Schätz und Bürgermeisterkollegen appellieren an Kreistag Mühldorf *Mit Voting* 

Haager warten vergeblich auf Bus: "Wir werden immer vergessen"

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Haags Bürgermeistern kämpft für einen besseren ÖPNV im Landkreis Mühldorf und Altandkreis Wasserburg. 
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Haag in Oberbayern - "In Haag geht ohne Auto gar nix" - so lautet die Erkenntnis des Treffens von Kreisräten und Bürgermeistern aus der Umgebung sowie Vertretern des Mühldorfer Landratsamts bei der ÖPNV-Veranstaltung der Marktgemeinde im Bürgersaal am Montagabend.

"Wir haben seit Jahren einen erheblichen Bedarf an Verbesserungen in unserem Gebiet", betont Haags Bürgermeisterin Sissi Schätz zu Beginn der Informations- und Diskussionsrunde über den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Zu der hat sie Bürgermeister aus dem westlichen Landkreis Mühldorf, dem nördlichen Landkreis Rosenheim und dem südlichen Landkreis Erding sowie Mitglieder des Mühldorfer Kreistags geladen. 

"Haag ist nicht das Zentrum, aber wir sind ein Teil davon" 

"Wir werden immer vergessen", wettert Schätz in punkto ÖPNV und trifft damit den Tenor der beteiligten Gäste. Und: "Das muss ein Ende haben." 

Heide Schmidt-Schuh ist Vorsitzende des Haager Vereins "Agenda21 Haager Land". 

Gemeinsam mit Heide Schmidt-Schuh, der Vorsitzenden des Vereins "Agenda21 Haager Land" wurde eine Unterschriftenaktion ins Leben gerufen, die eine bessere ÖPNV-Anbindung innerhalb und außerhalb des Landkreises Mühldorf fordert. Beinahe 1.500 Unterschriften sind dabei zusammengekommen. "In Haag geht ohne Auto nix. Als zentraler Ort in Richtung Rosenheim, Landshut, Mühldorf und München sind wir nahezu abgenabelt", prangert Schmidt-Schuh am Montagabend an. "Wenn wir etwas langfristig verbessern wollen, müssen wir über die Landkreisgrenzen hinausgehen. Haag ist nicht das Zentrum, aber wir sind ein Teil davon." 

Albachings Bürgermeister: "Ein einheitlicher Takt würde uns helfen" 

Ähnlich sehen das die Bürgermeister aus dem Haager Land und dem Altlandkreis Wasserburg, wie Albachings Bürgermeister Franz-Xaver Sanftl betont: "Wir hatten immer eine gute Verbindung nach Haag - viele fahren dort hin zum Einkaufen. Wir haben einen Filzenbus, der allerdings mit hohen Kosten verbunden ist, nur damit wir von A nach B kommen. Ein Bus, der stündlich fahren würde, wäre für uns ein Erleichterung. Die Busse fahren sonst bei uns nur in der Früh und am Abend, ein einheitlicher Takt würde uns sehr helfen." 

Soyens Bürgermeister: "Die Liga Nord wird vergessen" 

Karl Fischberger, Bürgermeister aus Soyen, pflichtet seinem Kollegen aus Albaching bei: "Wir dürfen zwar nicht jammern, denn wir sind für unsere Verhältnisse gut angebunden. Trotzdem sehen wir Defizite: Im Rosenheimer Landkreis gibt es die Liga Süd und Nord - wir stellen die Liga Nord dar im Wasserburger Altandkreis und die wird regelmäßig vergessen. Das zeigt sich schon in Wasserburg.

Das Problem mit dem Nahverkehr zeige sich beispielsweise, wenn ein Soyener nach München fahren möchte, da gebe es nur eine tragbare Verbindung über Haag. Fischberger dazu: "Es kann doch nicht so schwer sein, hier etwas zu verbessern. Arbeiten die beiden Landratsämter Rosenheim und Mühldorf denn nicht zusammen?" 

Eine Kritik, der sich Marie-Theres Probst vom Mühldorfer Landratsamt verwehrt: "Wir arbeiten sehr wohl zusammen, auch Rosenheim hat einen Nahverkehrsplan und ein Zielnetz. Das Problem ist eher die Konzession, durch deren Vertragslaufzeit sind die jeweiligen Unternehmer zehn Jahre gebunden und haben das Recht zu fahren. In Mühldorf ist die Konzession Ende 2019 abgelaufen, weswegen wir nun etwas ändern können. Die Konzession für die Verbindung Haag-München hingegen läuft noch bis 2027." Auch deswegen hat sich die Stadt Mühldorf im April bereits mit einem neuen ÖPNV-Konzept auseinandergesetzt. 

Die ÖPNV-Situation im Landkreis. 

Schwindeggs Bürgermeister: "Zur Not die Kreisumlage erhöhen" 

Josef Kirchmaier ist Bürgermeister von Maitenbeth und wettert: "Es kann nicht sein, dass unser Landkreis im Stich gelassen wird. Freilich kostet ein funktionierendes ÖPNV-Konzept Geld, aber so kann es auch nicht weitergehen, und es wäre bitter, würde es an den Kosten scheitern." 

Alfons Linner, Bürgermeister aus Kirchdorf bei Haag erläutert: "Uns fehlen Querverbindungen nach Kirchdorf - für den Wirtschaftsraum stellt das ein großes Problem dar. Wichtig ist uns, alle vier Seiten anzubinden." 

Dr. Karl Dürner, Bürgermeister von Schwindegg, kritisiert: "Wir als Kommunen werden gerüffelt, dass wir zusammenarbeiten und keine Kirchturmpolitik betreiben sollen. Wir möchten aber wissen, was die Nachbarlandkreise treiben und wollen dabei sein. Zur Not muss eben die Kreisumlage erhöht werden, um die Kosten zu stemmen, aber mit dem ÖPNV finanzieren wir in die Daseinsvorsorge für künftige Generationen. Wir haben sonst keine Chance mehr hinterherzukommen."

Im Haager Bürgersaal diskutierten die Beteiligten, wie die Anbindung des Haager Lands an den Busverkehr langfristig verbessern werden könnte. 

Hintergrund der Debatte: 

Die Landkreise Mühldorf und Rosenheim erarbeiten derzeit Nahverkehrskonzepte. Im Zuge der Planungen wird sichtbar, dass es innerhalb der Landkreise große Defizite gebe, jedoch noch größere Mängel bei landkreisübergreifenden Verbindungen zu beklagen seien. 

Schätz erklärt dazu: "Was bei Bahn- und überörtlichen Straßenplanungen selbstverständlich ist - nämlich ein Netz aufzubauen - scheitert bei den Busverbindungen an den Landkreisgrenzen. Diese Probleme bekommen wir im Randbereich des westlichen Landkreises Mühldorf besonders zu spüren, da es überhaupt keine funktionierende Nord-Süd-Verbindung zwischen Erding und Rosenheim gibt, die Verbindung in den Landkreis Ebersberg dürftig und auch die Anbindung an München verbesserungswürdig ist." 

Das langfristige Ziel: 

Um etwas zu verbessern, hat die Haager Bürgermeisterin federführend mit der Agenda 21 Haager Land eine, wie sie es nennt, Resolution gestartet. Sie fordert, dass die Mühldorfer Kreisräte in ihrer Sondersitzung am 24. Mai eine Zusammenarbeit der Landkreise für einen besseren ÖPNV herbeiführen. 

In das Zielnetz der Landkreise Mühldorf, Rosenheim und Erding soll aufgenommen werden: 

  • Eine Busverbindung von Wasserburg-Bahnhof über Rechtmehring, Albaching und Haag nach Dorfen in Form eines Stundentakts während der Woche und eines Zwei-Stunden-Takts am Wochenende sowie die Anbindung an die Bahn. 

In das Zielnetz des Landkreises Mühldorf soll aufgenommen werden: 

  • Die Verbesserung der Linie 9410 Gars-München in Bezug auf zusätzliche Haltestellen an der U-Bahn Messestadt-Ost, eine zeitliche Abstimmung mit der neuen Buslinie nach Mühldorf sowie mindestens einen Stundentakt während der Woche sowie einen Zwei-Stunden-Takt am Wochenende. 

Die Verhandlungen der Landkreise müssen zeitnah erfolgen, damit die neue Linie zügig in Angriff genommen werden könne. Da diese Linie neu sei, könne sie ausgeschrieben werden, ohne Konzessionslaufzeiten abwarten zu müssen.

Mehrheitlich begrüßen die anwesenden Bürgermeister sowie Kreistagsmitglieder den Vorschlag aus Haag. "Ich werde definitiv einen Antrag stellen im Mai", zeigt sich Schätz am Ende kämpferisch in Hinblick auf die bevorstehende Kreistagssitzung. "Das Thema besseres ÖPNV-Konzept ist nicht neu, aber bis jetzt hat es keinen interessiert.

mb

Quelle: innsalzach24.de

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