Bibel vs. Koran: Gibt es gleiche Ansichten? 

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Pfarrer Ulrich Bednara, evangelische Pfarrerin Ruth Nun und Imam Hasan Cecik tauschen sich mit Interessierten aus. Wie weit entfernt sind Bibel und Koran tatsächlich?
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Lengmoos – Eine alte Mühle war Kulisse für einen Gedankenaustausch unter Interessierten. Es entstand eine interkulturelle Diskussion. Wie nah stehen sich Bibel und Koran tatsächlich?

Ein Dialog der zum aktuellen Alltag passt. Sichtweisen austauschen, offen sein für Ansichten anderer Menschen, die eigenen Grundprinzipien jedoch nicht außer Acht lassen. Mitten in Lengmoos, in einer alten Mühle kam es zur interkulturellen Diskussion. Mit dabei waren der katholische Pfarrer Ulrich Bednara, evangelische Pfarrerin Ruth Nun aus Haag und Imam Hasan Çiçek aus Wasserburg.

Hinhören, Unterschiede annehmen, Dialog mit Respekt gelingen lassen. Sowohl entspannte, als auch angespannte Momente gab es während der Debatte, des Meinungsaustauschs und der Erkundung der anderen Religion in der alten Mühle in Lengmoos. Mit im großen Boot am Samstagabend waren die evangelische Pfarrerin aus Haag, Ruth Nun, der verantwortliche Pfarrer des Pfarrverbands Gars, Ulrich Bednara sowie der muslimische Imam Hasan Çiçek aus Wasserburg.

Gedankenaustausch zum Thema Glauben in Lengmoos

Neben Situationen, Dingen und Ansichten, die alle Religionen gleichermaßen betreffen, gab es Punkte, Themen, die jeden der Anwesenden bewegten und interessierten, aber zu spezifischen Fragen wurden. Es kristallisierten sich sowohl die Gleichheiten heraus, als auch die Unterschiede der Religionen - im Speziellen derjenigen Religionen, die durch die Vertreter der Katholischen sowie Evangelischen Kirche als auch des Islam beim Diskussionsabend in der alten Mühle in Lengmoos anwesend waren.

Viele Unterschiede, tatsächlich auch gleiche Richtungen?

Wie steht es mit der Auslegung des Korans, wie sieht man die Menschenrechte im Islam, insbesondere die Stellung der Frau? Die Klischees jeder einzelnen Religion, die Vorurteile, das, was beschäftigt und im aktuellen Alltag für Eindrücke hinterlässt. „Die Frauen haben im Islam eine sehr hohe Wertung“ erklärt Imam Hasan Çiçek. So sei es insbesondere auch wichtig, die eigene Mutter zu ehren, die einem das Leben schenkte und viele mögliche Komplikationen in Kauf nahm. Immer wieder kam zur Sprache, dass im Islam keine Unterdrückung junger Mädchen oder Frauen jeglichen Alters vorgesehen sei. Jedoch sei man darauf bedacht, die Frauen zu schützen. „Es gilt aber als sehr ansehnlich, wenn die Mädchen gut ausgebildet werden“ heißt es von den anwesenden Vertretern der türkisch-islamischen Kirchengemeinde aus Wasserburg. Die Vorurteile der Menschen gegen den Islam könne von gläubigen Menschen oft nicht verstanden oder aufgeklärt werden. Die Unterdrückung der Frauen sei strittig.

Pfarrerin hob Zeigefinger

„Tatsächlich sehe ich viele zutreffende Klischees, und ich finde es schrecklich, dass dies oft schon im jungen Schulalter abläuft“ warnt Pfarrerin Ruth Nun. Sie erlebe es beispielsweise im Schulalltag, wie abwertend muslimische Jungen mit Mädchen umgehen, und dass hier dem weiblichen Gegenüber wenig Wertschätzung entgegengebracht werde. „Das ist klar ein Erleben und kein Vorurteil“ so Nun. Grundsätzlich ging es an diesem Diskussionsabend viel um Erfahrungsaustausch. Um die Eindrücke, die man im Alltag von anderen Religionen und Kulturen erhält. Klar zum Thema gemacht wurde dabei auch der „Terror unter Glaubensflagge“. Hier schien man sich unter allen Anwesenden einig zu sein. „Wenn ein Mensch einen anderen tötet, hat das nichts mit Religion zu tun“ zeigt sich die türkisch-islamische Vertreterin aus Wasserburg überzeugt. Sollte jemand erklären, er töte im Namen Allahs, sei diese Person kein Moslem, betonte auch Imam Çiçek.

Es sei die größte Sünde, einen Menschen zu töten, seien sich die Gläubigen durchwegs einig. „Ein Terrorist, egal welcher Glaubensrichtung, ist ein Terrorist, es habe nie wirklich etwas mit Religion zu tun“.

Nach dem Abend rund um den eigenen Glauben und dem der anderen zeigten sich viele Anwesende sehr bereichert von den Informationen der unterschiedlichen Glaubensrichtungen. „Eine Fortsetzung ist nicht ausgeschlossen, weil unser Alltag immer wieder neue, hochinteressante und aktuelle Fragen und Ansichten aufbringt. Solche Themenabende mit offenem Informationsaustausch zeigen uns allen den Blickwinkel unseres Gegenübers auf und helfen, zu verstehen“, so Ulrich Bednara aus Gars abschließend.

Quelle: innsalzach24.de

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