Nach Urteil um Jodl-Grab am Amtsgericht:

Die "furchtbaren Juristinnen" von Rosenheim

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Wolfram Kastner (re.) mit seinem Anwalt Hartmut Wächtler am Dienstag am Amtsgericht
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Fraueninsel/Rosenheim - Kaum ist die Tinte unter dem Urteil des Amtsgerichts gegen den Münchner Künstler Wolfram Kastner trocken, tritt der auch schon gegen die Richterin und Staatsanwältin nach:

Am vergangenen Dienstag musste sich Wolfram Kastner, Aktionskünstler aus München, vor dem Amtsgericht in Rosenheim wegen Sachbeschädigung, Diebstahl und versuchter Nötigung verantworten. Das Gericht unter dem Vorsitz von Richterin Christine Wand kam zu dem Schluss, dass der 70-Jährige in der Vergangenheit mehrmals eine Grabstätte auf der Fraueninsel mit Farbe beschmiert und dort Schilder aufgestellt hatte. In einem Gespräch hatte Kastner weiter den sogenannten Grabnutzungsbefugten mit Nachdruck dazu aufgefordert, das Grabmal zu beseitigen.

Staatsanwältin Dr. Kerstin Spiess forderte eine Geldstrafe in Höhe von 150 Tagessätzen zu je 20 Euro, im Urteil blieb das Gericht dann nur mit einem leicht veränderten Satz von 15 Euro knapp darunter. Noch während der Urteilsverkündung verließen Kastner und ein Teil seiner Anhänger im Saal die Verhandlung. Heute, nur einen Tag nach dem Prozess am Amtsgericht, tritt der Künstler gegen die Justiz in Rosenheim kräftig nach.

"Ein grotesker, vierstündiger Strafprozess"

Das "skandalöse Ehrenkreuz" für Alfred Jodl auf der Fraueninsel am Chiemsee

In einer E-Mail an lokale und überregionale Redaktionen lässt sich der Künstler über den Prozess am Amtsgericht aus: "Allem Anschein nach standen die Verurteilung und das Strafmaß von Anbeginn fest", so Kastner. Sowohl Staatsanwaltschaft und Richterin hätten sich "hinter formaljuristischen Formulierungen" versteckt. Immerhin habe das Gericht verstanden, dass es sich bei dem beschädigten Grab nicht um eine echte Ruhestätte sondern um einen sogenannten Kenotaphen, ein Schein-Grab oder Ehrenmal, für Alfred Jodl handle.

Alfred Jodl war als Wehrmacht-General an vielen Militär-Operationen der Nazis im Zweiten Weltkrieg beteiligt und wurde im Zuge der Nürnberger Prozesse verurteilt und hingerichtet. Seine Asche wurde in einen Nebenarm der Isar verstreut. Wolfram Kastner betont, sowohl vor Gericht als auch in seinem Schreiben, dass das "skandalöse Ehrenkreuz" auf der Fraueninsel rechtswidrig entstanden sei und bereits in den 1950er Jahren entfernt hätte werden müssen. 

Wie auch in der Verhandlung am Dienstag rechtfertigt Wolfram Kastner seine Kunst-Aktionen in seinem Schreiben mit Meinungs- und Kunstfreiheit: "Weder die Freiheit der Kunst noch die Meinungsfreiheit spielten für sie in ihren Strafanträgen und im Urteil eine Rolle", so der Künstler.

In ihrer Urteilsbegründung ging Christine Wand dabei explizit auf die Rechte des Künstlers ein: " Grundrechte hören da auf, wo die Rechte anderer anfangen", summierte die vorsitzende Richterin am Dienstag in ihrer Urteilsbegründung. Das Recht auf freie Meinungsäußerung und auch die Kunst dürfe das Eigentumsrecht anderer nicht verletzen.

"Mit solchen Juristinnen ist jeder Staat zu machen"...

... fasst der Künstler in seinem Schreiben zusammen. Weiter kündigt er an, zusammen mit seinem Verteidiger Hartmut Wächtler Einspruch gegen das Urteil vom Amtsgericht einlegen zu wollen. In nächster Instanz würde der Fall dann vor dem Traunsteiner Landgericht verhandelt.

Bereits in der Vergangenheit stand Wolfram Kastner mehrmals wegen ähnlicher Vorfälle vor Gericht. In zahlreichen Aktionen im Bundesgebiet und Österreich will Kastner dabei auf die Verbrechen der NS-Herrschaft aufmerksam machen.

Quelle: rosenheim24.de

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