Geothermie: Transparenz wollen alle

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Wird auch in Gars bald mit Bohrungen zur Geothermie begonnen? Die Gemeinderatssitzung brachte keine Klarheit, bei der bevorstehenden Bürgerversammlung sollen Details bekannt gegeben werden. Ein Termin hierfür steht nun fest.
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Gars – Rund um die mögliche Geothermie im Gemeindegebiet könnten die Meinungen nicht unterschiedlicher sein. Eines wurde bei der Gemeinderatssitzung klar: Mehr Transparenz muss her.

Während die einen sich kategorisch gegen ein solches Projekt stemmen, wittern andere Zukunftsperspektiven. Geothermie in Gars am Inn. Der Punkt steht auf der Liste einiger. Die Firma FG, die das Bergrecht erwarb, hat Gars auf dem Papier der gewünschten Standorte. Gars wird in einem Atemzug mit den anderen Projektgesellschaften, die von der FG-Unternehmensgruppe zentral gesteuert werden, genannt. Darunter Amerang, Schnaitsee, Seebruck und Kirchweidach. Letztere Kommune hat bereits die Geothermie im Ort, ein Gewächshaus entstand und nutzt die Wärme aus der Geothermie. Tomaten und Paprika werden dort angebaut.

Auch in Schnaitsee ist man schon ein wenig weiter als in Gars. Hier fand bereits eine Bürgerveranstaltung statt, die Firma FG hat Informationen über Standort und Planungen öffentlich erläutert.

Bürgerversammlung – Termin steht fest

In Gars sind die Planungen noch fern der Zielgeraden, doch die Gemüter sind erhitzt. Eine Gruppe von Anwohnern aus den Gemeindebereichen Gars-Bahnhof und Mittergars spricht sich gegen weitere Planungen für eine Geothermie in ihrem Wohnort aus, und hat dem Gemeinderat jetzt einen Fragenkatalog zukommen lassen.

Am Donnerstag, den 25. September um 19.30 Uhr findet im Dorfsaal Mittergars eine Bürgerversammlung zum Thema Geothermie statt.

Ängste und Unsicherheiten, zudem Klärungsbedarf - welche Risiken und Absicherungen es gebe, stecken in klar formulierten 23 Fragen, die alle Damen und Herren Gemeinderäte erhalten hatten.

Große Hoffnungen setzten die Anwohner aus der Innwerksiedlung und ihre Mitstreiter in die nun abgehaltene Gemeinderatssitzung. Der Sitzungssaal war gut gefüllt, viele Bürger interessierten sich für den Tagesordnungspunkt der Geothermie. Dann die nüchtern ausfallende Erklärung von Bürgermeister Norbert Strahllechner: „Für die Beantwortung der mehr als 20 Fragen ist es noch zu früh“. Das Gemeindeoberhaupt erklärte, dass er bislang von der Firma, die das Bergrecht und somit die Möglichkeit eines Geothermieprojekts in Gars erworben hat, keine näheren Details erfahren habe. Es bestehe Interesse am Standort Gars, doch ein verwendbares Grundstück gebe es bislang nicht, so Strahllechner in der öffentlichen Sitzung. Ihm sei lediglich bekannt , dass nach einem Grund gesucht werde. Eines stellte der Rathaus-Chef klar: „Dass wir, wenn es einmal soweit kommen sollte, vom Gemeinderat her, und auch ich als Bürgermeister, unwahrscheinlich dahinter sein werden, dass es für den Markt Gars, und im Besonderen für die Anlieger, wie eventuell die Bewohner der Innwerksiedlung, keine Nachteile geben darf, kann ich euch allen versichern".

In der Diskussion unter den Gemeinderäten gab es zwei Lager: Einige hinterfragten das Projekt Geothermie in Gars ebenso wie die möglicherweise betroffenen Anwohner, andere appellierten, sich auf die „zukunftsweisende Energiequelle“ einzulassen.

Einige Anwohner befürchten unter anderem Schäden an Häusern, ungewollte Erdbewegungen im Gemeindegebiet und eine mögliche Verunreinigung des Trinkwassers. In Staufen wird vermutet, dass aufgrund von Geothermie-Bohrungen Häuserrisse entstanden sein könnten.

Es kristallisierte sich heraus, dass das Gebiet für mögliche Bohrungen in Gars, sehr eingegrenzt ist. Bürgermeister Norbert Strahllechner informierte auf Anfrage eines Gemeinderats, dass im Bereich um Mailham Brunnen vorhanden seien, außerdem Wasserschutzzonen und –Einzugsgebiet, dies müsse in die Planungen um mögliche Bohrgrundstücke respektiert werden. Immerhin diese Aussage war ansatzweise eine Information, die besorgten Anwohnern zu erkennen gab, dass der Schutz auf das Trinkwasser, absolute Priorität für die Gemeindeverantwortlichen darstelle.

Einzelne Wortmeldungen von Rätinnen und Räten brachten hervor, dass grundsätzlich die Meinung bestünde, dass man in Gars doch nicht gegen alles sein dürfe. Es sei für nachfolgende Generationen eventuell sehr sinnvoll, eine neue Art von Energiequelle nutzen zu können.

Überhaupt nicht zur Sprache kam der Fakt, dass das Bergrecht vor dem Recht auf oberirdischen Besitz steht. Bergrecht könne auch eingefordert werden, heißt es von mehreren Seiten. Dieser Punkt wurde in der Gemeinderatssitzung in Gars nicht ein einziges Mal erwähnt.

Das Bundesberggesetz regelt die Interessenskonflikte zwischen dem Inhaber einer Bergbauberechtigung und den betroffenen Grundeigentümern. Somit hat der Grundeigentümer Anspruch auf Entschädigung, wenn er etwa sein Land für den Bau von Geothermieanlagen abtreten müsse. "Auch von möglichen Flurschäden, die durch Bohrungsarbeiten in anderen Kommunen verursacht wurden, war nicht die Rede", bemängelte ein Anwohner. Es schien alles auf Unwissenheit hinauszulaufen.

Zu den Fakten

Das Geothermieprojekt in Gars ist ein Besonderes. Gars weist eine deutlich geringere Wärme auf, als andere Gemeinden. Es wird in Gars lediglich zwei Bohrlöcher geben, heißt es auf Anfrage von wasserburg24.de von der Firma FG. 

Jedes Bohrloch benötigt verständlicherweise eine gewisse Arbeitszeit. Die Redaktion konnte in Erfahrung bringen, dass pro Bohrloch 100 Tage Arbeit veranschlagt werden. Im Fall Gars am Inn sind also 200 Tage Bauarbeiten vorgesehen, sollte ein Grundstück in Frage kommen. Hier entstünde Baulärm, was aber bei jedem anderen Bauvorhaben ebenfalls entstehen würde, heißt es von Seiten der zuständigen Experten.

Für Gars wäre ein Ansiedeln von Industrie möglich, um die Wärme aus dem Boden nutzen zu können. Ein Gewächshaus somit nicht ausgeschlossen.

Jetzt sollen Details auf den Tisch

In einem sind sich scheinbar alle einig: Zu dem Projekt Geothermie in Gars solle es mehr Transparenz geben. Informationen müssten her, die der Meinungsbildung dienlich sein könnten. Darauf pochten viele Gemeinderäte. Und auch den besorgten und skeptisch eingestellten Anwohnern ist es ein Anliegen, dass es eine Informationsveranstaltung geben werde.

Im Gespräch mit wasserburg24.de erklärte der Geschäftsführer der FG, Johannes Falk, dass er die Planungen zum Geothermiekonzept in Gars gerne allen Interessierten näher erläutern möchte. Bei der Bürgerversammlung am Donnerstag, den 25. September 2014 um 19.30 Uhr im Dorfsaal in Mittergars, sollen viele Fragen beantwortet und mehr Details weitergegeben werden. Die Anwohner der Innwerksiedlung sehen in dieser Bürgerversammlung allerdings wenig grundsätzliche Möglichkeit einer „neutralen Meinungsbildung“. „Wenn lediglich der Experte, der die Geothermie in Gars ausführen möchte, Erklärungen und Informationen weitergibt, ist das mehr als nur einseitig“ heißt es aus den Reihen der besorgten Bürger. Dennoch erhoffe man sich, dass mehr Licht ins Dunkel komme. Hier sind sich immerhin alle einig: Transparenz ist gefragt beim Thema „bevorstehende Geothermie in Gars am Inn“. Sowohl Bürgermeister, Gemeinderäte als auch Bürger fordern dies gleichermaßen ein.

Quelle: innsalzach24.de

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