Nahkampfzone Nachbarschaft

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Mühldorf/Waldkraiburg - Auf der Straße grüßen sie sich nicht. Der einzige Ort, an dem die Familien K. und M. miteinander reden, ist der Gerichtssaal.

Ein weiterer Akt dieses Nachbarschaftsstreits wurde nun in Mühldorf verhandelt. Am Ende standen ein eingestelltes Verfahren - und jede Menge offene Fragen.

Rückblick: Am 7. Oktober 2010 gab Stefan K. (alle Namen geändert) ein Fest. Seine Freundin hatte Geburtstag. Doch dem Nachbarn, Lorenz M., passte nicht, wie die Autos der Gäste auf der Straße parkten. Wütend rannte er zum Nachbarn und beschwerte sich lautstark. Soweit deckten sich die Aussagen. Doch dann ging es kunterbunt durcheinander. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft eskalierte das Geschehen. Stefans Vater ging demnach auf den Nachbarn los. Eine Rippe soll er ihm gebrochen und das Mobiltelefon zertreten haben. Gemeinsam mit seinem Junior, so heißt es in der Anklage weiter, soll der 53-jährige Frührentner dann auch auf die Lebensgefährtin des Nebenbuhlers losgegangen, und die Tschechin rassistisch beschimpft haben. "Solche Wörter habe ich gar nicht in meinem Wortschatz. Diese fäkalischen Register kann ich nicht ziehen. Ich rede nur bayerisch", erklärte der Angeklagte.

Junior und Senior vor Gericht

Wegen gefährlicher Körperverletzung mussten sich dennoch beide, Junior und Senior, verantworten. "Und solch ein Lügenwerk kann und will ich nicht auf mir sitzen lassen", machte der Senior seinem Ärger Luft.

Er und sein 27-jähriger Sohn hatten den Abend folgendermaßen erlebt: Mit der fröhlichen Feier sei es vorbei gewesen, als der Nachbar plötzlich wütend herbei rannte. "Da hatte er irgendetwas in der Hand", gab der Senior vor Gericht an. Und aus Angst, er könnte niedergeschlagen werden, sah der Zweieinhalb-Zentner-Mann keine andere Möglichkeit, als um sich zu schlagen: "Das war aber nur ein Wischer, kein Faustschlag." Bei diesem "Wischer" sei denn auch das Handy zu Bruch gegangen und die Familie K. nebst Gästen zog sich ins Haus zurück. Bis kurze Zeit später die Polizei anrückte. Einer der Beamten nahm auch im Zeugenstand Platz: "Das mit dem Rippenbruch verwirrt mich schon", sagte er. Denn vor Ort war von Schlägen oder Schmerzen so gar keine Rede gewesen.

Zweifel an der Aussage des Anklägers ließ auch der Anwalt von Stefan K. aufkommen. Mehrere Verfahren gegen den Ankläger hat er schon durchgefochten und die halbe Nachbarschaft vertreten. Ein Umstand, den der 30-jährige Polizist nur bestätigen konnte: "Erst letzten Freitag hat er wieder bei uns angerufen. Da lag ein Papierschnipsel auf seiner Einfahrt und er wollte wegen illegaler Müllablagerung Anzeige erstatten."

Angst vor einer Falschaussage

Richter Florian Greifenstein wurde die Sache zu heiß: "Wir müssen etwas tun, um die Angelegenheit beizulegen. Das ist unsere Fürsorgepflicht." Zu groß schätzte er die Gefahr ein, dass sich Lorenz M. der Falschaussage strafbar machte, nur um der Gegenpartei eins auszuwischen.

Ganz ohne Diskussion ging die Einstellung des Verfahrens freilich nicht ab: "Dem gehören seine Grenzen mal aufgezeigt", so Stefan K. Aber: "Der Klügere gibt nach. Ich hoffe nur nicht, dass wir hier nachher die Dummen sind", so der Maurer.

Einig waren sich schlussendlich alle: "Das hier wird nicht der letzte Streich sein", brachte es der Anwalt auf den Punkt. "In der Nachbarschaft wird es keine Ruhe geben."

bst/Mühldorfer Anzeiger

Quelle: innsalzach24.de

Rubriklistenbild: © pa

Zurück zur Übersicht: Haager Land

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser