Warnstreiks bei den Zustellern in Bayern

Deutsche Post: Keine Briefe und Pakete zu Ostern?

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Auch in Achenmühle im Landkreis Rosenheim standen am Mittwoch früh die Fahrzeuge der Zusteller still.
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Landkreis Rosenheim - Kurz vor den Osterfeiertagen streiken die Zusteller der Deutschen Post. Welche Bezirke von den Maßnahmen betroffen sind und was die Gewerkschafter fordern:

"Tarifflucht, Mitbestimmungsflucht und Vertragsbruch können wir einem Unternehmen in dieser Größenordnung nicht durchgehen lassen", erklärt der Landesbezirksfachbereichsleiter von Verdi, Anton Hirtreiter, im Gespräch mit rosenheim24.de. Die Gewerkschaft fordert für ihre Mitglieder einen fairen Umgang und keine Einschnitte beim Gehalt.

Flächendeckende Maßnahme, aber nicht alle Gebiete direkt betroffen

"90 bis 95 Prozent der Paket- und Briefzusteller die streiken können, tun dies auch", berichte Hirtreiter und zeigt sich zufrieden über die ersten Meldungen aus den Zustellungszentren. In ganz Bayern hat die Gewerkschaft rund 1.500 Zusteller in den Niederlassungen Augsburg, Bayreuth, Freising, München, Nürnberg, Rosenheim, Straubing und Würzburg zu einem Warnstreik am 1. April aufgerufen. Laut Angaben des Fachbereichsleiters sollen deshalb ungefähr zwischen 10 und 15 Prozent der Postkunden von der Maßnahme betroffen sein. "Weiter Maßnahmen kann ich jetzt noch nicht ausschließen", so Gewerkschafter Hirtreiter.

"Die Ausnahme bilden lediglich die Beamten, die dürfen ja bekanntlich nicht streiken", berichtet Hirtreiter. "Trotzdem sehe ich den Erfolg der Aktion als große Watschen für den Post-Vorstand", die Beteiligung zeige weiter, dass die Beschäftigten eher hinter der Gewerkschaft als hinter ihrem Arbeitgeber stünden. Von der Maßnahme erhoffe sich Hirtreiter weiter, dass die Konzern-Verantwortlichen bis zur zweiten Verhandlungsrunde am 14.April zur Vernunft gebracht werden könnten.

Auslagerung und sinkende Löhne

Als Ursache für die Aktion der Gewerkschaft sieht Hirtreiter die Ausgliederung der Zusteller in Tochterunternehmen der Deutschen Post. Dort gelte dann schließlich nicht mehr der Haus-Tarifvertrag, Beschäftigte würden nach dem Speditionstarifvertrag bezahlt. "Zwischen 3.000 und 13.000 Euro verdienen diese Angestellten dort weniger", erklärt der Gewerkschafter. Rund 5.000 Bezirke sollen von der Umstrukturierung betroffen sein.

Auch der sogenannte Generationentarifvertrag, eine Möglichkeit nach geleisteten Einzahlungen früher in Altersteilzeit zu gehen, finde dort keinerlei Anwendung mehr. Vertraglich festgelegt habe Verdi einer Auslagerung von lediglich 990 Bezirken an Tochterunternehmen zugestimmt: "Das ist ein klarer Vertragsbruch. Das darf man sich nicht gefallen lassen", stellt sich Hirtreiter auf die Seite der Beschäftigten.

800 Beschäftigte alleine in Fürstenfeldbruck streiken für die Forderungen

Mit Kundgebungen in Unterfranken, Nürnberg, Bayreuth und Fürstenfeldbruck will die Gewerkschaft ihren Forderungen Nachdruck verleihen. "Nach ersten Meldungen nehmen in Fürstenfeldbruck rund 800 oder noch mehr Beschäftigte teil", freut sich Hirtreiter. "Wir bitten die Kunden der Post um Verständnis, wir haben aber auch schon viel Feedback bekommen, dass die Kunden die Situation der Postler nachvollziehen können".

Die Haltung des Dax-notierten Unternehmens könne Hirtreiter nicht nachvollziehen. Der Post gehe es so gut wie nie, sowohl der Vorstand als auch die Aktionäre konnten im vergangenen Jahr und auch heuer wieder mit satten Gewinnen rechnen. Weitere Maßnahmen zur Kostensenkung würden sich am Ende auch negativ auf die Konkurrenz auswirken und somit zu einem verstärkten Kostendruck führen.        

Quelle: rosenheim24.de

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