-Bild von Polizisten in der Hansestadt.
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Hamburg - Wer demonstriert in Hamburg gegen die Mächtigsten der Welt? Sind das alles linksautonome Steinewerfer vom "Schwarzen Block"? Mitnichten! 

Wenn man mit Judith Amler redet, die aus dem Landkreis Rosenheim stammt, bekommt man ein ganz anderes Bild von den G20-Protesten. Die 33-Jährige ist attac-Aktivistin und in dieser Woche in der Hansestadt. 

"Meine bisherige Wahrnehmung ist, dass ernsthafter Protest hier nicht erwünscht ist. Es werden Bilder erzeugt, wie Demonstranten weggetragen und teils verletzt werden. Dass man Angst haben muss, wenn man nach Hamburg fährt", so Amler. Das Verhalten der Polizei sei bislang alles andere als deeskalierend gewesen, man habe Pfefferspray und Schmerzgriffe eingesetzt. Aus ihrer Sicht war das völlig übertrieben und unnötig. Ihre Vorwürfe richten sich nicht an die Polizeibeamten, sondern an Bundesinnenminister Thomas de Maizière und den Hamburger Innensenator Andy Grote. 

Nein, Amler gehört sicher nicht zu jenen, die einen Stein in die Hand nehmen würde. Im positiven Sinne ist sie eine Idealistin, die sich nicht damit abfindet, einfach nur auf dem Sofa den Kopf zu schütteln, während die Tagesschau läuft. Sie will vor Ort sein, genau dort wo Merkel, Trump und Erdogan sich treffen. Sie will mitwirken an einer anderen, einer besseren Welt. 

Dafür hat sie sogar extra eine Woche Urlaub genommen. Während sich andere am Mittelmeer sonnen, ist sie eine der ehrenamtlichen attac-Medienbeauftragten, verteilt Flyer und debattiert über Weltwirtschaft und Klimawandel. 

Für Amler dürfte es die G20 gar nicht geben 

Die G20, das Treffen der führenden 20 Industrie- und Schwellenländer der Welt, hat für Judith Amler keine Legitimation. "Die G20 reden über Afrika, dabei sitzt mit Südafrika nur ein einziges afrikanisches Land mit am Tisch. Durch die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen und den massiven CO2-Ausstoß der G20 werden die Lebensgrundlagen in Afrika zerstört", beklagt die attac-Aktivistin aus dem Kreis Rosenheim. 

Doch statt mit den Ländern zusammenzuarbeiten, deren Bevölkerungen unter der Politik der G20-Staaten leiden, werde über sie gesprochen, über die Fluchtursachen und wie man diese bekämpfen kann.

Aus ihrer Sicht dürfte es die Gipfeltreffen der G20 gar nicht geben, die Themen sollten bei der UN, den Vereinten Nationen, besprochen werden. Im großen Kreis aller Staaten. "Mir geht es um die globale Solidarität", so die 33-Jährige

Hinzu komme, dass die G20 nichts erreicht hätten in den vergangenen Jahren. "Auch nach der großen Finanzkrise wurden die Steueroasen nicht ausgetrocknet, die Steuerflucht nicht begrenzt", zählt sie auf. 

Rede auf der Großdemo am Samstag

Auf der Großdemo am Samstag in Hamburg wird Amler genau über diese Finanzthemen eine Rede halten - und die Vorschläge präsentieren, die attac dagegensetzt. Diese werden am Mittwoch und Donnerstag auf dem "Alternativgipfel mit international besetzten Podien weiter erarbeitet. 

Dass die Proteste gegen die Staats- und Regierungschefs in Gewalt ausarten können, glaubt Amler nicht. "Das sind Horrorszenarien, die an die Wand gemalt werden. Momentan erlebe ich nichts davon." Von attac und den Bündnispartnern werde keine Eskalation ausgehen. 

Sie hofft auf eine breite Demo, die offen ist für alle, "auch für Menschen, die mit ihren Kindern hinkommen", so die Aktivistin. 

Alles nur unrealistische Utopien?

Doch sind das nicht alles linke Utopien? Glaubt sie wirklich, dass ihr Protest etwas verändern kann? Hoffnung mache ihr, dass sich derzeit viel bewege. "Rund 320.000 Menschen haben im letzten September gegen TTIP und CETA demonstriert. Obwohl das ein komplexes und schwieriges Thema ist", berichtet Amler. 

Regelrecht "überwältigt" sei sie auch vom Andrang in Hamburg auf dem Alternativgipfel. Das Interesse sei da und sie sei "positiv gestimmt", dass sich daraus eine echte Bewegung zusammenfinden könnte. 

Nach dem für sie ernüchternden Auftakt in Hamburg, den Auseinandersetzungen um das Protestcamp, ist ihr Optimismus wieder da! 

Quelle: rosenheim24.de

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