Festverein kritisiert Markt Haag nach jüngster Ratssitzung 

Steht die Gemeinde überhaupt hinter dem Haager Herbstfest?

Wann gibt es wieder einen Festzug zum Haager Herbstfest? Wegen Corona fällt das Fest auch 2020 flach. 
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Wann gibt es wieder einen Festzug zum Haager Herbstfest? Wegen Corona fällt das Fest auch 2020 flach. 

Haag - Viel Wirbel hat die jüngste Ratssitzung in Haag ausgelöst. Der Grund: Die kurzfristige Streichung des Tagesordnungspunktes zum Haager Herbstfest, in dem ein Zuschussantrag behandelt werden sollte. Und plötzlich ist sich der Festverein gar nicht mehr sicher, ob die Gemeinde überhaupt noch hinter dem Fortbestand des Haager Herbstfests steht. 

Was war passiert? In der jüngsten Sitzung des verkleinerten Krisengemeinderates in Haag am 21. April hat eine knappe Mehrheit der anwesenden Gemeinderäte um Bürgermeisterin Sissi Schätz einen Antrag des neuen Haager Herbstfestvereins auf Bezuschussung für den Fortbestand des Herbstfests kurzfristig von der Tagesordnung gestrichen


Vorwürfe von Seiten des Festvereins an die Gemeinde 

Dr. Stephan Dörfler, der Vorsitzende des Herbstfestvereins, ärgert sich über das Vorgehen der Bürgermeisterin und der Gemeinderäte Dr. Wolfgang Weissmüller, Josef Hederer, Eva Rehbein und Egon Barlag in Bezug auf die Vertagung des Themas "Haager Herbstfest - Defizitübernahme". Eigentlich hätte sich der im Februar gegründete neue Verein zum Erhalt des Haager Herbstfest an jenem Dienstagabend der Ratssitzung offiziell vorgestellt: "Die Vorstellung in dieser Gemeinderatssitzung war schon lange geplant. Die Zielsetzung war, die kommunale Unterstützung für den Festverein und das Herbstfest abzustimmen." Vom Verein sei ein Kostenkonzept erarbeitet worden, das die im Herbst genannten Kosten deutlich gesenkt hätte.

"Gemeinderäte sprechen Herbstfest jegliche wirtschaftliche Bedeutung ab" 

"Nach der Absage des Oktoberfestes war uns allen im Verein klar, dass es heuer kein Herbstfest geben wird", unterstreicht Dr. Dörfler. "Bereits im März hat der Verein wegen der Corona-Krise eine gewährte Abschlagszahlung der Gemeinde zurücküberwiesen. In der Gemeinderatsitzung sollten nun Weichen für eine Zeit nach der Krise gestellt werden. Dass die Schaffung einer Perspektive ratsam ist, zeigen die derzeitigen Bemühungen der Politiker aller Lager, den Schaden für das ausgefallene Oktoberfest in München zu begrenzen."


Ein Vergleich mit dem Oktoberfest sei dem Vereinsvorsitzenden zufolge zwar "gewagt, aber während man sich in München der wirtschaftlichen Bedeutung der Wiesn durchaus bewusst ist, sprechen in Haag einige Gemeinderäte dem Herbstfest sogar jegliche wirtschaftliche Bedeutung ab. Das ist nicht nur ein Schlag in das Gesicht derjenigen, die das Fest in der Vergangenheit mit viel Liebe und Engagement aufgebaut haben, sondern auch in das der Handwerksbetriebe, Brauereien sowie der über 400 Beschäftigten, die direkt oder indirekt am Herbstfest mitwirken. Von den Besuchern und der Kaufkraft, die das Fest in den Ortskern nach Haag bringt, ganz zu schweigen".

Dr. Stephan Dörfler ärgert sich als Vorsitzender des Haager Herbstfestvereins über das Vorgehen in der jüngsten Gemeinderatssitzung. 

Nachdem bereits eine große Auftaktveranstaltung des Haager Festvereins aufgrund der akuten Corona-Krise entfallen musste, seien einzelne Impulse geplant, die die Menschen in dieser Zeit aufmuntern und gleichzeitig in den Ort locken sollen. "Für den Einzelhandel in Haag wäre das aktuell dringend nötig und würde über die Region hinaus Anerkennung für die gute Zusammenarbeit von Gewerbe, Vereinen und Kommune in Haag bringen. Leider geht das ohne eine ideelle und für die Ausrichtung des Festes dann auch finanzielle Unterstützung nicht." 

Der Haager Festverein bedauere die Entscheidung von Sissi Schätz und dem Gemeinderat, dem Verein in dieser schwierigen Zeit nicht einmal Gehör zu schenken: "Besonders in schwierigen Zeiten ist der direkte Austausch das beste Mittel, um flexibel, klug und weitblickend auf die aktuellen Herausforderungen zu reagieren."

Die Gegendarstellung von Bürgermeisterin und Gemeinde: 

Bürgermeisterin Sissi Schätz reagiert auf die Vorwürfe des Vereins, nachdem innsalzach24.de um eine Stellungnahme gebeten hat und stellt zuallererst klar: "Natürlich stehen wir hinter dem Fortbestand unseres Herbstfestes. Es ist gut für den Ruf von Haag und es hat auch einen gewissen wirtschaftlichen Effekt. In den vergangenen zehn Jahren hat der Gemeinderat immer die wirtschaftliche und imagemäßige Bedeutung des Herbstfestes für Haag mit Zuschüssen und Sachleistungen im fünfstelligen Bereich gewürdigt." 

Gemeinsam mit den an der besagten Sitzung beteiligten Gemeinderäten Dr. Wolfgang Weißmüller, Josef Hederer, Eva Rehbein und Egon Barlag nahm die Bürgermeisterin am frühen Freitagabend Stellung zur Ratssitzung. Anlass des Tagesordnungspunktes sei "nicht die Entscheidung über die Ausrichtung des Herbstfestes, wie die Mitteilung des Festvereins suggeriere, sondern die Finanzierung der Durchführung durch die Gemeinde". Weder die Bürgermeisterin noch irgendein Gemeinderat hätten geäußert, das Fest künftig nicht unterstützen zu wollen. Es müsse aber für jeden nachvollziehbar sein, dass in Krisenzeiten andere Prioritäten gesetzt werden müssen. Der Grundsatzbeschluss, dass die Gemeinde ein Fortbestehen des Herbstfests befürworte, stehe nach wie vor.

Haags Bürgermeisterin Sissi Schätz nimmt Stellung zu den Vorwürfen des Festverein-Vorsitzenden. 

Der Haager Festverein habe eine Defizitübernahme durch den Markt Haag für drei Jahre in unbestimmter Höhe beantragt, um das Herbstfest durchführen zu können. Das bedeute eine "unlimitierte Bürgschaft". Für ein Herbstfest im normalen Rahmen wurden die Kosten auf 116.000 Euro geschätzt. Zur Vorfinanzierung sollten monatliche Abschlagszahlungen in Höhe von 10.000 Euro geleistet werden. 

Vom Haager Festverein sei im Vorfeld der Sitzung nicht an die Gemeinde herangetragen worden, das Herbstfest anlässlich des Sitzungstermins gemeinsam mit der Gemeinde abzusagen. Der gegenteilige Vortrag des Vorsitzenden Dr. Dörfler entspreche auch hier "nicht den Tatsachen". Schätz erklärt im Namen des Rats: "Unser Votum den Tagesordnungspunkt abzusetzen und zu einem späteren Zeitpunkt zu behandeln ist gerade ein Zeichen von Verantwortungsbewusstsein in der Corona-Krise. Es wäre verantwortungslos, den Fokus im Umgang mit Steuergeldern in erheblicher Höhe nur aufeine Veranstaltung zu legen." Natürlich profitiere der örtliche Handel vom Herbstfest, aber das sei obsolet, wenn es eh nicht stattfinden könne. Man müsse sich in Zeiten der Krise erst gemeinsam Gedanken machen, wie man die etablierten Geschäfte überhaupt retten könne. 

Zudem, so betont Schätz abschließend, habe die CSU in der März-Sitzung sehr darum gebeten, dass "nur äußerst dringliche und unaufschiebbare Themen wie beispielsweise Bauanträge" behandelt werden sollen in den Sitzungen während der Corona-Krise. "Da stellt sich schon die Frage, ob gerade dieser Antrag des Festvereins unaufschiebbar ist. Wir haben viele Tagesordnungspunkte neben dem Zuschussantrag des Festvereins, die wir erst zu einem späteren Zeitpunkt behandeln." Schätz sei bewusst, dass man sich damit "keine Freunde" mache, aber man müsse konsequent bleiben - gerade in diesen besonderen Krisen-Zeiten.

mb

Quelle: innsalzach24.de

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