Großer Auflauf wegen tiefer Bohrung 

Geothermie heizt Bürgern jetzt schon ein

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Die Experten sortieren sich auf der Bühne, in der ersten Reihe nahm Bürgermeister Norbert Strahllechner Platz, zu späterer Stunde wurde es hitzig
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Gars – Das Wärmeprojekt „Geothermie Gars I“ erhitzt schon jetzt die Gemüter. Bei der Bürgerversammlung im Dorfsaal Mittergars haben Experten das Vorhaben erklärt, es folgte eine heiße Diskussion.

„Wir wollen die Bürger mit im Boot haben“. Ein Aufruf der Firma FG, die in Gars ein Geothermieprojekt anstrebt. Beim ersten Bürgerinformationsabend zu diesem Thema wurde schnell klar:

Die Gemüter sind erhitzt und die Meinungen sehr unterschiedlich. Viele Interessierte lauschten den Ausführungen der Experten, die mit Geothermie bereits Erfahrung haben.

Nicht nur FG-Hauptverantwortlicher Johannes Falk erläuterte das Vorhaben, auch der Geologe Prof. Dr. Goldbrunner sowie Projektsteuerer Wachter gingen in die Details. Dabei war es Johannes Falk besonders wichtig, nach den einzelnen Referaten durch die Experten, viele Fragen der Bürger zu beantworten.

Heiße Ware

Die Geothermie sei ein unerschöpflicher Bodenschatz, teilte Prof. Dr. Goldbrunner den Zuhörern mit. Er berichtete über die Nachhaltigkeit solcher Zukunftsprojekte, und welch positive Alternative die Geothermie zu Atomkraftwerken und Windrädern sei.

Gars habe ideale Voraussetzungen, um eine Wärmenutzung durch Geothermie zu erhalten. Der Ort befinde sich in dem Molassebecken, das sich für eine Bohrung eigne. Eine Verstromung sei indes nicht vorgesehen, in Gars würde lediglich mit einer erreichten Wärme von 110 bis 115 Grad gerechnet werden, hieß es von Goldbrunner und Falk gleichermaßen. „Zu grenzwertig für ein Verstromungsprojekt“ hieß es von Johannes Falk.

Bei der Bürgerinformationsveranstaltung im Mittergarser Dorfsaal wurde erklärt, warum Geothermie ein so unerschöpfliches Energieprojekt sei

Er plädierte an die Bürger, ihm seinen Segen dazu zu geben: „Wir haben eine globale Verantwortung und irgendwo muss es stattfinden“. Dabei zog Falk alle Register: Er erklärte, dass der FG das Bergrecht für diesen Bereich gehöre und der Auftrag der zuständigen Behörde klar laute: Setzt ein Geothermieprojekt um. Falk favorisiere dabei, die Bürger mit realem Mitspracherecht auszustatten. „Wir möchten ein freiwilliges Bebauungsplanverfahren und nicht nur auf unser Recht pochen, hier privilegiert zu bohren“, bekräftigt Falk.

Das Projekt

Aktuell werde nach einem geeigneten Standort gesucht, es würden viele Kriterien der Standortfindung berücksichtigt, auch die Naturschutz- und Wasserschutzrechtliche Seite nicht außer Acht gelassen, versprach Falk den teils misstrauischen Bürgern.

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Transparenz wollen alle

Auch viele Gemeinderäte samt Bürgermeister waren zur Informationsveranstaltung gekommen, hier zeichnete sich vor allem ab, dass es auch unter den Gemeindevertretern zwei Meinungslager gibt. „Wir arbeiten nach hohem Sicherheitsstandart und einem hochkomplexen Prozess“, auch eine vernünftige Landschaftsplanung sei absolut vorgesehen, so der FG-Gars-I-Geschäftsführer aus Regensburg.

Die Bohrung nehme in der Tat ein breites Areal in Anspruch, weil neben dem eigentlichen Bohrplatz auch eine Sicherheitsfläche eingerichtet werde. Weil 2 Bohrungen vorgesehen seien, könne man die möglichen Beeinträchtigungen durch den Bohrvorgang auf 100 Tage je Bohrung, gesamt also 200 Tage festsetzen. Es werde ein 50 bis 60 Meter hoher Bohrturm aufgestellt, erklärten die Experten weiter. Auch in der Region gebe es bereits positive Geothermieprojekte, Waldkraiburg oder Kirchweihdach seien gut funktionierende Geothermieanlagen.

Rathauschef beendete Fragerunde abrupt

Nach den einzelnen Informationsreihen der anwesenden Experten lud Johannes Falk, der sich bürgernah zeigte, zu einer Diskussion ein. „Wir haben bereits viele Fragen, die Anwohner der Innwerksiedlung gestellt hatten, mit Antworten versehen und einen Katalog zum Durchlesen erstellt“, so Falk. Dennoch sei er gerne bereit, Fragen zu beantworten.

Die Fragen und Bedenken kamen schnell und teils gut ausgearbeitet. So wurde mehrmals die Sorge um das Trinkwasser im Ort laut, auch – dass die Landwirtschaft durch das geplante Wärmeprojekt sicher nicht gewinnen würde, ebenso wenig wie das Landschaftsbild. Einige Bürger zeigten sich besonders aufgebracht, wenn es um Planungen für die Geothermienutzung durch Gewächshäuser gehe. „Sie bringen uns weitere Industrie in unseren Ort, der eh schon so viel davon hat“, polterte ein Besucher. „Sie setzen uns keine rosarote Brille auf, denn wir möchten hier keine Geothermie, die uns Bürgern nichts bringt“ zog ein anderer Gast hinterher.

Auf den Punkt des Zukunftsdenkens, das die Experten stets in Szene setzten, wurde umgehend geantwortet: „Wir denken an die Zukunft unserer Kinder, weil wir an die Sicherheit unserer Kinder denken“, erklärte eine besorgte Mutter.

Die Wortmeldungen kamen aus den unterschiedlichsten Reihen, einzelne Gemeinderäte beteiligten sich an der Diskussion, andere wirkten zwar interessiert, aber leicht teilnahmslos. „Uns ist es Recht, wenn Sie alle mitreden bei diesem Projekt“ bekräftigte Johannes Falk die Besucher. „Aber bitte bleiben Sie konstruktiv“. Überwiegend blieben die Fragen und Sorgensätze sachlich, auch manche Emotion kam in die Aussagen mit ein. Johannes Falk und die anderen Experten zeigten viel Geduld und schauten nicht auf die Uhr.

Die Ernüchterung

Bürgermeister Norbert Strahllechner beendete aus heiterem Himmel die Diskussion. „Die Fragen laufen immer wieder auf dasselbe hinaus, darum ist jetzt Schluss“. Diese Aussage erhitzte die Gemüter erst Recht. „Viele Fragen wurden noch nicht gestellt, und nur weil einer unsachlich geworden ist, müssen die anderen Fragen in der Luft hängen. Sowas versteht sich also als Bürgermeister“, zeigten sich viele Mittergarser und Gars-Bahnhof-Bewohner äußerst wütend.

Johannes Falk versuchte, die Wogen zu glätten und bot sich weiter als Gesprächspartner an. „Ihre Fragen bleiben uns wichtig“ so Falk. „Es soll weitergehen, aber möglichst konstruktiv“ hieß es vom FG-Hauptverantwortlichen. Das Projekt Geothermie könne auch ohne Bürgerakzeptanz von Statten gehen, doch mit dem Segen der Bürger gelinge es für alle weitaus besser. „Konfrontieren Sie uns weiter mit Fragen, damit wir alles klären können“, versuchte Falk den Unmut der Bürger zu drehen.

Auf Anfrage hieß es, dass weitere Bürgerinformationsveranstaltungen folgen würden, dann, wenn der nächste Schritt erreicht sei: Das Ergebnis eines gefundenen Grundstücks beispielsweise.

„Wenn der Bürgermeister uns mundtot machen möchte, dann ist er nicht der richtige Vertreter für den Ort“, warf ein aufgebrachter Anwohner in den Raum.

Und das Gemeindeoberhaupt selbst? Wie steht er zu dem Projekt und was hat er dazu zu sagen? Die bekannte Antwort wurde erneuert: „Ich bin für alles offen, aber es darf natürlich kein Schaden oder Nachteil für die Gemeinde oder die Bürger entstehen“.

Quelle: innsalzach24.de

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