Von Haag in die Gardehochburgen

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Gardetänzerin war, Gardetrainerin ist, Marketenderin war und dann die erste Frau als Kasperl ist bei den Schäfflern Karin Lipp. Foto bauer

Haag - "Fischer Handschuhe" galten einst als Qualitätsmarke in ganz Deutschland und Europa. Das Unternehmen baute genau vor 50 Jahren im Haager Westen.

Es entstand ein modernes Betriebsgebäude auf einer Fläche von 5000 Quadratmeter. Heute ist nichts mehr davon zu sehen, aber die Firma gibt es. Karin Lipp, engagiert bei den Carambas und erste Frau als Kasperl bei den Schäfflern.

1996 starb Gustav Fischer völlig unverhofft. Schwiegersohn Karl Köstler führte mit Karin Lipp das Unternehmen weiter. 1997 bezog Karin Lipp dann eigene Räumlichkeiten als alleinige Chefin der Firma. Das alte Fischer-Gebäude wich dem neuen Supermarktgelände mit "Netto" und Fitnesscenter. Produktion und Versand erfolgten heute im kleineren Rahmen, so Karin Lipp. Sie hat vier Mitarbeiter. Die Ware wird in Griechenland hergestellt. Handschuhe bilden aber nach wie vor den Schwerpunkt, hauptsächlich für den Arbeitsschutz. Zu einem kleinen Teil spielen aber auch Brautmode und Dessous ein Rolle im Geschäft von Karin Lipp. Ab 1957 gehörte "Hagena" zu Fischer, eine Firma die Damenunterwäsche anfertigte, später in Haag die etwas verpönte Sexwäsche "Hagena". Karin Lipp veränderte diese Produkte in Spitzenhöschen für Tänzer. Sie gehen heute von Haag aus zu den Gardemädchen in die Faschingshochburgen nach Düsseldorf, Köln, Mainz bis nach Holland. "Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht", sagt Karin Lipp, einst Tänzerin bei den Carambas.

Als Lehrmädchen hatte wie 1981 bei Fischer begonnen. 1989 tanzte sie bei den "Carambas", 1998 trainierte sie die "Großen". Heute leitet sie die "Kids" und freut sich besonders, dass ihr siebenjähriger Sohn Valentin mitmacht.

1991 trat sie den Schäfflern als Marketenderin bei. Dann kam das "absolute Novum" für Haag: eine Frau wurde Kasperl. "Das hat lange Beratungen erfordert", so Karin Lipp, die an manchen Wochenenden Spitzenhöschen, Schäffler und Gardetanz vereinen muss.

Gustav Fischer stammte aus dem Egerland, wo schon sein Vater eine Handschuhfabrik besaß. Er musste seine Heimat 1947 verlassen. Die Nachfrage stieg, das Haager Unternehmen erschloss "Absatzmärkte in aller Welt". Dazu kamen modernste Maschinen, um Handschuhe nach eigenen Entwürfen vom Rohgarn bis zur Fertigung "in allen modischen Variationen" herzustellen. Als sich 1957 das Unternehmen "Hagena" anschloss hatte die Firma Fischer mit Wirkerei, Näherei, Versand, Verwaltung und Lager auf fünf Betriebsstellen erweitert.

Zur Haager Zentrale kamen Zweigstellen in Waldkraiburg, Neumarkt und Grafenau, wo ausschließlich Handschuhe in Produktion gingen und Haag wurde die Hochburg für Dessous. Fischer beschäftigte damals 600 Personen und versandte pro Monat 300000 Paar Handschuhe, die nach damaliger Ansicht zum "modischen und nützlichen Requisit der gut angezogenen Welt" gehörten.

Die 15000 Quadratmeter, die heute mit "Netto" und Fitnesscenter besetzt sind, durchquerten damals die Brander Straße und eine Wasser- und Hochspannungsleitung. Bürgermeister Preßl setzte mit dem Gemeinderat alles daran, dass die Voraussetzung für die Ansiedlung der Firma gegeben wurde, stand doch schon die Auslagerung zur Debatte. Letztendlich konnte er froh verkünden, dass sich die Haager ihren "Fischer wieder gefischt" hätten. Der Verwaltungsbau umfasste Keller und vier Obergeschosse, der Betriebsbau war mit Aufenthaltsraum und sogar Klimaanlage ausgestattet. Letztere sollte nicht nur den Menschen, sondern auch dem Material zugute kommen.

Daneben baute Fischer zwei Wohnblöcke für Mitarbeiter. Das Richtfest feierten 100 Geladene im "Hofgartensaal". Nach den Klängen der Reiter Kapelle sprach der Bürgermeister von Weitsicht für den Ort. Handschuh Fischer galt damals als der "leistungsfähigste Betrieb seiner Branche in der Bundesrepublik".

xy/Wasserburger Zeitung

Quelle: innsalzach24.de

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