Ein Gewinn für den Tourismus?

Hängebrücke zwischen Au am Inn und Mittergars

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So soll sie aussehen, die Hängebrücke über dem Inn zwischen Mittergars und Au am Inn.
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Gars - Eine Hängebrücke sorgt für Diskussion. Diese soll die beiden Orte Mittergars und Au verbinden. Ganz abwegig ist diese Verbindung nicht – galt doch bis Anfang der 1980er Jahre eine Fähre an genau der Stelle für eine jahrzehntelange Möglichkeit, den Inn zu passieren.

Ein direkter Weg, der den Tourismus fördern könnte und den Zusammenhalt der Ortschaften in der Gemeinde Gars stärken solle.

Max Voglmaier stellt die Ideen des Arbeitskreises vor

Ein gemeinsames Ding, das für die Region bedeutsam sein soll und für die Menschen besonders. Nicht nur die Idee ist schon geboren, auch die Machbarkeitsstudie wurde in Auftrag gegeben. Hier wird deutlich, welche Ausmaße das Projekt „Hängebrücke“ annehmen würde. Eine Breite von ungefähr 1,25 – 1,40 Meter wäre angedacht. Nicht ideal, um die Attraktion barrierefrei und somit für Rollstuhlfahrer passierbar zu machen. Das jedoch hat die Geschäftsführerin des Tourismus-Zweckverbandes Altötting-Mühldorf, Carolin Handel empfohlen. Bei einer Infoveranstaltung mit den Ideengebern, dem Dorfforum Mittergars und einiger Mitstreiter aus dem Arbeitskreis „Hängebrücke“ (mit dabei Vertreter der einzelnen Ortsteile sowie Gemeinderäte) schwärmte Handel von der Aufwertung, die diese Hängebrücke für den Tourismus darstellen könnte.

Besonders Radfahrer würden die Region völlig neu entdecken können, so Handel. Der Innradweg würde eine neue Strecke bekommen, um auch einen der schönsten Fleckerl im Gemeindegebiet, wie es Vertreter des Dorfforums anpriesen, sehen zu können.

Die Rede ist von Au am Inn – einem Idyll mit dem geschichtsträchtigen Kloster, das die Franziskanerinnen ihr Eigen nennen. Während bislang Radfahrer den Innradweg über die normale Innbrücke und Bergholz entdeckt hatten und Gars und Au mehr ausgespart worden waren, sollen die Radler zukünftig auf die Strecke über Gars nach Au und dann entlang der Hängebrücke gelotst werden, um in Mittergars anzukommen.

Manche lieben die Idee, andere hassen sie

Die Idee kommt unterschiedlich gut an. Während sich viele mit der Idee anfreunden können, die insbesondere das Dorfforum Mittergars entschieden vorantreiben will, sehen etliche Bürger Defizite in der Finanzierung, die nicht ganz in trockenen Tüchern zu sein scheint. „Wenn es nicht von vielen getragen wird, dann wird es nichts“, betonte Max Voglmaier, der als Sprecher des Dorfforums Mittergars das Projekt genauer vorstellte.

Statiker Paul Nessler erläutert die Machbarkeitsstudie

Mit Hilfe des Statikers Paul Nessler, der die Machbarkeitsstudie näher erläuterte, bekräftigte Voglmaier, dass diese Hängebrücke – die nur 100 Meter westlich der früheren Fährstelle Platz finden könnte – viele Vorteile mit sich brächte. „Wir haben hier eine herrliche Landschaft und die Wirtschaftskraft könnte gestärkt werden“, so der Dorfforums-Sprecher. Emotionales Erlebnis spüren Nessler führte auf, dass es eine besondere Attraktion sei, die hier entstehen könne. „Es ist ein emotionales Erlebnis, diese Brücke dann zu nutzen“, so Nessler. Er reagierte auf die Frage, wie sehr die Hängebrücke schwanken würde und ob ein solches Bauwerk als besonders unfallträchtig angesehen werden müsse. „Definitiv nicht“, so Nessler.

Der Statiker nannte weitere Kommunen, die durch eine Hängebrücke an Attraktivität gewonnen hätten und betonte, dass man nur wenige Monate für den Bau des Projekts brauchen würde. Vorausgehend jedoch seien die Regelungen der Finanzierung und das Einholen der Genehmigungen.

Immerhin satte 800.000 Euro würde das Projekt verschlingen. Eine Summe, die nicht allein von der Gemeinde, die laut Arbeitskreis „Hängebrücke“ als Betreiber fungieren solle, kommen kann. Ein sanfter Tourismusgedanke, der möglicherweise am fehlenden Geld scheitert?

Es wird fleißig diskutiert bei der Infoveranstaltung im Mittergarser Dorfsaal

Die Möglichkeiten einer Förderung könnten in vielerlei Richtungen gehen. So hat Staatskanzleichef Dr. Marcel Huber zugesagt, dass 150.000 Euro an Förderung durch das Umweltministerium möglich seien. Das Wirtschaftsministerium allerdings lasse keine zusätzlichen Euros springen, stand nach kurzer Rückfrage fest.

Auch der Landkreis könnte möglicherweise zuschießen, Landrat Georg Huber sprach dem Projekt viel Sympathie aus, trat jedoch den Planungen realistisch nüchtern gegenüber. Auch die Förderung durch das sogenannte LEADER-Programm sei nicht auszuschließen.

Der Geschäftsführer des Mühldorfer Netz e.V., Sascha Schnürer, erläuterte den Gemeinderäten, dass die Gemeinde Gars als Mitglied Förderungen beantragen könnte. Maximal 200.000 Euro seien möglich, und nicht unbedingt die Höchstsumme könnte erwartet werden, weil das Projekt eine lange Prüfung durchlaufen werde.

Wohl fest stehen würde, dass das Projekt „Hängebrücke“ eine Chance auf Förderung hätte. Die Vision sei, dass ein gefördertes Projekt Teilhabe für Alle bedeute. Ein sogenannter Lenkungsausschuss empfehle eine LEADER-Fördermöglichkeit und konkretisiert mit den Beteiligten die Idee und Strategie. Schnürer zeigte auf, dass es Ziel des Mühldorfer Netz e.V. sei, die regionale Entwicklung voranzutreiben. 90 Kommunen im Landkreis Mühldorf seien mit dabei und könnten aus dem Fördertopf schöpfen, um eigene Projekte entstehen zu lassen.

Oftmals sei es Ziel, den Tourismus auf gesunde Füße zu bringen, so Schnürer. Voraussetzung sei, dass das Projekt noch nicht begonnen wurde, man hätte mit der Planung der Hängebrücke jetzt Möglichkeit der Anmeldung für eine Förderung, so Schnürer.

Der Landkreis Mühldorf gilt im Netz des LEADER-Förderprogramms als Gebiet mit besonderem Handlungsbedarf. Ob man tatsächlich 200.000 Euro Fördersumme erhalten könne für die Hängebrücke, konnte Schnürer nicht bestätigen, er verwies auf die Entscheidungsgewalt des Lenkungsausschusses, dem er nicht vorweggreifen wolle.

„Zur Attraktion fehlt noch die Gastonomie“

Bei der Infoveranstaltung im Mittergarser Dorfsaal trafen Kritiker und Befürworter aufeinander. Während zahlreiche Mitglieder des Arbeitskreises, der bereits seit mehr als einem Jahr aktiv an der Idee feilt, anwesend waren, galt der Abend auch als interessante Plattform für all diejenigen, die das Projekt hinterfragen und als nicht ganz stimmig bezeichnet hatten.

So zweifelte ein Anwohner aus Au am Inn, ob die Klärung der Grundstücksfläche, die für die Zufahrt zur Brücke und den neuen Verlauf des Innradweges gebraucht würde, bereits schon begonnen sei. Ein weiterer Bürger spottete, dass man mit der Hängebrücke dann zwar eine Touristenattraktion im Gemeindegebiet hätte, man aber die Touristen, die Radfahrer und die weiteren Gäste nicht einmal kulinarisch versorgen könne, weil im Gemeindegebiet keine Gastronomie vorhanden sei. „Da sind die Bürgersteige raufgeklappt und nichts ist hier für Gäste geboten. Ein Trauerspiel“, fand der Hobbyfischer.

Dr. Anton Dimpflmaier vom Kloster Gars erklärte, dass die annähernd 2.000 Lehrer, die nach Gars jedes Jahr zur Fortbildung kommen würden, durchaus von der Attraktion Hängebrücke zehren würden. „Manchmal muss man etwas investieren, weil es sonst keine Weiterentwicklung geben kann. Wenn man nichts tut, wird es auch teuer“, so Dr. Dimpflmaier.

Der zweite Bürgermeister der Gemeinde Gars, Georg Thanner, betonte, dass der Bau der Brücke einpositiver Impuls für die Gemeinde und den Tourismus wäre. Den Skeptikern brachte Thanner die Worte entgegen: „Ein Austausch ist wichtig und ein Zusammenhelfen auch, dann kann ein solches Projekt stabil werden und das Gemeindeleben bereichern“. Nur wer Mut habe, komme voran, so der zweite Bürgermeister weiter.

Bereits im Jahr 1930 hätte es die Idee einer Brücke gegeben, betonte Max Voglmaier. Damals jedoch hätte die Gemeinde Au abgelehnt, weil man dem damaligen Fährmann nicht die Existenz nehmen wollte. Die Gemeinde Mittergars sei dem Projekt auch damals bereits offen gegenübergestanden. „Wir sollten mehr Gemeinschaftssinn haben und wegkommen vom Kirchturmdenken“, motivierte Voglmaier die Anwesenden. Er begeisterte mit vielen Bildern aus der Umgebung und mit einer Darstellung, wie die Hängebrücke über dem Inn aussehen würde.

Der Statiker, Paul Nessler, erklärte anhand eines Längenschnitts, wie aufwändig die Bauweise die Brücke zum Tragen brächte. Es werden Pilonen angebracht und die 2-Seil-Hängebrücke daran befestigt. Eine Spannweite von 150 Metern solle die Brücke zwischen Au am Inn und Mittergars haben, so der Tragwerksplaner. Mit einer ungefähren Breite von gut 1,25 Meter werde aktuell geplant. Ein Geländer aus Edelstahl-Maschen solle den Laufsteg absichern, fügt Nessler hinzu. Das fertige Brückenprojekt sei beinahe wartungsfrei, so der Statiker. Es sei eine schöne Alternative zum bestehenden Verlauf des Innradweges, sprach sich auch Nessler für das Projekt aus.

Trotz der möglichen Förderung in Höhe von im Bestfall 400.000 Euro bleibt die Hälfte der Kosten noch immer bestehen. Einen Teil solle die Gemeinde übernehmen, zeigte sich der Arbeitskreis überzeugt.

Ein Teil wäre möglicherweise durch projektbezogene Eigenleistung, wie etwa Spendenaktionen, Veranstaltungen und Feste reinzubekommen, schlug Voglmaier vor. Des Weiteren könnte man eventuell ein zinsloses Darlehen von der Gemeinde erhalten. Vorschläge, wie man zu weiteren Einnahmen kommen könne, hatte der Arbeitskreis ebenfalls.

Fahrkarte für die Brückennutzung?

So solle möglicherweise eine Art Nutzungsgebühr entstehen. Eine Vignette für Radler und Fußgänger, die diese Attraktion nutzen wollen, könnte Geld in die Hängebrücken-Kasse spülen. Ob es in der Gemeinde Gars tatsächlich zu dem Projekt Hängebrücke zwischen Au am Inn und Mittergars kommen werde, steht noch nicht fest. Doch nach intensiver Prüfung der Finanzierungsmöglichkeiten könnte der Gemeinderat noch 2016 eine Entscheidung treffen, ob Gars einen Laufsteg bekommt und somit in der Region eine weitere Attraktion zum Ausbau des sanften Tourismus entstehen werde.

Das sagt Dr. Marcel Huber dazu

„Eine Fußgänger- und Fahrradbrücke über den Inn halte ich für eine hervorragende Idee. Ich sehe sie als doppelte Chance, für die Menschen im Ort und zugleich für Touristen, die z. B. vom zukünftigen Inn-Radweg unkompliziert auf die andere Inn-Seite wechseln und so ihr Besichtigungsprogramm mit der wunderschönen Auer Kirche erweitern können. Schon als Umweltminister habe ich mich deshalb für ein solches Projekt eingesetzt. Nach aktueller Auskunft des Umweltministeriums ist auch weiterhin eine finanzielle Unterstützung in Höhe von 150.000 € möglich. Dieses Geld ist aus meiner Sicht gut angelegt und mit einer bleibenden Aufwertung für die Region verbunden“. (Marcel Huber)

Was hält Bürgermeister Norbert Strahllechner davon?

„Eine Hängebrücke ist eine tolle Möglichkeit, das Gemeindegebiet aufzuwerten und sanften Tourismus voranzutreiben. Ich danke allen, die sich bisher so für die Sammlung von Fakten und die Entstehung erster Planungen einsetzen für dieses Projekt. Mit solch einer Attraktion würde die Gemeinde weiter an Bekanntheit gewinnen und Anziehungspunkt für Besucher werden. Auch der weitere Ausbau von Angeboten rund um die Versorgung von Touristen könnte dadurch vorangetrieben werden. Der Punkt der Finanzierung allerdings macht mir schon noch leichte Sorge. Wir als Gemeinde können nicht ungebremst hier Mittel zur Verfügung stellen. Wir beteiligen uns aber natürlich gerne in besonderem Maße an den Kosten. Doch es fehlt noch an weiteren Finanzmitteln, um das Projekt tatsächlich entstehen lassen zu können. Der Gemeinderat wird sich mit vielen Fragen auseinandersetzen müssen“. (Norbert Strahllechner)

Meinung von Landrat Georg Huber

„Die Idee der Brücke über den Inn finde ich für unseren familienfreundlichen Landkreis hervorragend. Unsere naturliebhabenden Bürgerinnen und Bürger und besonders Radfahrer können den Landkreis und die gesamte Region damit noch besser kennenlernen. Ich bin sicher, dass so eine Brücke als touristische Neuheit Gäste aus nah und fern anziehen wird. Eine finanzielle Beteiligung des Landkreises hängt davon ab, ob das Projekt tatsächlich auf die Füße gestellt werden kann und zum Tragen kommt.“ (Georg Huber)

Quelle: innsalzach24.de

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