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Reithof bei Kirchdorf: Michaela Herzog fragt sich, wie sie die Corona-Zwangspause überleben soll

Michaela Herzog betreibt einen Pferdehof in Tritschenöd bei Kirchdorf.
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Michaela Herzog betreibt einen Pferdehof in Tritschenöd bei Kirchdorf.

Sie betreut auf ihrem Reithof 22 Pferde, darunter Gnadenbrotpferde und alte Schulpferde, und verdient seit zwei Monaten keinen Cent. Michaela Herzog (38) verzweifelt in Kirchdorf bei Haag aber auch an der Bürokratie. „Reserven vom letzten Jahr sind keine mehr da“, sagt sie, „übrig bleiben Existenzängste, Verzweiflung und Wut.“

So erlebt Michaela Herzog (38) auf ihrem Reithof in Kirchdorf bei Haag ihre Corona-Zwangspause: „Für eine Reitschule ist es oft nicht leicht zu überleben, vor allem wenn man die alten Schulpferde nicht entsorgt, sondern wenn sie bis zu ihrem Lebensende am Hof bleiben dürfen. Oft sind die Tierarztkosten sehr hoch oder das Wetter über lange Zeit schlecht. Doch wenn man danach eben bisschen mehr arbeitet und planen kann, dann klappt das schon immer.


Ich habe also seit sieben Wochen keinen Cent Geld mehr verdient. Natürlich fressen die Pferde aber weiter, brauchen einen Tierarzt und wollen bewegt und versorgt werden.

Michaela Herzog, Reithof-Betreiberin aus Tritschenöd

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Ja, und dann kam Corona. Zwei Monate Lockdown im Frühling. Da durften gar keine Reitstunden gegeben werden, und Kurse fanden nicht statt. Dann waren ziemlich schnell wieder nur Einzelstunden erlaubt, ab Oktober waren dann ständig viele in Quarantäne, bis dann Mitte Dezember wieder gar nichts mehr ging. Reserven vom letzten Jahr sind also keine mehr da.

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Nachdem ich beim harten Lockdown schließen musste, falle ich in Überbrückungshilfe drei. Und jetzt kommt der Haken: Hier kann man noch nicht mal den Antrag stellen. Ich habe also seit sieben Wochen keinen Cent Geld mehr verdient. Natürlich fressen die Pferde aber weiter, brauchen einen Tierarzt und wollen bewegt und versorgt werden. Es ist nichts mehr da, und ich frage mich wirklich, wie es sein kann, dass man nach sieben Wochen noch nicht mal einen Antrag stellen kann.

Tierarztkosten kann man eventuell gar nicht geltend machen. Übrig bleiben Existenzängste, absolute Verzweiflung und immer mehr Wut und absolutes Unverständnis. Mir ist es wichtig dies den Leuten mitzuteilen, weil es ganz viele gibt, die absolut allein und ohne Geld dastehen und nicht mehr wissen, wie es weiter geht.“

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