"Brenner Nordzulauf: Effizienter Schienenverkehr für die bayerische Wirtschaft"

Gabriele Bauer: "Und plötzlich wird es brisant"

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(v.l.) Hauptgeschäftsführer IHK München und Oberbayern, Peter Driessen, Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer, und Logistik-Unternehmer Georg Dettendorfer
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Rosenheim - Mit einem eigenen Gutachten will die IHK nun eine effizientere Ausgestaltung der Bahnstrecke im Inntal im Zuge der Fertigstellung des Brenner Basistunnels erwirken. Die Forderungen:

Im Jahr 2026 soll der Brenner Basistunnel endgültig fertiggestellt sein. Die Planungen auf deutscher Seite, einen entsprechend leistungsfähigen Anschluss für das erhöhte Güter- und Personenverkehrsaufkommen zu verwirklichen, sind jedoch erst für das Jahr 2030 angesetzt. Das erklärte Peter Driessen, der Hauptgeschäftsführer der IHK München und Oberbayern anlässlich der Vorstellung eines neuen Verkehrsgutachtens am Freitag. Driessen forderte den Netzbetreiber DB im Zuge dessen auf, keinen "Flaschenhals im Inntal" entstehen zu lassen. Rückendeckung erhält er dabei aus der lokalen Wirtschaft und auch von Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer.

260 Züge pro Tag ist das Maximum

"Der Brenner Basistunnel wird nach der Fertigstellung grundsätzlich eine Kapazität von 400 Zügen pro Tag haben", erklärt Peter Driessen, für das Inntal bedeute dieser Umfang ungefähr ein Anwachsen von aktuell 180 auf künftig rund 360 Züge, jeden Tag. Durch Verbesserungen der bestehenden Signaltechnik, reduzierte Blockabstände oder längere Züge könne man die Kapazität der Bestandsstrecke zwar um voraussichtlich nochmal um 80 Züge steigern, "Mehr geht aber nicht!", so Driessen weiter.

Aufgrund des immer weiter zunehmenden Güterverkehrsaufkommens, der Bedeutung der Strecke für die bayerische Wirtschaft und auch vor dem Hintergrund, dass immer mehr kleinere Transportunternehmen für Entfernungen ab 300 Kilometer aus Kostengründen lieber auf den Güterzug setzten, müsse die Politik dafür Sorge tragen, dass die DB die Verbindung im Inntal auch weiterhin in der höchsten Kategorie des Bundesverkehrswegeplans einstufe. Eine Entscheidung zur tatsächlichen Umsetzung würde durch mehrere Faktoren zudem beeinflusst. "Mit einem Nutzen-Kosten-Verhältnis von 1,2 (Anm. d. Red.: Nutzen 20% über den Kosten) konnte die Wirtschaftlichkeit zudem erfolgreich nachgewiesen werden", ergänzte Peter Driessen.

Sollte eine Umsetzung dennoch nicht rechtzeitig bis 2030 möglich sein, müsste man sich parallel zur nachhaltigen Planung der Neubaustrecke um ergänzende Infrastrukturprojekte in ganz Oberbayern kümmern, so Driessen, der sich dabei wieder auf das vorgestellte Gutachten berief. Darunter auch die Strecke München-Mühldorf-Freilassing, um beispielsweise den Güter- vom Personenverkehr trennen zu können. Hinzukommen müsse dann noch ein entsprechendes Lärmsanierungsprogramm. Bis 2030 rechneten Deutsche Bahn und das Bundesverkehrsministerium aktuell mit Maßnahmen für rund 2,5 Mrd. Euro. "Das Thema wird also ernst genommen", resümierte Driessen.

OB Bauer: "Nur mit Rosenheim, nicht an Rosenheim vorbei"

Grundsätzlich sei der Ansatz der Bundesregierung zur Lärmreduzierung um 10 dBa, einer gefühlten Halbierung der wahrgenommenen Lautstärke schon richtig, erklärte Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer, ab: "Wenn dann 360 statt 180 Züge fahren, ist die Gesamtbelastung wieder am Anfang." Und weiter: "Wir sehen ja wie es geht, Österreich und Italien machen es vor", so die Oberbürgermeisterin und verwies dabei auf die dort schon vermehrt zum Einsatz kommenden Tieferlegungen, Einhausungen und Tunnellösungen.

Eine Umfahrung um Rosenheim oder sogar den kompletten Wirtschaftsraum lehnt Bauer dabei kategorisch ab: "Der Wirtschaftsraum Rosenheim mit seinen 150.000 Einwohnern sowie den rund 20.000 Ein- und 12.000 Auspendlern ist nicht nur auf den Schienenpersonen-Nahverkehr, sondern auch auf die Einbindung in das Fernverkehrsnetz angewiesen".  

Bis zur tatsächlichen Verfügbarkeit der Neubau-Trasse, müsse dann auf jeden Fall moderner und nachhaltiger Lärmschutz oberste Priorität haben, stimmte Bauer ihrem Vorredner zu. "Die Technologie des letzten Jahrhunderts können wir unseren Bürgern nicht zumuten", stellte die Oberbürgermeisterin wiederholt klar. So bemerkte Bauer abschließend, dass alle Aspekte und Fragen, angefangen beim Lärmschutz bis hin zur Trassenfindung, umfänglich diskutiert werden müssen: "Und für diesen Planungsdialog darf es keine Denkverbote geben!"

Stimmen aus der Wirtschaft: "Schiene extrem wichtig"

Georg Dettendorfer, Logistik-Unternehmer und IHK-Vizepräsident in Rosenheim, bemerkte schließlich, dass sich das Transportgeschäft in den vergangenen 25 Jahren intensiv verändert habe. Auch für die kommenden 25 Jahre gehe Dettendorfer von einem vergleichbaren Wandel aus. "Die Wirtschaft in Oberbayern darf nicht abgehängt werden", forderte der Unternehmer und verwies auf die Tatsache, dass viele produzierende Betriebe in der Region stark in Richtung der südlichen Nachbarn Bayerns orientiert seien.

Die aktuell bereits hohe Belastung der Anwohner der Bahnstrecke im Inntal dürfe nicht noch weiter ausgebaut werden. Um in der Trassenfindung und der weiteren Planung spürbare Entlastungen erzielen zu können, bedürfe es jedoch auch der Mithilfe eben dieser Personen, erkannte Georg Dettendorfer: "Leider gibt es hier im Moment noch viele Verbände, die nicht in eine Richtung laufen."

Quelle: rosenheim24.de

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