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Chaos bei den neuen Meridian-Zügen

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Landkreis - Ab Dezember dieses Jahres sollen die neuen Meridian-Züge rollen - auch auf den Strecken in der Region. Doch der pünktliche Start ist mehr als fraglich.

Wie die tz berichtet, soll ab Dezember die Bayerische Oberlandbahn (BOB) die Bahnstrecken München – Salzburg, München – Kufstein und Rosenheim – Holzkirchen mit neuen Triebwagen unter dem Namen Meridian übernehmen. Mit mehr Zügen und kürzeren Fahrzeiten soll das Angebot deutlich verbessert werden. Doch der pünktliche Start ist mehr als fraglich.

Problem 1: die Fahrzeuge

Der französiosche BOB-Eigentümer Veolia kaufte 35 Züge des Typs Flirt 3 beim Hersteller Stadler. Moritz Huckebrink, Sprecher des Eisenbahnbundesamtes (EBA) zur tz: „Die drei- und sechsteiligen Züge müssen völlig neu zugelassen werden. Wenn die Unterlagen komplett bei uns eingegangen sind, haben wir eine Bearbeitungsfrist von vier Monaten.“ Sechs Monate vorher sind aber noch keine Unterlagen da. Stadler-Sprecherin Katrin Block erklärt zwar. „Wir sind voll im Zeitplan.“ Nach tz-Informationen geht Stadler intern aber davon aus, dass die Fahrzeuge erst Monate nach dem Betriebsbeginn im Dezember zugelassen werden.

Fakt ist: BOB-Chef Dr. Axel sucht inzwischen nach Ersatzlösungen. Der neue BOB-Chef meldete im Juni bei der DB einen Bedarf von zwei Wendezügen an. Er will Ersatzbusse und weitere Züge samt Personal bei den ÖBB chartern, um den Verkehr aufrechtzuerhalten.

Problem 2: das Personal

Es ist ein offenes Geheimnis, dass der BOB für den Meridian-Betrieb Triebfahrzeugführer, Zugbegleiter, Werkstättenmitarbeiter, Disponenten fehlen. Die Annahme von Veolia, dass viele DB-Mitarbeiter zur BOB wechseln würden, geht nicht auf. Ein Sprecher der DB: „Die meisten Mitarbeiter bleiben im Konzern und erhalten ab Dezember an anderen Orten neue Arbeitsplätze“. Sondermann dazu: „Wir sind derzeit noch im Bewerbungs- und Einstellungsprozess“.

Problem 3: die Werkstatt

Eigentlich sollten die Meridianzüge ab Fahrplanwechsel in einer neuen Werkstatt neben der MVG-Werkstätte an der Ständlerstraße gewartet werden. Aufgrund von Anwohnerprotesten wird sie erst 2015 fertig. Als Ersatzkonzept wollte die BOB die Meridiane zunächst in einem Zelt in Freilassing instandhalten. Doch dies scheint zu scheitern. Geschäftsführer Sondermann: „Alternativ prüfen wir gerade eine weitere Möglichkeit in Regensburg.“

Problem 4: die Tarife

Bereits 2010 hatte der Fahrgastverband Pro Bahn auf die Probleme aufmerksam gemacht. Norbert Moy, Vorsitzender von Pro Bahn Oberbayern: „Bisher kann man mit einem Intercity-Ticket auch die Regionalzüge der DB benutzen. Das ist mit den Meridian-Zügen nur möglich, wenn sich die DB und Veolia noch einigen. Vor allem die rund 20 000 täglichen Pendler ab Rosenheim nutzen je nach Gelegenheit Intercity oder Regionalzug. Verpasst man in München wegen einer Zugverspätung den Anschluss Richtung Rosenheim, kann man heute problemlos den folgenden Zug benutzen. Ohne eine Kooperation wäre es nicht mehr möglich, mit einem durchgehenden Fahrschein beispielsweise von Augsburg nach Berchtesgaden zu fahren.“

Doch es gibt immer noch keine Lösung. Sondermann: „Die Gespräche werden noch einige Wochen in Anspruch nehmen.“ Und der DB-Sprecher: „Bisher scheitert eine Einigung an zu hohen Forderung von Veolia.“ Klingt nicht gut.

tz-online

"Einfach erschreckend"

Ich pendle jeden Tag mit meinem Jobticket im Regionalzug von Rosenheim nach München Ost. Angeblich wird die DB-Fahrkarte ab Dezember von Veolia akzeptiert, aber genau weiss man es nicht. Ich wollte eigentlich umsteigen auf eine Zeitkarte mit EC/IC-Berechtigung. Nachdem es keine Einigung gibt, verzichte ich darauf. Ich finde es erschreckend, dass DB und Veolia da keine Lösung finden. Beide hatten mindestens zwei Jahre Zeit, ein Ergebnis zu verhandeln. Wo ist denn da eigentlich das Problem? Das Ganze ist mehr als ärgerlich.

Thomas Plinninger, 31, Ingenieur, Rosenheim

"Der Freistaat ist schuld"

Ich benutze wechselweise EC/IC- und Regionalexpress-Züge zwischen Rosenheim und München. Mit beiden Zuggattungen habe ich einen 30-Minuten-Takt. Das ist für Pendler sehr angenehm. So wie es aussieht, muss ich mich ab Dezember entscheiden: entweder Nah- oder Fernverkehr. Sonst bräuchte ich zwei Fahrkarten. Die Alternative wäre das Auto. Mich ärgert, dass in der Ausschreibung der Bayerischen Eisenbahngesellschaft 2010 die Fahrpreis-Anerkennung nicht als Bedingung mit aufgenommen wurde. In anderen Bundesländern funktioniert so etwas ja auch. Der Freistaat weiß, wie viele Pendler täglich mit dem EC bis Rosenheim fahren und hätte darauf achten müssen. Die Pendler sind die Leidtragenden.

Stefan Hintermeir, 38, Ingenieur, Aschau

Quelle: rosenheim24.de

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