Fachkräftemangel als Problem

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Mit einer Ehrenmedaille wurde Ulrich Burkhard für seine Verdienste um die bayerische Wirtschaft geehrt.

Mühldorf - Das IHK-Gremium Altötting-Mühldorf sieht den Fachkräftemangel in der Region als großes Problem. Vorsitzende Ingrid Obermeier-Osl will die Region attraktiver machen.

Jeder fünfte Ausbildungsplatz kann derzeit nicht besetzt werden. Die Polizeiinspektion Mühldorf hat das IHK-Gremium Altötting-Mühldorf besichtigt. Zum ersten Mal überhaupt besuche das IHK-Gremium eine Behörde, sagte Vorsitzende Ingrid Obermeier-Osl, dabei hatte der Besuch bei der Polizei keinen besonderen Grund sondern diente der Information. Robert Anderl demonstrierte Schießausbildung, Hafträume und Zentrale. Der Leiter der Kriminalpolizei Mühldorf, Josef Maier, führte die Besucher unter anderem durch die Labore der Spurensicherung und demonstrierte Drogen-Funde der vergangenen Tage. Wirtschaftskriminalität dagegen sei eher konjunkturabhängig, sagte Maier, vermehrt werde Anlagebetrug zur Anzeige gebracht.

Drei Unternehmensvertreter haben anschließend über ihre praktischen Erfahrungen mit dem Thema Fachkräftemangel berichtet. Dr. Bernhard Langhammer, Werksleiter bei Infraserv Gendorf vertrat die Sicht der Industrie, Andreas Hofebauer, Geschäftsleiter des Globus-Warenhaus in Mühldorf sprach für den Handel und Dr. Stefan Bill, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Altötting-Mühldorf für die kaufmännischen Berufe und die Dienstleister.

Derzeit seien 120 Mitarbeiter bei Infraserv über 55 Jahre alt, 2020 werden es 290 sein, sagte Dr. Langhammer. Gemeinsam mit dem Rückgang der Bewerberzahlen und der Qualität der Bewerbungen, sei das eine der größten Herausforderungen für die Wirtschaft. Vor allem die Lage am Ingenieur-Markt sei dramatisch. Infraserv steuere gegen mittels Kooperationen mit Hochschulen, Schulkontakten, dualen Studien und Schnupperpraktika. Zudem rücke die Reputation als Arbeitgeber mehr und mehr in den Fokus. Hier gelte es mit Wertemanagement, flexiblen Arbeitszeitmodellen und Qualifizierungskonzepten zu punkten. "Wichtig wird auch sein, qualifizierten Frauen die Rückkehr an den Arbeitsplatz möglich zu machen", sagte er. Zudem rücke das Problem der Gestaltung der Arbeitsplätze für ältere Mitarbeiter in den Fokus, bei einigen körperlich schweren Berufen sei es unmöglich, bis zum Alter von 67 zu arbeiten.

Der Einzelhandel habe generell das Problem, dass qualifiziertes Personal kaum noch verfügbar sei, berichtete Andreas Hofebauer. Als Globus vor zwölf Jahren in Mühldorf eröffnet habe, seien nur 20 Prozent der Mitarbeiter gelernte Einzelhandelskaufleute gewesen. Neben der Verbesserung des schlechten Images des Einzelhandels, sieht er die Aus- und Weiterbildung sowie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie als zentrale Handlungsfelder zur Fachkräftesicherung an. Zudem sei es wichtig, bereits darauf einzuwirken, dass das Elternhaus die Entwicklung der Kinder positiv beeinflusse, das sei heute vielfach nicht mehr gegeben.

Das größte Konfliktpotential vor allem in der Region sieht Dr. Stefan Bill in der Konkurrenz der großen mit kleineren Unternehmen. Große Unternehmen arbeiten professioneller bei der Rekrutierung und böten eine bessere Infrastruktur, so dass sich Bewerber oftmals für das größere Unternehmen entscheiden werden. "Die demografische Entwicklung wird vor allem zu Lasten der kleineren Unternehmen gehen", befürchtet er. Zudem kritisierte er, dass es keine Übersicht über das Angebot an Dualstudiengängen und Weiterbildungsmöglichkeiten in der Region gebe, das erschwere die Arbeit für die Firmen. "Wir müssen die Fachkräfte in der Region halten", betonte er, "und die Abwanderung in die Ballungszentren stoppen."

Mögliche konkrete Gegenmaßnahmen will das Gremium bei der nächsten Sitzung im Januar 2012 besprechen. Bereits jetzt könne jeder fünfte Ausbildungsplatz im Bereich der IHK München und Oberbayern nicht besetzt werden, berichtete Dr. Robert Obermeier. "Wir müssen gemeinsam anpacken als IHK-Gremium und die Attraktivität der Region stärken", betonte Obermeier-Osl.

Zudem stand ein erfreulicher Tagesordnungspunkt auf dem Programm: Für seine Verdienste geehrt wurde Ulrich Burkhard. Obermeier-Osl Ulrich überreichte ihm die Ehrenmedaille für besondere Verdienste um die bayerische Wirtschaft.

nl/Mühldorfer-Anzeiger

Quelle: innsalzach24.de

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