Uhren-Unikate aus alten Schallplatten

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Drei der 13 Köpfe von WallDisc vor einem ihrer Werke: Tim Rübsam (17, links), Giulia Wolff (15) und Sven Lehmann (17).
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Gars - Recycling mal anders: Garser Gymnasiasten bauen aus alten Schallplatten individuell gestaltete Wanduhren. Klingt ungewöhnlich - und findet reißenden Absatz.

Wer sich mit Giulia, Sven und Tim vom Schülerunternehmen "WallDisc" unterhält, hat vor allem diese eine Frage: Wie, um alles in der Welt, kommt man auf die Idee, aus alten Schallplatten individuell gestaltete Wanduhren herzustellen? Völlig lückenlos nachvollziehen können die Schüler ihren kreativen Prozess nicht mehr, eine Erklärungsversuch unternehmen die drei Gymnasiasten aber dennoch.

Die Wanduhren gibt's mit und ohne Ziffern.

Am Anfang stand der Gedanke, unbedingt etwas mit Recycling zu machen. "Das kommt gut an und lässt sich gut verkaufen", bringt es Tim (17) auf den Punkt. Anschließend habe die insgesamt 13 Schüler große Gruppe vom Gymnasium Gars verschiedene Ideen verglichen und darüber gesprochen, erzählt Giulia (15). Alle Ideen jedoch, ergänzt Sven (17), habe man dann wieder verworfen. "Irgendwann hat einer eingeworfen: 'Wanduhren!'", erinnert sich der 17-Jährige. Die Idee klang gut, doch nun stellte sich den Schülern die Frage, wie man Wanduhren mit Recycling verbinden könnte. Mit alten Jeans? Mit Schallplatten? Am Ende entschieden sich die Gymnasiasten für alte Schallplatten. Inzwischen haben sie rund 180 Exemplare zu Uhren umgebaut - und einen Großteil davon schon wieder verkauft.

"Irgendwann hat einer eingeworfen: 'Wanduhren'!"

Sven, Tim, Giulia und ihre zehn Mitschüler haben "WallDisc" im Rahmen ihres P-Seminars gegründet. Seit einigen Jahren müssen Gymnasiasten in der Oberstufe je ein W-Seminar und ein P-Seminar besuchen. Während das W-Seminar einen wissenschaftlichen Schwerpunkt hat, dient das P-Seminar der Studien- und Berufsorientierung. Nicht selten gründen Schüler im P-Seminar sogenannte Schülerfirmen. Zwar unterliegen diese gewissen Regeln und sind zeitlich begrenzt, dafür geht es aber um richtiges Geld.

Einige der Wanduhren sind mit einem Motiv verziert.

Das Startkapital für "WallDisc" haben die Garser Schüler von ihren Anteilseignern bekommen. Maximal 90 Menschen durften sich an der Schülerfirma beteiligen und jeweils genau einen Anteilsschein im Wert von zehn Euro zeichnen. Für Tim und seine Mitschüler war das aber mehr als genug. "Wir konnten erste Sachen damit finanzieren, erste Uhren sind verkaufsbereit", erzählt der 17-Jährige. Den Schülern kommt bei ihrer Unternehmung sehr entgegen, dass ihre Verwandten, Freunde und Bekannten Unmengen alter Schallplatten zu Hause hatten. Einer der Schüler hat sogar 320 Schallplatten auf einmal bekommen, erinnert sich Sven.

Bei den Platten handelt es sich nicht einmal um beschädigte Stücke - die Leute hören sie sich einfach nicht mehr an. "Wir verwenden keine defekten Platten und Platten mit Kratzern werden sofort aussortiert", sagt Tim. Dass ihre Quellen einmal versiegen, glauben die Jungunternehmer nicht. "Es gibt noch so viele Platten...", meint etwa Tim und Sven ergänzt, dass im Internet schon einmal hundert Platten für ein paar Euro angeboten würden.

"Wir wollen nicht auf Profit machen"

Dass sie aus Versehen mal ein Sammlerstück zu einer Wanduhr umbauen, fürchten die Schüler nicht. Sie verlassen sich darauf, dass die Vorbesitzer die Stücke wohlüberlegt hergegeben haben. Und wenn doch mal eine hochwertige Platte dabei ist? "Dann hat jemand halt eine hochwertige Uhr", scherzt Tim.

Den Recyclinggedanken beherzigten die Schüler auch bei der Verpackung: Die Wanduhren gibt's in einem Pizzakarton.

Dank geringerer Beschaffungs- und Herstellungskosten können die Schüler ihre Wanduhren - mal mit und mal ohne Ziffern, mal mit und mal ohne bunte Verzierung -  für einen Preis zwischen zehn und 15 Euro anbieten. Hinter dem niedrigen Preis steckt durchaus ein Konzept. Sven nennt es den "Wow-Effekt": Wenn die Uhren den potentiellen Käufern grundsätzlich gefallen, könnte der niedrige Preis den letzten Ausschlag zum Kauf geben, finden die Macher von "WallDisc". Außerdem wolle man "nicht auf Profit machen", erläutert Sven. "Wir wollen, dass es auch ein schönes Geschenk ist." Für den Verkauf haben die Jungunternehmer auf ihrer Schule eine Art Bestellservice für ihre Mitschüler eingerichtet. Außerdem sind sie auf verschiedenen Märkten in der Region vertreten.

"WallDisc" soll als richtige Firma fortbestehen

Mit "WallDisc" sind die Gymnasiasten beim Schülerwettbewerb von "Junior", einer gemeinnützigen Gesellschaft für ökonomische Bildung, dabei. Aktuell läuft der bayerische Landeswettbewerb, der Sieger darf sich bundesweit mit Schülerfirmen messen. Doch die Konkurrenz ist groß, denn Junior ist für alle Schulformen offen. Belohnung für das beste bundesweite Projekt ist die Teilnahme am EU-weiten Wettbewerb in London.

Junior bringt allerdings einige Einschränkungen mit sich. So dürfen die Schüler höchsten 15.000 Euro umsetzen und der Gewinn darf 5.000 Euro nicht übersteigen. Außerdem müssen die Garser "WallDisc" schon im Juni nächsten Jahres offiziell auflösen - sehr zum Leidwesen der Schüler. Schon jetzt machen sie sich Gedanken darüber, wie sie "WallDisc" als richtiges Unternehmen weiterführen können. Sven, Tim und Giulia wollen mit "WallDisc" unbedingt weitermachen und auch ihre Mitstreiter sind begeistert vom Unternehmertum. "Wir überlegen uns jetzt schon, wann wir uns das nächste Mal treffen, um nachzuproduzieren", erzählt Sven.

Schüler machen aus Schallplatten Wanduhren

Schon jetzt steht fest, dass "WallDisc" eine Erfahrung ist, die Sven, Tim und Giulia nicht missen möchten. "Wir haben gesehen, wie man so was auf die Beine stellen kann", sagt Giulia und Tim findet: "Jeder ist mal daran interessiert, wie es in der richtigen Wirtschaft aussieht." Ob es für "WallDisc" tatsächlich als richtige Firma weitergeht, ist Zukunftsmusik. Ein mögliches Vorbild für die Garser Gymnasiasten wäre "Kragü", einst drittplatzierte Schülerfirma beim Europafinale von Junior in London. Auch "Kragü" recycelt auf ungewöhnliche Weise: Dort funktionieren Jungunternehmer Krawatten zu Gürteln um.

Quelle: innsalzach24.de

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