Sanierungs-Kosten werden auf Anwohner umgelegt 

Brennpunkt Münchener Straße treibt Haager Bürger um 

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Haag - Es sollte "keine politische Diskussion" werden. Das betonte Bürgermeisterin Sissi Schätz mehrmals während der Bürgerversammlung am 3. November. Doch den Haagern brannte das Thema Münchener Straße mit unzähligen Fragen unter den Nägeln.

In erster Linie erwarteten viele Anwohner eine Antwort auf die Kosten, die aufgrund der Umbaumaßnahmen nun auf sie zukommen. Eine Kostenschätzung jedoch könne zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht gemacht werden, bedauerte Schätz. "Die Sanierung der Münchener Straße als ehemalige Bundesstraße übernimmt zu einem Großteil der Bund. Die Kosten für Gehwege, Straßenbeleuchtung und Entwässerungsanlagen - alles was zur Umgestaltung beiträgt - werden zu einem bestimmten Prozentsatz auf die Anwohner umgelegt", erklärte die Bürgermeisterin. 

Das Problem liege in der noch anstehenden Sanierung der Hauptstraße, die direkt in die Münchener Straße führe, für die es aber noch keinen Plan gebe. Eine genaue Nennung der Kosten könne man erst nach der Verbuchung der letzten Rechnung nennen. Die Bewohner der beiden Straßen würden sich die endgültigen Gesamtkosten letztlich teilen.

"Wollen keine vier, fünf Jahre warten!" 

Münchener Straße: Halbzeit der Bauarbeiten

Mit dieser Antwort gaben sich die Haager nicht zufrieden. Unternehmer Josef Sax von der Werbegemeinschaft "Haag aktiv" war der Meinung, es müsse doch eine Zwischenabrechnung geben: "Wir wollen keine vier, fünf Jahre warten, bis die Kosten auf dem Tisch liegen. Für jeden hier ist es interessant zu wissen, wie viel das Ganze kostet." 

Sissi Schätz bat um Geduld und entgegnete, es sei schwierig, einzelne Zahlen für die Eigentümer zu nennen. "Es wäre absolut unseriös jetzt von Seiten der Gemeinde zu sagen, ein Einfamilienhausbesitzer zahlt x Euro und ein Geschäftsbetreiber y Euro. Sobald es eine Kostenschätzung gibt, werden wir mit offenen Karten spielen und eine Informationsveranstaltung für die betroffenen Bürger geben." 

Bürgermeisterin Sissi Schätz hatte ein offenes Ohr für die Anliegen der Haager. 

Kopfschütteln im Bürgersaal. Auch die Kostenmehrung stieß auf Unverständnis. Anfangs sei man von 900.000 Euro ausgegangen, jetzt stünden die Sanierungskosten bei 3,4 Millionen Euro - wie könne die Gemeinde diese Kostensteigerung von Faktor vier erklären? Und wie wolle man garantieren, dass die Kosten für die geplante Sanierung der Hauptstraße nicht auch nach oben schnellen? 

Fragen, die Sissi Schätz mit den steigenden Baupreisen und dem plötzlichem Fund belastender Materialien in der Baustelle der Münchner Straße beantwortete: "Der Gemeinderat hat die Sanierung damals mit nur einer Gegenstimme beschlossen. Wir dürfen definitiv nicht mehr an der Kostenschätzung von 2014 festhalten."

Nachdem die Kosten noch längere Zeit im Dunklen liegen, konnte Andreas Grundner von der Bauleitplanung wenigstens einen Zwischenbericht für den circa einen Kilometer langen Sanierungsabschnitt geben: "Wir liegen im Großen und Ganzen planmäßig in der Zeit und befinden uns auf der Zielgerade. Durch die Entsorgung der belastenden Materialien wurden die Arbeiten minimal verzögert. Derzeit wird der Kreisel Rosenberg hergestellt. Markierungen an den Einfahrten fehlen ebenso wie die Montage der Ampelanlage und die Beschilderungen. Wenn das Wetter mitspielt und es keine Baustellen-Behinderungen mehr gibt, rechnen wir mit einer Öffnung der Münchener Straße für Ende November/Anfang Dezember.

Weitere Anliegen der Haager Bürger: 

Die SIT-Tankstelle am Schachenfeld sei laut eines Anwohners "ein einziger Müllhaufen, fabriziert durch Lkw's, die dort ihre Ruhepausen einhalten". Sissi Schätz erklärte, dieses Problem sei bereits erkannt worden und werde in Zusammenarbeit mit der örtlichen Polizei angegangen. "Es gibt definitiv zu wenig Parkplätze für Lkw-Fahrer", ergänzte Dirk Schreyer, seit einem Jahr neuer Leiter der Polizeistation Haag. "Die Ruhezeiten sind vorgeschrieben, ich kann keinen übermüdeten Lkw-Fahrer zurück auf die B12 schicken, wo er unter Umständen einschläft und einen Unfall verursacht." Die Situation habe sich jedoch bereits verbessert, mittlerweile parke an der Stelle nur mehr ein Lastwagen. Ein ähnliches Problem an der B15 wurde erst kürzlich im Gemeinderat Soyen diskutiert. 

Das Hallenbad und die Turnhalle an der Volksschule seien dringend sanierungsbedürftig. Würde sich hier ein Neubau des Schwimmbads nicht mehr lohnen - wollte ein Haager wissen. Sissi Schätz erwiderte, das sei grundsätzlich Angelegenheit des Schulverbands, ein Neubau aber grundsätzlich nicht ausgeschlossen: "Gemeinsam mit den Nachbargemeinden wollen wir das Bad auf jeden Fall erhalten. Die Frage ist nur, ob wir uns einen Neubau leisten könnten. An erster Stelle steht immer die Sanierung, die von der Regierung geprüft wird. Erst wenn eine Bestandssanierung unwirtschaftlich erscheint, kommt ein Neubau ins Gespräch." Geplant ist für das Hallenbad eine energetische Sanierung und ein barrierefreier Zugang sowie der Einbau energiesparender Technik. Eine erste Kostenschätzung beläuft sich auf rund 6 Millionen Euro.

Dem Haager Schwimmbad steht wohl eine energetische Sanierung bevor.

Gerhard Kramer ließ im Namen des Geschichtsvereins verlauten, dass die Mitglieder mit Bedauern die aktuellen Pläne zu Neugestaltung des Schlosshofs zur Kenntnis genommen hätten. Man wünsche sich einen "schonenden Eingriff und keine radikalen Maßnahmen". Schätz erklärte daraufhin, die Bedenken seien völlig unbegründet, denn die Gemeinde dürfe nach den Vorgaben des Denkmalschutzes sowieso nur "geringfügig in das sensible Gelände eingreifen". Die Sanierungskosten am Schlosshof betragen aktuell rund 500.000 Euro. Eine vielseitige Nutzung für Theater, Märkte, Feste oder als Erholungsfaktor für die Bürger ist rund um das Haager Schloss geplant.  

Das Entfernen des Postkastens an der "Alten Post" stieß bei einem älteren Bürger besonders aufgrund der praktischen Lage auf Unverständnis. Sissi Schätz versprach, den Kasten wieder anbringen zu lassen.

Die Gemeinde St. Wolfgang beugt mit einer Gefährdungsbetrachtung künftigen Überflutungen durch Starkregen vor. Ob solche Maßnahmen auch in der Marktgemeinde Haag vorgesehen seien, wollte ein weitere Haager Bürger wissen. "Unser Gewässerschutzkonzept beinhaltet gefährdete Stellen. Der Markt Haag hat eine glückliche Lage und fällt nicht unter akute Überschwemmungsgebiete", erläuterte die Bürgermeisterin. Sie sehe keine Gefahr von punktuellen Starkregenereignissen und daher gebe es auch keinen Grund, Pläne für Gegenmaßnahmen zu erstellen. 

Dirk Schreyer, der neue Leiter der Haager Polizeistation, ist für die Sicherheit in der Marktgemeinde zuständig.

Ein Anwohner aus der Rainbachstraße wünschte sich zur Verbesserung der Verkehrssicherheit eine 30er-Zone. "Ich habe bereits vor zwei Jahren einen Antrag zur Geschwindigkeitsbegrenzung gestellt, der aber abgelehnt wurde. Deshalb meine Frage, ob denn erst was passieren muss, damit etwas unternommen wird?", so das Anliegen des Bürgers. Dirk Schreyer erwiderte, die Polizei prüfe Unfallschwerpunkte regelmäßig und versprach, die Situation vor Ort nochmal sachlich zu begutachten.

Defekte Straßenleuchten unterliegen dem Aufgabengebiet der Stadtwerke, wird ein weiterer Haager von der Bürgermeisterin aufgeklärt. "Die brauchen nur manchmal ein bisserl länger bei der Reparatur", schmunzelt Schätz.

Der Markt Haag in Zahlen und Fakten:

  • Einwohner: 6399
  • Haushalts-Volumen: 22,2 Millionen (+4,2 Prozent)
  • Verwaltungs-Haushalt: 14,9 Millionen Euro
  • Vermögenshaushalt: 7,3 Millionen Euro
  • Schuldenstand (1.1.2017): 5,28 Millionen Euro, davon Gemeindeanteil 2,72 Millionen Euro und Anteil am Schulverband 2,56 Millionen Euro
  • Schulden pro Einwohner: 825 Euro (Vorjahr: 914 Euro)
  • kostenlose Hotspots durch Bayern-WLAN: Marktplatz, Kerngarten, Bräuhausplatz, Freibad, (Schlosshof und Bürgersaal in Planung)

Umfrage zum Brennpunkt-Thema Münchener Straße:

mb

Quelle: innsalzach24.de

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